Segenskirche
Bezirk Pankow ST Prenzlauer Berg, Berlin
Foto: Spreetunnel, Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/

Segenskirche

Die Kirche in der Häuserzeile

Normalerweise kennen wir Kirchen als eigenständige und einzeln stehende Sakralbauten. Die Zeit um die vorletzte Jahrhundertwende jedoch verlangte nach Kompromissen. So wurde die Segenskirche Prenzlauer Berg in Berlin aus Platzmangel in die Häuserzeile eingebaut. Das Gotteshaus entstand 1905-08 nach Entwürfen von August Dinklage (1849-1920), Ernst Paulus (1868-1935) und Olaf Lilloe. Bis heute prägt der 75 Meter hohe Turm das Bild dieses historischen Stadtteils mit über 163.000 Einwohnern, der im Krieg wenig zerstört und deshalb bis heute von vielen Bauten der Zeit um 1900 geprägt ist. Mitten im Kiez an der Schönhauser Allee erhebt sich so die authentische Segenskirche eindrucksvoll in einer Straßenfront mit vier- und fünfgeschossigen Mietshäusern. Ein Stahlfachwerk im Inneren stabilisiert dabei den mächtigen Turm und trägt die Glocken. Doch mittlerweile ist der Turm stark beschädigt, mittelfristig sogar einsturzgefährdet.

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Paradebau der Berliner Architektur zur Kaiserzeit

Der Komplex von Gemeindehäusern, Pfarrhaus und Kirche, der sich um einen kleinen Innenhof gruppiert, ist ein hervorragendes Beispiel für die Berliner Kirchenbauten der vorletzten Jahrhundertwende. Just im Jahr des Baubeginns hatte die Hauptstadt die Zweimillionen-Marke überschritten. In dieser Zeit strömten jährlich Zehntausende neuer Bewohner an die Spree. Größtmögliche Parzellenausnutzung war die ausgegebene Devise. Die Architekten sollten auf die bereits vorhandene umgebende Bebauung Rücksicht nehmen und sich an die festgesetzte Bauflucht halten. Die Entwurfsverfasser sind durch zahlreiche verwirklichte Bauten, insbesondere in Berlin bekannt. Bis 1912 realisierte die Architektengemeinschaft acht Berliner Kirchen und zahlreiche Herrenhäuser und Villen auch im norddeutschen Raum.

Reicher Schmuck in Formen der Renaissance und des Barock

Die Kirchenfassade ist in Aufteilung und schmückendem Dekor oberitalienischen Renaissanceformen nachempfunden, der Bau selbst in seiner Originalsubstanz nahezu vollständig erhalten. Der Innenraum der Kirche - ein Zentralbau auf griechischem Grundriss - wird von einer oktogonalen Kuppel überwölbt. Er weist reichen Schmuck auf, der sowohl Renaissance- als auch Barockformen nachempfunden ist. Das Pfarr- und Gemeindehaus ist als Klinkerbau errichtet - mit seiner spitzbogigen Durchfahrt, den symmetrischen Erkerausbauten, der vierbogigen Loggia und der Giebelkrönung ein wahrer Blickfang in der Straßenzeile und im Kiez an der Schönhauser Allee.

Der 75 Meter hohe Turm war vom Einsturz bedroht

Doch seit dem Krieg war der Turm stark geschädigt. Mittelfristig bestand sogar Einsturzgefahr. Die Liste der Schäden war lang: Schadhafter Putz, durchbrochene Sandsteinbrüstung, Kunststoff statt Kupferblech an Schallluken, Totalschäden an den Stahlträgern der Glockengeschossdecke, Einschusslöcher aus der Schlacht um Berlin. 2019 konnte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz - auch mit Hilfe von Spenden - die Sanierungsarbeiten an diesem herrlichen Denkmal in einem kaum zerstörten Stadtteil unserer Hauptstadt finanziell unterstützen.

Neorenaissance-Bau, errichtet 1905-08 mit prägendem, 75 Meter hohem Turm, Förderung 2019

Adresse:
Schönhauser Allee
10435 Bezirk Pankow ST Prenzlauer Berg
Berlin