Ratzeburg, Schleswig-Holstein

Ratzeburger Dom

Unverbaut auf der Stadtinsel Ratzeburg

Eine Zeitreise ins Mittelalter – jedenfalls fühlt es sich so an, wenn man sich dem Ratzeburger Dom nähert. Er ragt, unverbaut von neueren Gebäuden, auf dem höchsten Punkt der Insel der Stadt Ratzeburg auf. Diese liegt, von vier Seen umgeben, zwanzig Kilometer südlich von Lübeck an der Grenze zu Mecklenburg. Heinrich der Löwe stiftete die Kathedrale aus Backstein, deren Grundstein am 11. August 1154 gelegt wurde. Sie gehört zu den ältesten Kirchengebäuden Schleswig-Holsteins und ist mit ihrem Kreuzgang und Kloster eines der am besten erhaltenen Ensembles der Spätromanik in Europa. Außerdem verfügt sie über eine reiche Innenausstattung, unter anderem mit dem ältesten Chorgestühl Norddeutschlands. Die Deutsche Stiftung Denkmal hat dabei geholfen, das wertvolle Denkmal zu erhalten.

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Spätromanischer Löwendom

Zwischen 1160 und 1220 wurde die Ratzeburger Basilika errichtet. Nach dem Namen ihres Stifters ist sie einer der so genannten Löwendome, zu denen auch die von Schwerin, Lübeck und Braunschweig gehören. Während die Kathedralen von Lübeck und Schwerin später zu herausragenden Vertretern der Backsteingotik umgebaut wurden, gehören der Braunschweiger und der Ratzeburger Dom zu den bedeutenden romanischen Bauwerken Deutschlands.

Um den Ratzeburger Dom auf der Stadtinsel nach Osten ausrichten zu können, musste man Erde anschütten, da der Platz für die romanische Basilika nicht ausgereicht hätte. Wohl wegen der Statik verzichtete man auf dem schwierigen Untergrund auf den ursprünglich geplanten zweiten Turm. Die drei Kirchenschiffe wurden im für die Romanik typischen gebundenen System errichtet. Die parallel zum Mittelschiff angeordneten Seitenschiffe werden dabei durch die parallele Anordnung und die Gliederung mit regelmäßigen Arkaden optisch so eingebunden, dass eine Raumeinheit entsteht. Typisch für die Spätromanik, sind die Rundbögen zwischen den Säulen noch romanisch, während das Kreuzgewölbe des Mittelschiffs bereits den gotischen Stilmerkmalen zuzuordnen ist.

In der Romanik begann man zudem, den Kirchen ein Querhaus hinzuzufügen, mit dem der Ratzeburger Dom im Grundriss und Aufriss ein Kreuz bildet. Über der Vierung, also dem zentralen Punkt des Kreuzes, befindet sich ein hoher Dachreiter. Dem Westwerk am Turm angegliedert wurden zwei weitere Querbauten, durch die der Dom betreten werden kann. 1251 entstand das angegliederte Prämonstratenser-Kloster mit dem Kreuzgang.

Mauerwerk der frühen Backsteinkunst

Die hohe Backsteinkunst wird schon in der Vorhalle deutlich. Der Wechsel von lasierten und unlasierten Backsteinen und der Einbezug von Rundsteinen im Portal zum Hauptgebäude erzeugen eine harmonische Wirkung. Im Innenraum der Kirche entsteht durch das Material und die in ihren Proportionen der „heiligen Geometrie“ folgende Raumgestaltung ein warmes Farbspiel. Zeitweise waren die Backsteine mit Putz verdeckt. Heute zeigt sich der Backsteinbau in seiner ursprünglichen Schönheit. Jedoch war das Mauerwerk mit den Backsteinen sichtbar in die Jahre gekommen: Im gesamten Bauwerk sind Schäden an den Fugen zu erkennen, Risse und Verformungen deutlich erkennbar. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützte bei der Sanierung des Domwestbaus.