Schloss Hartenfels
Torgau, Sachsen

Schloss Hartenfels

Einer der wichtigsten Orte für die Reformation

Luthers Geburtsstadt Eisleben, die 95 Thesen von Wittenberg, Junker Jörg auf der Wartburg über Eisenach, das sind alles Orte und Begriffe, die jederzeit mit dem großen Reformator in Verbindung gebracht werden. Dabei wird Torgau nicht immer genannt, obwohl es einen nicht minder wichtigen Ort für Martin Luther (1483-46) und die Reformation darstellt.

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Hier beriet Luther den Kurfürsten

Auf Schloss Hartenfels fand Luther in Kurfürst Johann Friedrich (1503-54) mit dessen Machtantritt 1532 einen Landesherrn, der ihn unterstützte. Schon dessen Vater Johann der Beständige (1468-1532) war ein glühender Anhänger der Reformation gewesen. Und Johann Friedrichs Onkel Friedrich der Weise (1463-1525) hatte Luther auf der Wartburg verstecken lassen. Aber der junge Kurfürst Johann Friedrich selbst war es, der Luther an den Hof in Torgau holte - als Ratgeber! Mehr als 40 Mal kam Luther von Wittenberg nach Torgau. Von Schloss Hartenfels nahm die lutherische Reformation politisch, religiös und administrativ ihren Ausgang.

Erster protestantischer Kirchenneubau der Welt!

Die Burganlage wurde erstmals 973 erwähnt, als Kaiser Otto II. Honig- und Handelszehnten im Ort Turguo dem Erzbistum Magdeburg verlieh. Unter Herzog Albrecht und Kurfürst Ernst entstand seit 1470 das große Renaissance-Schloss als unregelmäßiger Vierflügelbau. Als Baumeister waren Arnold von Westfalen, Conrad Pflüger und Konrad Krebs an der Neugestaltung beteiligt. Ab 1485 residierte hier der Ernestinische Zweig der Wettiner. Schloss Hartenfels hat Johann Friedrich gleich nach seinem Amtseintritt umbauen lassen. Es ist im wahrsten Sinne Symbol fürstlicher Machtdemonstration und zählt zu den bedeutendsten Bauten der deutschen Frührenaissance, insbesondere der 1533-38 errichtete Johann-Friedrich-Bau mit dem "Großen Wendelstein". Die spiralförmigen Stiege im vorgelagerten Turm von 1536 und der Kapellenflügel mit dem "Schönen Erker" sind bis heute Meisterleistungen der Architektur geblieben. Die Schlosskapelle im Kapellenflügel gilt als erster protestantischer Kirchenneubau der Welt. Am 5. Oktober 1544 steigt Luther höchstpersönlich auf die Kanzel und predigt zur Einweihung der Kirche. Der Wandpfeilersaal mit Netzrippengewölbe und zwei Emporengeschossen blieb nahezu unverändert.

Steter Verfall

Doch nach der verlorenen Schlacht bei Mühlberg im Schmalkaldischen Krieg (1546-47), bei dem die protestantischen Verbündeten eine empfindliche Niederlage erlitten, ging der Kurfürst in Gefangenschaft, Stadt und Feste 1547 an den albertinischen Zweig der Wettiner über. Die hatten sich im Schmalkaldischen Krieg auf die Seite der Katholiken gestellt. Kaiser Karl V. nannte Schloss Hartenfels bei seinem Einzug 1547 "eine recht kaiserliche Burg". Doch in der Folgezeit wurde das Schloss kaum noch genutzt, denn die Albertiner regierten von Dresden aus. Durch den Siebenjährigen Krieg (1756-63) verwahrlost, wurde es ab 1771 zum Zucht- und Arbeitshaus umgebaut, ab 1780 zum Armen- und Waisenhaus. Unter den Preußen diente das einst so stolze Schloss an der Elbe von 1817-1900 als Kaserne, ehe es für das Lehrerinnenseminar, das Amtsgericht und die Justizverwaltung umgebaut wurde. Am Fuße des Schlosses fand 1945 die erste Begegnung der West-Alliierten mit den sowjetischen Truppen auf der Elbebrücke statt, der jedes Jahr durch ein internationales Treffen gedacht wird.

Restaurierung nach der Wende!

Heute ist das Schloss Sitz des Landratsamtes. Seit 1991, also schon kurz nach der Wende, engagiert sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz für dieses Denkmal von nationaler Bedeutung. Denn der Sanierungsaufwand ist enorm. Die Restaurierung der hochwertigen Bauteile von Schloss Hartenfels kommt einer nationalen Aufgabe gleich - gerade vor dem Hintergrund, dass der Ort so wichtig für Luther und die Reformation ist. Die treuhänderische Jutta Schoeller-Meinz-Stiftung in der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) unterstützt auch in diesem Jahr Instandsetzungsmaßnahmen auf Schloss Hartenfels in Torgau.

Anlage um einen unregelmäßig viereckigen Hof, 15.-19. Jh., mehrere Anbauten, Förderung 1991, 2001-03, 2016-17

Adresse:
Schlossstraße
04860 Torgau
Sachsen