Wohnhaus und Garten Karl Foerster - ein Haus der Deutschen Stiftung Denkmalschutz
Potsdam, Brandenburg

Geschichte von Haus und Garten

1910 erwarb Karl Foerster in Potsdam-Bornim, nördlich von Park Sanssouci, ein 5.000 m² großes Areal. Die Gegend gehörte zu der von Peter Josef Lenné verschönerten Landschaft um Potsdam. 1911 wurde das Wohnhaus im Landhausstil errichtet und bis 1912 entstanden auf dem ehemaligen Ackergelände ein Schaugarten und eine Anzucht- und Versuchsfläche für Stauden. Hier testete Foerster viele seiner Züchtungen auf ihre Widerstandsfähigkeit und Frosthärte.  

Das Wohnhaus

Das Wohnhaus der Familie Foerster entstand zeitgleich mit der Gartenanlage als homogenes Ensemble. Die zu allen Seiten unterschiedlich ausgeprägten Fassaden bilden ein vielgestaltiges Bauvolumen im Stil der zeittypischen Landhausarchitektur. Vergleichbare Häuser bauten damals zum Beispiel die Architekten Hermann Muthesius und Alfred Messel. Ebenso vielseitig wie die Fassaden sind die differenzierten Grundrisse, denen ein feinteiliges Raumprogramm entspricht.

Das Erdgeschoss umfasst eine kleine Eingangshalle mit Treppenhaus. Von dort ist der Wohnraum mit Kachelofen erschlossen, der wiederum zum berühmten Arbeitszimmer Karl Foersters führt, an das sich eine kleine, aber umfassende Bibliothek anschließt. Von hier gelangt man auch in den Keller, in dem sich die zum Senkgarten orientierte große Küche befindet. Zahlreiche Spenden ermöglichten in den letzten Jahren die Restaurierung der Küche samt ihrer historischen Kochmaschine, auf der gelegentlich gekocht wird.
Neben der großen Küche sind im Keller zahlreiche Lager- und Nebenräume angeordnet. Ebenfalls von der Eingangshalle aus kommt man in den zum Senkgarten orientierten Speiseraum mit holzvertäfelten Wänden und eingebauter "Alkovennische". Fenster öffnen den Raum zum Senkgarten hin. Seit der Wiederherstellung der historischen Fassade ersetzen die feingliedrigen vierbahnigen Fenster die Panoramafenster der 1960er Jahre und der zarte, finporige Spritzputz den groben Kratzputz der vergangenen Jahrzehnte. Das Speisezimmer öffnet sich über eine Art Wintergarten auf eine Terrasse. Das erste und zweite Obergeschoss nehmen zahlreiche Schlaf- und Nebenräume auf. Bemerkenswert ist die weitgehend unveränderte Innenausstattung des Hauses, insbesondere im Erdgeschoss. Es zeigt anschaulich das Lebensumfeld von Karl und Eva Foerster sowie ihrer Tochter Marianne, welche die vielen privaten Erinnerungsstücke an ihre Eltern sorgsam bewahrte.

Das Foerster-Haus entwickelte sich gleich nach seiner Entstehung zu einem Mekka für Künstler und Gartenfreunde. Persönlichkeiten des gesellschaftlichen Lebens der damaligen Zeit, wie der Pianist Wilhelm Kempff und der Architekt Otto Bartning, aber vor allem viele bekannte Landschaftsarchitekten fanden sich hier zusammen. Diese Gruppe, die gerne als "Bornimer Kreis" bezeichnet wird, erweitern heute die vielen "Foersterianer". Zahlreiche Gästebucheinträge und Briefe aus vergangener Zeit zeugen noch heute von der hohen Wertschätzung, die Karl Foerster entgegengebracht wurde und wird.  

Wenn Sie hilfreiche Informationen zur Geschichte des Hauses und seiner Bewohner haben, dann freuen wir uns über Ihren Kontakt: felix.merk@denkmalschutz.de

 

Das Wohnhaus

Der Garten

Vom Raubfang aus betritt man den Garten über den Frühlingsweg. Dieser bildet nicht nur den Eingang zu Foersters Gartenkomposition, er eröffnet auch im Lauf des Jahres den Blütenreigen im Garten. In diesem Teil sind die Blüten des Winters, Vorfrühlings und Frühlings versammelt. Im Winter erblüht zunächst die Zaubernuss. Ihr folgen die Kornelkirsche, der duftende Winterschneeball, der Seidelbast, zahlreiche Azaleen sowie Zwiebel- und Knollenpflanzen, wie Schneeglöckchen, Christrose, Krokus, Tulpen, Narzissen und Adonisröschen. Danach entspinnt sich ein bunter Teppich u.a. aus Primeln und Blauglöckchen. 

Der Senkgarten ist der künstlerisch bedeutendste Teil des Gartenareals. Er wurde nach dem Vorbild der sogenannten "sunken gardens" englischer Landhausgärten angelegt. In seinem Buch "Der Steingarten der sieben Jahreszeiten" umreißt Karl Foerster das Prinzip der Anlage folgendermaßen: "Teils aus Windschutzgründen, teils aus Beschaulichkeit versenkt man in der Nähe des Hauses einen kleineren Platz, der ringsherum in flachen Steingartenterrassen wieder zu normaler Gartenhöhe aufsteigt und manchmal auch - noch tiefer in das Bodenniveau eingelassen - ein Ufer- und Wassergärtchen enthält." 

Die Grundstruktur des mit einer Länge von 45 Metern und einer Breite von 25 Metern gestalteten Senkgartens ist in ihrer geometrischen Form der gerade aufkommenden Reformgartenbewegung verpflichtet. Mit der Wiederaufnahme formaler Elemente erinnern Reformgärten entfernt an die streng geometrischen Gärten früherer Zeiten. In ihrem wieder entdeckten Interesse an geometrischen Formen und festen Strukturen suchten die damaligen Gartenplaner Anschluss an die Moderne. Karl Foerster versuchte, den regelmäßigen architektonischen und den natürlich stilisierten Garten zu vereinen. In den 1930er Jahren überarbeitete Hermann Mattern den Senkgarten durch den Einbau von Trockenmauern, Wegen und Treppen, die Platz für weitere Bepflanzungsmöglichkeiten boten. Der Kontrast zwischen gebauter Anlage und üppig wachsenden Pflanzen kann seitdem noch besser erlebt werden. Keramikskulpturen von Dorothea Nerlich setzen im Garten Akzente.

Zwei Schwerpunkte charakterisieren die Pflanzenauswahl in diesem Gartenraum: Um das in der Mitte liegende Wasserbecken gruppiert sich das Ufergärtchen, in dem Uferstauden wie die Schwertlilien den Besucher erfreuen. Trollblumen, Wiesenrauten, Goldranunkeln, Bambus, Taglilien sowie Sonnenhut, Dahlien und Iris schließen sich mit ihren kräftigen Farbeffekten in den umliegenden Beeten an. Hier sind die Prachtstauden beheimatet und zeigen eine Auswahl der von Karl Foerster gezüchteten Sorten. Besonders wichtig sind hier die Rittersporne, die Phloxe, das Helenium, die Herbstastern und die Herbstchrysanthemen. Beeindruckend sind die mächtigen Gräser, die sich bis zum Sommer zwischen den Stauden entwickelt haben, um sich dann im Herbstwind zu wiegen. 

In den Fugen und Ritzen der Trockenmauern, sowie auf den Treppen gedeihen Steingartengewächse. Im Englischen als "floral staircases" bezeichnet, überziehen sie das Mauerwerk. Sie bilden einen bewussten Gegenpol zu den harten formalen Steinarbeiten. 

Auf dem Frühlingsweg am Haus vorbei gelangt man zum Herbstbeet, das ursprünglich in Kleinstaudenrabatten angelegt war. Marianne Foerster beauftragte 2008 den Berliner Landschaftsarchitekten Christian Meyer mit einer Neukonzeption der Bepflanzung. Neben zwei Kugelahornen blühen heute hier im Frühling Tulpen und Hyazinthen, sonst Stauden des Spätsommers und des Herbstes wie Helenium, Herbstastern, Chrysanthemen und Herbstanemonen.

Geht man einige Schritte weiter, so gelangt man hinter dem Haus zum Steingarten, der 2008 neu bepflanzt wurde. Er ist nach dem Buchtitel "Steingarten der sieben Jahreszeiten" aufgebaut. Zusammen mit der Farnschlucht ist er ein erlebbarer Blühkalender der Klein- und Steingartenstauden vom Vorfrühling beginnend, über den Frühling, Frühsommer, Sommer, Herbst, Spätherbst bis hin zum Winter. Hier findet man z.B. Steinbrech, Blaukissen und Sonnenröschen. Seit 2009 finden im Sommer ehrenamtliche Pflegeeinsätze, die sogenannten "Steingartenseminare" unter der Leitung von Prof. Dr. Norbert Kühn statt. Nach einem Rundgang und Vortrag zu wechselnden Themen können Freiwillige unter der Anleitung von Fachleuten gärtnern.

Den Bereich des ehemaligen Naturgartens gestaltete Foerster bereits 1930 in einen privaten Wohngarten. Hier fand das ehemalige Gartenhaus von Marianne Foerster, das Balihäuschen, nach seiner Restaurierung 2013 wieder Platz. Das reetgedeckte Haus entwarf Hertha Hammerbacher, die mit Karl Foerster und Hermann Mattern 1935-48 eine Arbeitsgemeinschaft gebildet hatte.

Der Garten und das Wohnhaus stehen seit 1981 unter Denkmalschutz. Im Rahmen der Bundesgartenschau in Potsdam 2001, wurde der Garten in enger Zusammenarbeit von Marianne Foerster und dem Berliner Gartenarchitekt Martin Heisig, der von 1957 bis 1960 eine Gärtnerlehre bei Karl Foerster absolvierte, wieder instand gesetzt und der Öffentlichkeit dauerhaft zugänglich gemacht. Mit nur einem Besuch erschließt sich der Reichtum, den wir Karl Foerster verdanken, sicherlich nicht. Deshalb lohnt es sich durchaus, die Anlage zu den verschiedenen Jahreszeiten zu besuchen. Karl Foerster legte stets großen Wert darauf, dass sein Bornimer Garten jedem interessierten Besucher offen stand. Diese Tradition war auch Marianne Foerster sehr wichtig und wird weiterhin fortgesetzt.

Jugendbauhütte für Gartendenkmalpflege

Seit 2016 ist der Karl Foerster Garten auch Einsatzstelle der Internationalen Jugendbauhütte Gartendenkmalpflege. Im Rahmen ihres freiwilligen sozialen Jahres in der Denkmalpflege sind die Jugendlichen vor Ort unter fachlicher Anleitung des Potsdamer Inselgärtners Thoralf Götsch entweder einzeln oder in Gruppen tätig. Mit ihrem Engagement tragen auch sie dazu bei, den Garten zu erhalten.