Die Geschichte Brandenburgs spiegelt sich in der reichen Denkmallandschaft wieder. Dazu zählen die Welterbestätten in Potsdam und Bernau ebenso wie die ortsbildprägenden Schloss- und Gutsanlagen, die Kirchen, Rat- und Bürgerhäuser der Städte und Dörfer sowie die Zeugnisse der Technikgeschichte. Dem vielfältigen Denkmalbestand geschuldet, sind die Aufgaben der Denkmalpflege und -erhaltung umfangreich und differenziert. Die traditionell gute Zusammenarbeit von Denkmalpflege, Handwerkern, Architekten und Eigentümern sowie eine Vielzahl von Vereinen ist eine gute Grundlage für die Denkmalpflege in Brandenburg auch in Zukunft. Die Bewahrung des kulturellen Erbes gerade im ländlichen Bereich leistet einen wichtigen Beitrag zur Identität und Lebensqualität der Bürger. Die Erkenntnis, dass Denkmalpflege nicht nur eine lohnende Investition in die Zukunft ist, sondern auch ein Tätigkeitsfeld, das langfristig nachhaltige Arbeitsplätze schafft und sichert, soll auch durch diesen Preis vermittelt werden.
Mit der mutigen Annahme eines kostbaren, aber auch schweren Erbes 2004 hat die Marha-Familien-GbR, vertreten durch Claudia Marquard-Hansen und Günter Hansen, ein außergewöhnliches Denkmal in Potsdam gerettet. Seit über 20 Jahren haben sie die in ihrer Substanz schwer geschädigte Löwenvilla mit hervorragenden Handwerksbetrieben Schritt für Schritt gesichert und instandgesetzt. Mit der letzten großen Maßnahme, der Instandsetzung der Außenhülle, ist diese Aufgabe für alle ersichtlich einen weiteren wichtigen Schritt vorangekommen. In eindrucksvoller Weise wird an diesem Projekt deutlich, wie wirkungsvoll die vertrauensvolle Zusammenarbeit von Bauherrenschaft und Handwerkern über viele Jahre sein kann. Die Jury verleiht für dieses außerordentliche Werk den 1. Preis.
Ort des Denkmals: Potsdam
In den bereits zum Flächenabriss vorgesehen Altstadt von Brandenburg an der Havel sind in den letzten 30 Jahren wahre Denkmalwundervollbracht worden. Dazu zählt auch die Rettung des Hauses Parduin 5. Die Jury würdigt das vorbildliche Engagement von Katharina Buchwald und Dr. Jens Birnbaum bei dieser ambitionierten Aufgabe mit einem 2. Preis.
Trotz schwerer statischer Probleme ist es den beiden Architektenbauherren gelungen, mit der Wiederherstellung des Baus von 1827 einen wichtigen Beitrag zur Heilung des historischen Kerns von Brandenburg zu leisten. Die außergewöhnliche Qualität der handwerklichen Ausführung beweist die gelungene Auswahl erfahrener Handwerksbetriebe. Es ist die erfolgreiche Teamarbejt von engagierten und erfahrenen Eigentümern, versierten Handwerken und fachlicher Denkmalpflege, die zu diesem vorbildlichen Ergebnis führte.
Ort des Denkmals: Brandenburg an der Havel
Der in enger Bebauung am Neustädtischen Markt in Brandenburg errichtete zweigeschossige Fachwerkbau konnte dendrochronologisch auf das Jahr 1534 datiert werden. Durch den sorgsamen Instandsetzungsansatz der Eigentümer, die das Denkmal für ihr Architekturbüro nutzen, konnte das stark geschädigte Gebäude nicht nur erhalten, sondern es konnten auch wichtige Erkenntnisse seiner Baugeschichte gewonnen werden.
Mit der dem Denkmal angepassten Nutzung als Architekturbüro wurde der Erhalt prägender Bauelemente ermöglicht – das Denkmal wurde zum beispielhaften Anschauungsobjekt der Kooperation von Architekten, in der Denkmalpflege erfahrenem Handwerk und Denkmalpflege.
Die Jury würdigt das vorzügliche Ergebnis mit einem 2. Preis.
Ort des Denkmals: Brandenburg an der Havel
Das Mittelflurhaus mit Schwarzer Küche von 1792 in Trebbin ist eines der letzten dieser Art in Brandenburg. Seinen besonderen Wert als authentisches historisches Zeugnis erkannt zu haben, ist den Mitgliederndes Vereins Achor und seinem Architekten zu verdanken. Mit detektivischem Gespür näherte man sich der komplexen Baugeschichte, der historischen Materialität und der typischen Bauweise des Denkmals. Als außerschulischer Lernort soll der in hervorragender handwerklicher Qualität instandgesetzte Fachwerkbauzukünftig jungen Menschen einen konkreten Zugang zur Geschichte bieten. Die Jury hofft, dass die Instandsetzung des Umfeldes und der Wirtschaftsgebäude in gleicher Qualität gelingt. Der Verein wird für sein Vorgehen mit dem 3. Preis ausgezeichnet.
Ort des Denkmals: Trebbin, OT Märkisch Wilmersdorf
Mit der Instandsetzung des Landhauses Achenbach Am Neuen Garten in Potsdam ist es Liane Carstens-Bergmann und Thomas Bergmann gelungen, einen der typischen Bauten des 1926 - 1948 insbesondere in Potsdam und Umgebung aktiven Architekturbüros von Otto von Estorff und Gerhard Winkler in seinen ursprünglichen Zustand zurückzuführen. Wie die anderen von Estorff und Winkler geplanten Einfamilienhäuser in der Nauener Vorstadt zeichnetes sich in seinem äußeren Erscheinungsbild im Stil von Gutshäusern durch Klarheit und Einfachheit aus. Mit der sensiblen Freilegung und vorsichtigen Wiederherstellung der ursprünglichen Planung von1927 - 1929 konnte ein exemplarisches Beispiel der architektonischen Sprache dieser Zeit wiedergewonnen werden. Für dieses vorbildliche Vorgehen werden Liane Carstens-Bergmann und Thomas Bergmann mit einem Sonderpreis ausgezeichnet.
Ort des Denkmals: Potsdam
Nach umfangreicher Instandsetzung des Vierseithofes in Garsedow entschied sich Horst Schönfeld, auch die alte Scheune als Teil des Ensembles zu erhalten. Wie sich herausstellte, hat er damit eine der ältesten Scheunen Brandenburgs gerettet. Mit Unterstützung erfahrener Handwerker und in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege, die die Bedeutung des außergewöhnlichen Fachwerkbaus von 1554 erkannte, entstand eine außergewöhnliche Ergänzung des Ensembles, das als Trauzimmer des Standesamtes einer angemessenen Nutzung zugeführt werden konnte. Für die Wiederherstellung des Speichers wird Horst Schönfeld mit dem Wolfgang und Ursula Engelbarts-Preis - gestiftet von der treuhänderischen Wolfgang und Ursula Engelbart-Stiftung in der Deutschen Stiftung Denkmalschutz - ausgezeichnet.
Ort des Denkmals: Wittenberge, OT Garsedow