Stadtkirche St. Nikolai
Gützkow, Mecklenburg-Vorpommern

Stadtkirche St. Nikolai

Ein stattliches Gotteshaus mit einem großen Problem

Malerisch liegt das vorpommersche Gützkow im Naturschutzgebiet Peenewiesen.1235 wurde der Ort im unteren Tal der Peene zur Stadt erhoben - ein Privileg, auf das die Landstadt mit ihren heute rund 2.700 Einwohnern noch immer stolz ist. Dieses Selbstbewusstsein spiegelt sich auch in der Pfarrkirche St. Nicolai wider. Der im Kern aus dem 13. Jahrhundert stammende Bau wurde mehrfach baulich verändert. Der markante Turm, heute unübersehbare Landmarke von Gützkow, kam in seiner jetzigen Form sogar erst Ende des 19. Jahrhunderts hinzu, als man den Sakralbau neugotisch umgestaltete - ein Fehler, wie man heute weiß. Die Umbauten führten zu statischen Schäden, deren Auswirkungen nicht mehr zu übersehen sind. Bitte helfen Sie, die aus den Fugen geratenen altehrwürdigen Mauern zu retten.

Bitte helfen Sie St. Nicolai in Gützkow!


Christlicher Sakralbau anstelle eines slawischen Tempels

Die Dominanz der Nikolaikirche im Stadtbild kommt nicht von ungefähr: Die Kirche steht inmitten der Stadt auf einer Anhöhe, auf der sich einst eine slawische Burg mit einem Tempel befand. Unter der Herrschaft des Herzog Wartislaw von Pommern musste die heidnische Kultstätte einem Kirchenbau weichen, der 1128 vom Bamberger Bischof Otto auf einer Missionsreise geweiht wurde.

Gützkows Rolle bei der Verbreitung des Christentums gewann ab 1140 erheblich an Bedeutung, als die Kirche über eine Schenkung der Grafen von Gützkow dem neugegründeten Bistum Cammin zugeordnet wurde. Dadurch wurde auch die Stellung des seit 1219 belegten Leutepriesters, des sogenannten Plebans, aufgewertet. Dieser unterstand dem Bischof direkt und besetzte die Pfarrstelle vor Ort, unabhängig von den Vorschriften eines Klosters oder Landesherrn. Später ging das mit einem hohen Einkommen versehene Plebanat an die Greifswalder Nicolaikirche über, den ersatzweise zugesprochenen Titel des Vizeplebans tragen die Pfarrer von Gützkow bis heute.

Mittelalterlicher Bau mit neugotischem Erscheinungsbild

Die heute noch im Kern erhaltene Feldsteinkirche tritt urkundlich erstmals 1241 in Erscheinung und wurde immer wieder umgestaltet und vergrößert. Das zweischiffige Kirchenschiff mit dem Kreuzrippengewölbe erhielt sie im 15. Jahrhundert. Eine historische Zäsur für Gützkow setzte der verheerende Stadtbrand 1729, der den Ort fast vollständig vernichtete. Auch die Kirche wurde zu großen Teilen ein Opfer der Flammen und mit Veränderungen wiederaufgebaut. Dabei erhielt der Turm einen niedrigen Fachwerkaufsatz, der 1841 durch einen gemauerten, höheren Turmschaft ersetzt wurde. Erstmals konnten Besucher fortan vom Turm aus den weiten Ausblick über die Stadt genießen. 1882/83 erfolgte schließlich die grundlegende Umgestaltung der Kirche. Der bekannte Berliner Kirchenbaumeister Theodor Prüfer vergrößerte unter anderem die Fenster des Kirchenschiffs, öffnete die Wand zum Westturm und entfernte einen Rundpfeiler vor dem Chor. Dem ästhetischen Empfinden seiner Zeit gehorchend, setzte er rings um das Kirchenschiff Strebepfeiler an. Den Turm erneuerte Prüfer im Stil der Neugotik mit reichem Schmuckblendwerk, Schildgiebeln und hohem achteckigem Spitzhelm.

Gewaltiges Sanierungsprojekt seit über dreißig Jahren

Ein Jahrhundert später waren die Bauschäden an dem Gebäude nicht mehr zu ignorieren. Die Umbauten des 19. Jahrhunderts hatten zwar ein ansprechendes Gesamtbild geschaffen, minderwertiges Baumaterial und nicht fundierte statische Berechnungen machten jedoch bereits 1988 eine Reparatur des Turmhelms nötig, die trotz der Mangelwirtschaft zu DDR-Zeiten gestemmt werden konnte. Doch damit nicht genug: Der hölzerne Dachstuhl zeigte schwere Schäden durch Schwammbefall, durch das verzogene Holz wurden auch die Zugkräfte des gesamten Gewölbes veändert, was zu unübersehbaren Rissen im Chorgewölbe führte. Erst 1996 konnten die Schäden behoben werden, doch das Geld reichte nicht, um auch das Mauerwerk mit den Stützpfeilern zu sanieren. So ist der Kirchenbau in den letzten zwei Jahrzehnten buchstäblich aus den Fugen geraten. Besonders an den Strebepfeilern, deren Köpfe nie mit Abdeckungen gegen Nässe geschützt waren, löst sich der Mörtel aus den Fugen, fallen Steinstücke heraus. An manchen Stellen lässt sich mit einer Taschenlampe durch die Fugenritzen in der meterdicken Wand leuchten. Eindrucksvoll sind die Schäden an der Nordseite zu sehen: Bei Regen breiten sich innen an den Putzwänden binnen kürzester Zeit große Feuchtigkeitsflecken aus. Bitte helfen Sie mit Ihrer Spende, die Stadtkirche St. Nicolai mit ihrer langen Geschichte zu erhalten!

Zweischiffiger Kirchenbau, im Kern 13. Jh., nach Stadtbrand 1729 veränderter Wiederaufbau, 1882/83 grundlegende Umgestaltung im Stil der Neugotik, Förderung 2020

Adresse:
Kirchstr.
17506 Gützkow
Mecklenburg-Vorpommern