An den Wänden des Fachwerksaals im Japanischen Waldhaus in Bleicherode sind idyllische Hirten- und Landschaftsszenen des mystischen Arkadiens zu bewundern. Zusammen mit einer zweiten Panoramatapete, die drei Pferderennen zeigt, verfügt das Ausflugslokal in Thüringen damit über einen außergewöhnlichen Schatz. Die künstlerischen Landschaftstapeten der Firma Zuber & Cie waren schon bei ihrer Anbringung in der Mitte des 19. Jahrhunderts so kostbar, dass sie normalerweise Wände von Fürsten- oder Königshöfen zierten. Doch der Zahn der Zeit nagt an ihnen. Helfen Sie mit Ihrer Spende bei der Konservierung der einzigartigen Tapeten!
Das Waldhaus entstand aus einem ehemaligen Gartenhaus und wurde ab 1791 als Schankwirtschaft betrieben. Die Erweiterung durch einen Fachwerksaal erfolgte 1835. Vermutlich zwischen 1838 und 1850 wurden für diesen die Tapeten angeschafft, jedoch ist man sich nicht einig, von wem. Möglicherweise erwarb sie ein gewisser Johann Becker, der mit Tapeten von Zuber & Cie handelte und selbst ab 1827 eine Manufaktur betrieb. Es kursiert aber auch die Auffassung, dass der Eigentümer des Japanischen Waldhauses Krumbein sie bei einer Auktion in Leipzig ersteigert hätte.
Die kunstvollen Tapeten der Manufaktur wurden in Grisailletechnik mit Handdruckmodeln erstellt: Man schnitzte die Motive in hölzerne Formen, so genannte Modeln, ein. Der Druck in Grautönen – gris heißt auf Französisch grau – erfolgte auf den großen Papierbahnen genau übereinander, um die Tiefe und Plastizität der Landschaften zu erreichen - eine große technische Herausforderung. Ab 1830 nutzte man die innovative Herstellung von Endlospapier für die Tapeten, deren Bahnen man bisher aneinandergeklebt hatte, bevor man sie aufrollte.
20 Bahnen umfasst der erste Zyklus „L’Arcadie“, den um 1810 Pierre Antoin Mongin entwarf. Er ist im Waldhaus Japan vollständig an der Süd- und Westwand des Saals erhalten. Die Idyllendichtung Salomon Gessners inspirierte das Motiv, das Hirten, Bauern und Schäfer in einer Ideallandschaft darstellt. Der zweite Zyklus, „Les Courses des Chevaux“, zeigt unterschiedliche Pferderennen: in England ein Galopprennen, in Frankreich ein Hindernisrennen und in Italien ein Rennen beim römischen Karneval. Die 25 der eigentlich 32 vom Hersteller geplanten Bahnen sind vermutlich die ältesten noch erhaltenen in Deutschland und können zu den frühesten Drucken des Dekors gezählt werden.
Vor der ersten Restaurierung waren die Tapeten in einem schlechten Zustand, nun werden Bahn für Bahn der wertvollen Tapeten restauriert, um die einzigartigen Motive zu erhalten. Bitte helfen Sie dabei mit Ihrer Spende!
Erfahren Sie mehr über dieses Denkmal im Online-Magazin Monumente der Deutschen Stiftung Denkmalschutz mehr