Chorin, Brandenburg

Kloster Chorin

Neue Sachlichkeit in Chorin

Die roten Backsteine des ehemaligen Zisterzienserklosters Chorin, einem bedeutenden Baudenkmal in Brandenburg, leuchten schon von Weitem. Nördlich grenzt ein Friedhof an das Kloster, auf dem unter den Grablegen vieler berühmter Forstleute auch das Grab des Berliner Architekten Max Taut (1884-1967) liegt – besonders auffallend ist hier der kubische Grabstein. Das Leben des Vertreters der „Neuen Sachlichkeit“ ist eng mit dem Kloster verbunden. Nachdem Max Taut, wie viele seiner Kollegen, 1933 von den Nationalsozialisten von öffentlichen Bauvorhaben ausgeschlossen wurde, siedelte er von Berlin nach Chorin über. So sind auch in seinem Nachlass viele Zeichnungen und Aquarelle mit Chorin-Motiven vorhanden.

Spenden Sie jetzt für Sakralbauten

Ihre Spende kommt an!

Früher Denkmalschutz

Das Zisterzienser Kloster wurde 1258 von den brandenburgischen Markgrafen Johann I. und Otto III. unter dem Namen Mariensee gegründet, damals noch acht Kilometer von dem späteren Ort des Kloster Chorin entfernt. Im Jahr 1266 wurde das Kloster, in Brandenburg das erste gotische Bauwerk aus Backstein, dann Stück für Stück nach Chorin verlegt. Ab 1542 wurde das Kloster aufgelöst und das Gebäude mehrmals umfunktioniert. Der Architekt und Baumeister Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) erstellte 1816 ein Gutachten über das Anwesen, das schon völlig heruntergekommen war und hat sich schließlich für den Erhalt des Klosters eingesetzt und so wurde es unter seiner Leitung zum Teil wieder aufgebaut. Es wurden umfassende denkmalschützende Maßnahmen getroffen, darunter ein Auftrag an den Gartenarchitekten Peter Joseph Lenné mit einer neuen Gartenanlage im Jahr 1832.

Im Norden grenzt unmittelbar der Friedhof an das Kloster an, auf dem auch der Architekt Max Taut liegt. Wie sein älterer Bruder Bruno heiratete er eine Tochter des Wirts Gustav Ludwig Wollgast, der die Alte Klosterschänke betrieb. In Chorin waren die beiden Brüder in jungen Jahren über den „Choriner Kreis“ an der Sanierung des Klosters beteiligt. Mit seiner filigranen Ornamentierung und gotischen Formensprache kommt dem Gebäudekomplex eine besondere Bedeutung als Vorbild für die norddeutsche Backsteingotik zu.

Max und Bruno Taut waren vor allem in den 1920er Jahren in Architektenvereinigungen aktiv, in denen sie sich mit Kollegen wie Walter Gropius, Mies van der Rohe, Henry van de Velde oder Hans Scharoun über das Neue Bauen austauschten. Mit ihrem Architektenbüro Taut&Hoffmann entwarfen sie Warenhäuser, Reformsiedlungen und Mietswohnhäuser, Großsiedlungsprojekte, Verwaltungseinrichtungen und Ausstellungsgebäude. Nach dem zweiten Weltkrieg begründete Max Taut mit Wilhelm Büning an der Hochschule für Künste eine Architekturschule und baute das Architekturbüro – ohne seinen verstorbenen Bruder – wieder auf. 1964 erhielt er das Bundesverdienstkreuz.

Grab und Friedhof waren in schlechter Verfassung

Im Jahr 2021 ist es dringend notwendig geworden, nicht nur das Grab der Familie Taut-Wollgast, sondern den gesamten Friedhof zu sichern. Die unpassende und aus der Form gewachsene Gestaltung der Familiengrablege erforderte eine gartenpflegerische Rekonstruktion, zudem musste das von Max Taut selbst entworfene Grabmal dringend saniert werden. Die Standfestigkeit fast aller Grabsteine und Grabeinfassungen auf dem Friedhof war nicht mehr gesichert. Die Deutschen Stiftung Denkmalschutz konnte helfen, das Grab von Max Taut und den Friedhof insgesamt zu erhalten.