Schon seit ungefähr 1400 kann die Dorfkirche in Dormitz das bewegte Leben der Menschen vor Ort dokumentieren, die jahrhundertelang dem Kräftespiel zwischen der Reichsstadt Nürnberg, den Bischöfe von Bamberg und den Hohenzollern ausgeliefert waren. Der spätgotische Bau, dessen größte Veränderung die Umgestaltung zum Barock in den 1720er Jahren mit sich brachte, verfügt über wertvolle Kirchenschätze. Die Diözese Bamberg stuft sie als besonders hochwertig und gut im Original erhalten ein. Viel davon konnte bewahrt werden, obwohl das Dorf im 30-jährigen Krieg (1618-48) durch Plünderung und Brand völlig zerstört wurde und sogar seine Bewohner verlor. Im 18. Jahrhundert kamen weitere Schätze bei einem Umbau der Kirche hinzu, darunter die prachtvolle Barockstuckdecke.
Die 600 Jahre alte Kirche wurde in zwei Umbauphasen erweitert: 1490 erhöhte man den Turm und baute die Vorhalle, das so genannte Paradies, an. Von 1720-23 erhöhte man das Langhaus und verlieh den Fenstern einen runden Bogen. Der Künstler Georg Sebastian Urlaub gestaltete die Barock-Stuckdecke, die man zu den Höhepunkten seiner Schaffenskraft zählt. Vor zwei Jahren stürzte eine große Fläche des mittleren Deckenfreskos ab. Beim Anwerfen des Putzes zur Entstehungszeit hatten sich Hohlräume gebildet, die heute die Befestigungen schwächen. Daher ist die Sanierung der Putzdecke mit ihren kostbaren Fresken besonders bedeutsam.
Ein weiterer Schatz ist der „steinerne Ölberg“ aus dem 16. Jahrhundert von Veit Wirsberger. Eines der wertvollsten Kunstwerke ist die Anna Selbdritt, eine Lindenholzplastik, die von Experten als eigenhändiges Werk Tilman Riemenschneiders bezeichnet wird – einem der bedeutendsten Künstler der Spätgotik. Im Chor und im Langhaus befinden sich Glasscheiben von Veit Hirsvogel, einem Glasmacher, der vor allem durch die Zusammenarbeit mit Albrecht Dürer Berühmtheit erlangte. Trotz des unbekannten Künstlers ist die bekannteste Figur der sogenannte „Beter von Dormitz“: Möglicherweise wurde mit der Lindenholzskulptur, die um 1500 entstand, der reiche Nürnberger Bürger Kunz Horn dargestellt, allerdings in der Gestalt der Heiligen Matthäus des Zöllners, da er eine Geldtasche trägt. Er war als wohltätiger Stifter bekannt.
Nachdem die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mithilfe ihrer Förderer bereits die Instandsetzung des Daches unterstützen konnte, war die bedeutende Stuckdecke an der Reihe. Auch hier konnte die Stiftung mit der Hilfe von Spenden tätig werden.