Foto: Jochen Hubmacher

Grundton D - Benefizkonzert für den Denkmalschutz

Aus der St. Marienkirche zu Rostock

Architektur und Musik sind zwei Künste, die mindestens seit der europäischen Antike zueinander ins Verhältnis gesetzt werden. Offensichtlich erscheinen die Unterschiede: Während sich die Architektur den fassbaren Baustoffen widmet, die sichtbar Raum und Ort gestalten, will die Musik als immaterielle, zeitliche Kunst gehört werden. Gleichwohl sind es die Wechselwirkungen und Ähnlichkeiten beider Künste, die eine auf den Philosophen Friedrich Wilhelm Joseph Schelling zurückgehende Metapher der Architektur als „gefrorene Musik“ begründen. Die mathematisch beschreibbaren Verhältnisse von Längen scheinen in der Baukunst einem universellen Harmoniebedürfnis ebenso folgen zu wollen wie in der Musik.
Was liegt näher, als diesem Geheimnis beider „Schwesterkünste“ nachzuspüren, indem Musik von ausgewählter Qualität in Bauwerken ausgewählter Bedeutung zum Klingen gebracht wird?  Diesem Konzept folgt die Konzertreihe „Grundton D“ des Deutschlandfunks in Kooperation mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz seit über 30 Jahren - immer wieder mit sehr eindrücklichen Publikumserfahrungen in den Denkmalen vor Ort, aber auch während der Ausstrahlung im Radio. Die hochrangigen Konzerte finden in hilfsbedürftigen Denkmalen statt - diesmal in der St. Marienkirche Rostock.

Hören Sie rein: Das Signum Quartett spielt „Fragmente einer Ewigkeit“!

Am 2. Mai 2021 gastierte in der St. Marienkirche in der Hansestadt Rostock das Signum Quartett mit Florian Donderer und Annette Walther (Violine), Xandi van Dijk (Viola) und Thomas Schmitz (Violoncello) mit seinem stilistisch breiten Programm „Fragmente einer Ewigkeit“. Dabei führte die besondere Akustik der kalten und halligen Kirche, in der pandemiebedingt kein Publikum zugelassen war, zu einer ganz eigenen Aufnahme und Klangqualität. Hören Sie mit Anton Weberns Langsamen Satz für Streichquartett das dritte Stück aus dem Programm! Webern stand 1905 noch ganz im expressiv-spätromantischen Duktus der Zeit, bevor er sich den atonalen Kompositionsweisen seines Lehrers Arnold Schönberg widmete. Der Langsame Satz entstand unter dem Eindruck einer mehrtätigen Wanderung mit seiner späteren Frau Wilhelmine Mörtl und ist damit kompositorisches Zeugnis eines tiefen und frischen Liebesglücks.   
Die Gesamtaufnahme war am 13. Juni 2021 um 21:05 Uhr im Programm des Deutschlandfunks als Konzertdokument der Woche zu hören und findet sich dort nun in der Mediathek.

Foto: Jochen Hubmacher
Bitte helfen Sie der Marienkirche in Rostock!

Gesamtprogramm „Fragmente einer Ewigkeit“

  • Mozart: Adagio und Fuge c-Moll KV 546
  • Robert Fokkens: "glimpses of a half-forgotten future"
  • Webern: Langsamer Satz
  • Schubert: Streichquartett Nr. 12 c-moll D 703 “Quartettsatz”

  • J.S. Bach: Kontrapunktus XIV (unvollendet) aus “Die Kunst der Fuge” BWV 1080
  • Konstantia Gourzi: No. 2 “P-Ilion, 9 Fragmente einer Ewigkeit”, Op. 33/2
  • Beethoven: Große Fuge op. 133

Die St. Marien-Kirche zu Rostock

Die St.-Marien-Kirche zu Rostock ist die Hauptkirche der Hansestadt. Sie ist eine dreischiffige gotische Basilika mit Querschiff, Chorumgang und Kapellenkranz mit Sterngewölben. Als eines der ältesten Bauteile gilt das Sockelgeschoss des Westbaus, welches vermutlich noch von der 1232 erstmals erwähnten frühgotischen Hallenkirche stammt. Um 1290 begann dann der Neubau einer querschifflosen Basilika. Nach einem Einsturz im Jahr 1398 wurde jenes Querschiff errichtet, welches die Kirche heute wie einen Zentralbau wirken lässt. Im Innern ist die reiche Ausstattung weitgehend erhalten: Zu den wertvollsten Schätzen gehören der Bronze-Taufkessel von 1290, der spätgotische Rochus-Altar und die Astronomische Uhr von 1472. Während der Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg konnte die Kirche durch beherzten Einsatz des damaligen Turmdieners vor der völligen Zerstörung bewahrt werden und überdauerte so den Krieg - im Gegensatz zu vielen anderen Kirchen der Region. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützt mit der Hilfe vieler Spender seit 1995 den Erhalt der St.-Marien-Kirche in Rostock, unter anderem die Dach- und Mauerwerksanierung. 2021 gehen die Arbeiten an den Fenstern der Basilika weiter. Helfen auch Sie mit Ihrer Spende beim Erhalt der außergewöhnlichen Kirche. 

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