Brücken, Schulen, Fernseh- und Funktürme, Sportstätten, Verwaltungsgebäude und vieles mehr: Das sind nicht nur wichtige Knotenpunkte unserer Infrastruktur, sie können auch bedeutende Zeugnisse unserer Entwicklungsgeschichte sein – und deswegen unter Denkmalschutz stehen.
Die Funktionsfähigkeit unserer Infrastruktur zu verbessern ist zweifellos eine der zentralen Kernaufgaben der nächsten Jahrzehnte. Der Erhaltungszustand vieler dieser Bauwerke ist besorgniserregend. Allein die Zahl dringend sanierungsbedürftiger Brücken in Deutschland bewegt sich je nach Quelle zwischen 16.000 – 30.000. Wieviele Denkmale genau darunter sind, ist unbekannt - aber es dürften Etliche sein. Das sogenannte „Sondervermögen“, welches die Bundesregierung 2025 beschlossen hat, soll zum großen Teil für die Sanierung dieser Infrastruktur fließen. Zahlreiche Baumaßnahmen werden die Folge sein. Doch welche Folgen hat dies für die denkmalgeschützten Bauwerke unserer Infrastruktur?
Infrastruktur muss vor allem eins: funktionieren. Doch dieses Ziel kann nicht nur durch Neubauten erreicht werden. Oftmals sind es gerade Bauten der jüngeren Vergangenheit, die heute massive Schäden aufweisen; ob durch Materialuntauglichkeiten, Bau- oder Sanierungsfehler.
Im Gegensatz dazu haben Denkmale häufig ihre Langlebigkeit und Funktionstüchtigkeit auch im Bereich der Infrastruktur längst unter Beweis gestellt.
Die Herausforderung, die Mammut-Sanierungsaufgabe unserer Infrastruktur zu bewerkstelligen, wirft bereits ihre Schatten voraus: Landesbauordnungen werden – meist von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt – verändert, „Bau-Turbos“ beschlossen, häufig begleitet von politischen Buzzwords wie „Bürokratieabbau“, „Modernisierung“, „schnelles Handeln“ und Krisenszenarien, welche keine Diskussion über die Notwendigkeit der Änderungen aufkommen lassen sollen.
Ein weitverbreiteter Nebeneffekt: Der Schutz für Denkmale wird im Zuge dieser Neuregelungen praktisch weitgehend ausgehebelt. Denkmalschutzgesetze oder -praxis werden quasi durch die Hintertür eliminiert – denn man möchte möglichst freie Bahn haben. Doch anstatt hier vor allem das Bürokratiemonster Bauverordnungen, Ausschreiberegelungen und Baurichtlinien mehr in den Fokus zu nehmen, welche die Hauptursache für langwierige und komplexe Bauplanungen sind, wird seitens der Politik vorzugsweise nur der Denkmalschutz zurückgefahren. Das lässt befürchten, dass wir vor allem Abriss und Neubau von Infrastrukturdenkmalen zu erwarten haben.
Wie viele Bauten unserer sanierungsbedürftigen Infrastruktur denkmalgeschützt sind, lässt sich schwer in Zahlen fassen – denn häufig gibt es keine entsprechenden. Fest steht allerdings: Die Bauten, die unter Denkmalschutz stehen, sind meistens die ganz besondere Seite unserer Infrastruktur. Sie stehen deshalb unter Schutz, weil sie technisch, künstlerisch oder geschichtlich herausragend sind. Sie prägen die Landschaft und unsere Städte in ganz besonderer Weise. Sie sind mehr als ihre Funktion – sie sind Informations- und Identifikationsträger.
Mangelndes Verständnis oder Fachkenntnis sind die Hauptursachen für die weitverbreitete Auffassung, dass Denkmale sich nicht so sanieren lassen, dass sie auch für moderne Ansprüche tauglich sind. Die drohende Folge: umgehender Abriss und schneller Neubau statt Denkmalerhalt.
Beispiele hierfür gibt es bereits viele. „Ende der Lebendsauer“, „technisch nicht zu ertüchtigen“, „Materialermüdung“ sind die Schlagworte, mit denen immer wieder suggeriert wird: Man kann das Denkmal nicht erhalten. Das ist schnell behauptet, und das Denkmal schnell abgerissen. Doch die Ausgangsbehauptung ist oft nicht zutreffend. Und bei den wenigen tatsächlichen Unvereinbarkeiten lohnt sich oftmals die Überlegung, einen Neubau an benachbarter Stelle zu errichten – und das Denkmal zu erhalten.
Denkmalschutz, technischer Fortschritt und funktionierende Infrastruktur sind keine Gegensätze. Sie lassen sich meist sehr gut vereinbaren – mit der erforderlichen Sachkenntnis, einem gemeinsamen Ziel und Willen. Denkmalschutz ist in unser aller Interesse – es ist unsere Lebenswelt, die wir mit dem Erhalt baulicher Meilensteine prägen.
Wir meinen, unser kultureller Schatz sollte es uns wert sein, sorgfältig zu prüfen, was erhalten werden kann, bevor ein Abriss unumkehrbare Tatsachen schafft.