"Ludwig und seine Gattin Julia, Barone von Schacky auf Schönfeld haben diesen Tempel im Jahr des Herrn 1905 errichtet". So lautet die stolze Inschrift des Herzstückes ihres Gartenparadieses, des Monopteros. Der mit seinen Säulen an einen Tempel erinnernde, runde Pavillon fügte sich malerisch in die Parkanlage ein. Nur zwei Jahre vorher hatten der königliche Kämmerer und Oberstleutnant a.D. Ludwig (1849-1913) und seine Frau Julia (1852-1910) die unbebauten Wiesen am Hang mit den eindrucksvollen Ausblicken über den See und das Alpenvorland entdeckt. 40 Kilometer südwestlich von ihrer Residenz in München entfernt, konnten sie sich nun auf der Sitzbank aus feinem Marmor niederlassen und eine herrliche Sicht bis hin zu den Alpen genießen. Bis 1913 kamen plätschernde Brunnen, ein Teehaus, mythische Statuen, beleuchtete Vasen, einladende Wege und seltene Pflanzen hinzu, die den Weg von ihrer Villa Diana zu diesem Aussichtsplatz schmückten. Rund 100 Jahre nach ihrer Entstehehung wurde die Parklandschaft mit ihren seltenen Bäumen und den verwunschenen Wegen behutsam wiederhergestellt.
Was war geschehen? Nach dem Tod des Freiherrn wechselten mehrfach die Besitzer, bis schließlich 1933 die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul das Gelände übernahm. Bis 2003 nutzten diese es vor allem landwirtschaftlich, so dass die Natur sich den Park zurückeroberte: Wege, die einst zu prachtvollen Brunnenanlagen führten, wuchsen zu. Büsche und Bäume wucherten über den Monopteros, das Teehaus und das Entenhaus. Wasserspiele wurden undicht, schmiedeeiserne Kunstwerke verrosteten, der Teich versandete. Erst als die Marktgemeinde Dießen 2006 gemeinsam mit Ehrenamtlichen die Verantwortung für den historischen Park von den Schwestern übernahm, kam wieder Leben in den alten Traum von italienischer Renaissance und japanischer Gartenkunst.
Staunend und mit wachsender Begeisterung entdeckte man die alten Schätze wieder: Viele ehrenamtliche Helfer restaurierten den Monopteros und das ebenso verfallene Teehäuschen. Wege wurden wieder nutzbar gemacht und Skulpturen ausgegraben. Mit schwerem Gerät legte man den Teich wieder frei. Die alten Sichtachsen wurden langsam wieder erkennbar und der alte Zauber kehrte zurück. 2017 förderte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die Restaurierung der schmiedeeisernen Einfriedung an der Promenade und die Wiederinstallierung der Teichfontäne