Gut sichtbar ragt der rote Backsteinturm der ehemaligen Feuerwache II aus dem Häusermeer der Lübecker Vorstadt St. Lorenz empor. 1902 machten wachsende Bevölkerungszahlen sowie der Güterbahnhof und eine Fabrik in der Nähe den Bau einer Feuerwache, nebst Polizeiwache notwendig.
Das Gebäudeensemble – bestehend aus dem Haupthaus, einer Reserveremise und dem kombinierten dreigeschossigen Schlauch- und Steigeturm ist in einer technikgeschichtlich interessanten Zeit entstanden, in der die ersten benzinbetriebenen Feuerwehr-Kraftfahrzeuge aufkamen. Nach über 80 Jahren Nutzung konnten das alte „Spritzenhaus“ und die anderen Gebäude den Ansprüchen einer modernen Feuerwehr nicht mehr gerecht werden. Jahrzehntelang stand der Turm leer – die Folgen sind unübersehbar. Bitte spenden Sie für den Erhalt des stadtbildprägenden Bauwerks!
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es hauptsächlich zwei Typen von Feuerwehrfahrzeugen: Der Spritzenwagen und die Schiebleiter. Sie wurden entweder von Pferden oder von der Mannschaft selbst zum Brandort gezogen. Das erste Feuerwehr-Kraftfahrzeug der Welt mit einem Verbrennungsmotor wurde 1902 vorgestellt. Zwar hatten die mutigen Kollegen anfangs noch Bedenken, mit benzingetriebenen Wagen nahe an Brände heranzufahren. Doch letztendlich überwogen die Vorteile der neuen technischen Möglichkeiten und die motorisierten Fahrzeuge setzten sich durch. Genau in dieser Zeit des technischen Wandels entstand die Lübecker Feuerwache.
In den 1980ern wurde eine neue Citywache in der Welsbachstraße errichtet. Für die ehemalige, denkmalgeschützte Feuerwache fand sich nach einiger Zeit eine neue Nutzung. Sie wurde 1996 zu einem Wohn- und Arbeitsprojekt umgebaut. In der ausgedienten Feuerwehrwagenhalle entstanden eine Gaststätte und ein Veranstaltungsraum.
Nur der Schlauchturm blieb seit 1984 ungenutzt. Der heute 27,4 Meter hohe Backsteinturm ist schlicht und im Stil der klassischen Moderne ausgeführt, der ursprüngliche Bau wurde 1941 ersetzt. Im Innern sind noch die historische Zugmaschine und der Hängeboden erhalten. Als Feuerwehrschläuche noch aus Hanf hergestellt wurden, mussten sie nach Übungen oder Einsätzen getrocknet werden, um nicht zu verschimmeln. Dafür gab es an jeder Feuerwache die weithin sichtbaren Schlauchtürme. In deren Inneren wurden die Schläuche über Flaschenzüge oder Maschinen nach oben gezogen. Die heutigen Schläuche sind aus Kunstfasern und damit weniger gefährdet, dazu gibt es elektronische Schlauchtrockner. Allerdings werden die Schlauchtürme vielerorts auch als Übungstürme für die Kameradinnen und Kameraden oder als Standort für Mobilfunksendemasten weiter genutzt. In manchen Fällen werden sie aber auch abgerissen.
Mit einer denkmalgerechten „Haus-in-Haus-Lösung“ möchte man den Lübecker Schlauchturm vor diesem Schicksal bewahren. Eine Nachnutzung als Wohnraum – fünf Wohnungen soll er unter seinem Dach beherbergen – kann den Erhalt des Baudenkmals sichern. Doch damit dieser Plan Wirklichkeit wird, muss noch viel getan werden: Das Dach und die Dacheindeckung müssen saniert werden, außerdem ist eine Instandsetzung der Fassade mit Mauerwerk, Fenster und Türen notwendig. Ihre Spende leistet einen wichtigen Beitrag, dem Lübecker Schlauchturm ein zweites Leben als Wohnturm zu ermöglichen!