Blaufarbenwerk "Schindlerswerk"
Zschorlau, Sachsen
Bild: Dor Jörsch - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=69470004

Blaufarbenwerk "Schindlerswerk"

Älteste aktive Farbenfabrik und Weltkulturerbe

Die Farben Blau sieht man hier überall - sei es zur Betonung der Baukörper oder an den Fenstern. Das verwundert auch nicht, denn die Schindlerswerk GmbH & Co. KG ist die wahrscheinlich weltweit älteste noch produzierende Farbenfabrik. Die Blaufarbenproduktion im Erzgebirge dominierte lange Zeit ganz Europa. In insgesamt fünf Werken wurden Kobalterze verarbeitet. Das jüngste der ehemals fünf Blaufarbenwerke wurde Mitte des 17. Jahrhunderts im Zschorlauer Ortsteil Albernau gegründet und ist einer der wichtigsten Teile des UNESCO-Weltkulturerbes Montanregion Erzgebirge.

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200 Jahre lang Beherrschung des Weltmarktes

Das Schindler'sche Blaufarbenwerk liegt direkt an der Zwickauer Mulde. 1649 erhielt Erasmus Schindler (1608-73) von dem sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. (1585-1656) das Privileg zum Errichten eines Blaufarbenwerkes an der Mulde bei Bockau. Hier siedelte sich nach dem Bau eines Herrenhauses sowie weiterer Hütten- und Produktionsgebäude eine Arbeitersiedlung an. Nach fast 200 Jahren Beherrschung des Weltmarktes für Kobaltglasprodukte wurde 1855 die Produktion von Kobaltblau zugunsten des auf synthetischer Basis produzierten Ultramarin eingestellt. Durch die ab 1860 angewandte neue Technologie waren die Rauchgase des Werkes allerdings stark mit schwefliger Säure belastet. Das führte innerhalb relativ kurzer Zeit zu einer Umweltkatastrophe: In der Umgebung des Werkes kam es zu einem großflächigen Waldsterben. Betroffen war vor allem auch der Jurist und Rittergutsbesitzer Hans Karl August von Trebra-Lindenau (1842-1914), der 1863 gegen Schindlers Werk klagte.

Erste industrielle Rauchgaswäsche

Eine Schließung des Werkes konnte nur durch die Reinigung der Rauchgase verhindert werden: Ab 1866 installierte der Entdecker des chemischen Elements Germanium, Clemens Winkler (1838-1904), die erste industrielle Rauchgaswäsche. Das Verfahren, bei dem Kalkstein Schadstoffe absorbiert, führte zum Durchbruch bei der Rauchgasreinigung. Das Patent dazu erhielt der Sächsische-Privat-Blaufarbenwerk-Verein am 20. Oktober 1878. Die Ultramarinproduktion war inzwischen auf 250 Tonnen im Jahr gestiegen.

1947 als VEB Ultramarinfabrik wurde Schindlerswerk vom Blaufarbenwerk Nickelhütte in Aue abgetrennt und zum einzigen Hersteller von Ultramarinblau in der DDR. 1991 gelang die Reprivatisierung. Die wahrscheinlich älteste noch aktive Farbenfabrik verfügt über eine lange Tradition in der Produktion von blauen Kobaltpigmenten und der gewerblichen Herstellung von Farbpigmenten. In neuerer Zeit wurde die Produktion um diverse Anstrichstoffe erweitert. Zudem wird auch Wäscheblau hergestellt.

17 Stätten gehören zu Sachsen und fünf zu Tschechien, Schindlers Blaufarbenwerk ist die einzige in Privatbesitz. Hier ist die fast 400jährige Geschichte des Sächsischen Hütten- und Blaufarbenwesens ablesbar. Im August 2017 wurde ein Förderverein gegründet. Dieser soll sich um die Erhaltung verschiedener Gebäude und die museale Nutzung kümmern. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz plant, Sicherungsmaßnahmen zur Sanierung des Werksturms zu fördern. Unterstützen Sie mit Ihrer Spende, dieses zum UNESCO-Welterbe gehörende und so wichtige Industriedenkmal der Montanregion Erzgebirge!

bis heute aktive Farbenfabrik aus dem 17. Jh.; 1649 erhielt Erasmus Schindler von dem sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. die Erlaubnis zur Errichtung; Förderung 2020

Adresse:
Schindlerswerk
08321 Zschorlau
Sachsen