Mühle Kerssenboom
Kevelaer, Nordrhein-Westfalen
Bild: Roland Rossner / DSD

Mühle Kerssenboom

Eine Kellerholländerwindmühle

In der ländlichen Region von Kevelaer ist sie schon von Weitem sichtbar: In Alleinlage thront die Windmühle Kerssenboom majestätisch über den kleinen Ortsteil Winnekendonk. Lange galt die Kerssenboom-Mühle als nicht mehr zu retten und wurde aufgegeben. Doch u.a. durch den Einsatz der Deutschen Stiftung Denkmalschutz konnte ihr Erhalt gesichert und das Flügelkreuz instandgesetzt werden.

Spenden Sie jetzt für Industrie und Technik


Geschichtszeugin ohne Aufgabe

1849 entstand die Kerssenboom-Mühle als Turmholländer und sorgte 100 Jahre lang für gemahlenes Getreide in der Region. Als eigenständiger Teil einer Hofanlage wurde sie aus unverputztem Backsteinmauerwerk mit Stichbogenfenstern errichtet. Eigentlich ist die Mühle ein „Kellerholländer“ – auf einem hohen Kellergeschoss sitzt der Mühlenschaft. Über eine äußere Metalltreppe erreicht man den hoch gelegenen rundbogigen Eingang. Der ursprünglich mit Holzschindeln gedeckte Kappenbereich krönt das beeindruckende Bauwerk. Die aus der Zeit um 1900 stammende Mühlentechnik ist weitgehend vollständig original vorhanden und dokumentiert eindrucksvoll einen ehemals wichtigen Wirtschaftsfaktor am Niederrhein. Genauso sind die hölzernen Gatterflügel erhalten, die einst mit Segeltuch bespannt waren. Der erhaltene „Holzstert“ sorgt dafür, dass die Flügel in den Wind gedreht werden können. Als „Gesellschaftsmühle“ entstanden, betrieben sieben Ackerwirte und der Kaufmann Theodor Kerssenboom sie zusammen. 1872 wurde sie auf Dampfbetrieb umgestellt, 1913 auf Elektroantrieb. 1949 wurde sie dann endgültig stillgelegt und mahlt bis heute nicht mehr.

Unrettbare Gesellschaftsmühle?

Als landschaftsprägendes Wahrzeichen und kulturelles Erbe der Region ist die Mühle Kerssenboom von besonderem Wert. Und trotzdem war die Mühle bis 2019 akut gefährdet – dann nahm sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz Ihrer Rettung an. Die Mühlenkappe – der auf dem Turm aufliegende bewegliche Kopf – wurde gesichert. Im Inneren der Mühle war es an den Böden, Treppen, Balken und Balkenköpfen zu gravierenden Feuchtigkeitsschäden gekommen. Vier Treppen konnten inzwischen instandgesetzt werden. Auch sind das bereits instandgesetzte Flügelkreuz und das Stertwerk montiert, der Blitzschutz erneuert und das Mühlwerk ausgerichtet worden.

Turmholländer, Backsteinbau, 1849 erbaut, 1949 stillgelegt, original erhaltene Mühlentechnik von 1900, Förderung 2019, 2020 und 2023.

Adresse:
Sonsbecker Str.
47626 Kevelaer
Nordrhein-Westfalen

Die Mühle Kerssenboom erzählt ihre Geschichte
Hören Sie rein in unseren Podcast!