Tagsüber laufen die Passanten vorbei, ohne von dem Eckhaus an der stark befahrenen Hardenbergstraße in Berlin Notiz zu nehmen. Erst in der Nacht entfaltet das Renaissance-Theater seinen Zauber. Dann leuchten die hohen Fenster wie Lichtsäulen in schillernden Blautönen. Wer in das Foyer des Privattheaters tritt, erlebt ein sinnenbetörendes Schauspiel aus satten Farben, schwingenden Formen und kostbaren Oberflächenreizen. In die goldgelbe Seidenwandbespannung sind Art Déco-Muster eingewebt, die kunstvollen Türbeschläge an den Logeneingängen mit Blüten und grotesken Masken besetzt. Die Theaterarchitektur entführt die Besucher aus dem Alltag, bevor die Aufführung überhaupt begonnen hat. Im Zuschauerraum sitzen sie, umfangen von einem Intarsienwandbild aus edlen Hölzern mit Szenen aus der Commedia dell´ Arte, wie im Inneren einer riesigen Schmuckschatulle. Der Berliner Architekt Oskar Kaufmann hatte bereits zahlreiche Theater- und Kinobauten entworfen, beim Umbau des Renaissance-Theaters 1926 jedoch waren die baulichen Voraussetzungen heikel. Es galt, einen ehemaligen Kinosaal, eingebaut in einen Mietshausblock, in ein Theater zu verwandeln. Kaufmann tat sich mit dem Maler und Bühnenbildner César Klein zusammen – beide kreierten ein innenarchitektonisches Juwel. Als das kleine Theater 1927 nach sechs Monaten Umbauzeit eröffnet wurde, schwärmte der Kritiker Alfred Kerr: "Es ist von einer Zauberholdheit, die man nicht bloß mit der Pupille, sondern mit der Seele fühlt." Der Erhalt dieses fragilen Kleinods überfordert das bis heute privat geführte Theater. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz half – und konnte viele Mitstreiter gewinnen. So traten auf einer festlichen Matinee Loriot und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit gemeinsam auf die Bühne, um sich für die Rettung des in seiner Vollständigkeit europaweit einzigartigen Art-Déco-Theaters stark zu machen.
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