Schon seit 1837 können Greifswalder in ihrer Rats- und Bibliotheksbuchhandlung Bücher kaufen. Dabei täuscht die neogotische Fassade darüber hinweg, dass es sich bei dem Gebäude um ein original gotisches handelt: Bei einer umfassenden denkmalgerechten Sanierung 1995 stellte man fest, dass der Dachstuhl aus Eichenholz gezimmert ist, das bereits im Jahr 1307 gefällt wurde. Doch die neogotische Putzfassade, die 1864 mit dekorativer Malerei gestaltet wurde, bröckelte. Eine grundlegende Restaurierung war erforderlich, bei der die Deutsche Stiftung Denkmalschutz 2024 unterstützte.
Das Grundstück der Lange Straße liegt zwischen dem historischen Marktplatz und dem Dom. In seiner schmalen, langgestreckten Form zwischen Langer Straße und Lappstraße ist es seit dem Mittelalter unverändert. Das Giebelhaus hat noch die Form ursprünglicher mittelalterlicher Häuser der Handwerker und Kaufleute. Die Begrenzung zu den Nachbargebäuden besteht aus einer 80 Zentimeter dicken, gemeinsam genutzten Brandmauer. Wie diese stammen auch noch der Kern der Fassade und das Sparrendach aus dem 14. Jahrhundert. Die ursprünglich höhere Diele war der Arbeitsraum und darüber befanden sich mehrere Lagerböden. Nur die Kemlade, der zweigeschossige hofseitige Anbau, auf dessen Deckenbalken sich heute noch Reste der Malereien aus der Renaissance befinden, diente zu Wohnzwecken.
Schriftlich belegt sind die Kaufleute und Händler als Bewohner seit dem Jahr 1704. Im 18. Jahrhundert fanden umfassende Umbauten statt, man verlegte die Wohnräume in das Haupthaus und gestaltete sie im Stil des Rokokos aus. Reste der Raumausstattung mit der ursprünglichen Farbgebung sind noch vorhanden, auch ein reich gegliederter Wandfries mit muschelartigen Ornamenten wurde bei der letzten Restaurierung entdeckt. Aus dieser Bauphase sind die Fenster und Türen im Erd- und im Obergeschoss erhalten, auch die straßenseitige Haustür sowie die Fachwerkfassade und die Fenster des Hofanbaus stammen aus dieser Zeit. Die heute noch vorhandene Geschosstreppe wurde um 1800 eingebaut und ist ein schönes Beispiel für die klassizistischen Treppen Greifswalds.
Seit 1837 bis heute wird hier eine Buchhandlung betrieben. Die heutige Fassadengestaltung geht auf den Umbau des Hauses durch den Buchhändler L. Bamberg im Jahre 1864 zuru¨ck. Die bereits im l8. Jahrhundert entsprechend dem barocken Zeitgeschmack vernderte Fassade wurde neogotisch umgestaltet, indem man einen dreiteiligen Pfeiler-Treppengiebel anbrachte. Das Besondere und für Greifswald Einzigartige in der Gestaltung dieses Giebels ist die reiche Ornamentik der Farbfassung der Fassade.
Die Rats- und Universitätsbuchhandlung ist einer der ältesten bürgerlichen Bauten Greifwalds und fällt besonders durch die aufwändig gestaltete Straßenfasse auf. Nachdem diese, auch mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, instandgesetzt werden konnte, bereiteten witterungsbedingte Schäden und Abplatzungen im Putz der Hoffassade des historischen Gebäudes Sorgen. Auch hier half die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bei der notwendigen Restaurierung.
Erfahren Sie mehr über dieses Denkmal im Online-Magazin Monumente der Deutschen Stiftung Denkmalschutz mehr