Die Jugendbauhütte Baden-Württemberg

Der Startschuss ist gefallen

Es war eine gelungene Auftaktveranstaltung, die da am Montag, den 8. Juli 2019 in der Schickhardt-Halle im Alten Rathaus in Esslingen am Neckar stattfand. Nicht nur Bürgermeister Ingo Rust, Staatssekretärin Katrin Schütz aus dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau und Landeskonservator Professor Dr. Claus Wolf waren gekommen, um der 15. Jugendbauhütte der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) in der Trägerschaft der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd) als Geburtshelfer ins Leben zu verhelfen. Auch der Geschäftsführer der Wüstenrot-Stiftung, Professor Philip Kurz, und DSD-Vorstand Dr. Steffen Skudelny unterstützten Elly Bijloos, die stellvertretende ijgd-Geschäftsführerin, und den neuen Jugendbauhütten-Leiter David Nonnenmann bei der Vorstellung der neuen Einrichtung. Die Jugendbauhütte Baden-Württemberg mit Sitz in Esslingen ermöglicht jungen Menschen ab dem 1. September 2019 nun auch in diesem Bundesland das Freiwillige Soziale in der Denkmalpflege (FSJ) zu absolvieren. Dabei wurde die erste Jugendbauhütte in Quedlinburg gerade einmal vor 20 Jahren gegründet.

Unterstützung durch ein starkes Netzwerk

Die Erfahrungen aus den verschiedenen Bundesländern zeigen, dass sich etwa zwei Drittel der jungen Menschen nach dem Durchlaufen des Freiwilligen Sozialen Jahres in der Denkmalpflege dazu entscheiden, in einem Handwerksbetrieb eine Lehre zu machen oder ein fachentsprechendes Studium aufzunehmen. „Nachwuchs, der auch in Baden- Württemberg dringend benötigt wird“ sagte Professor Dr. Claus Wolf vom Landesamt für Denkmalpflege bei der Auftaktveranstaltung. Gefördert wird die Jugendbauhütte in Baden-Württemberg  nicht nur durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und aus den Bundesmitteln für den Bundesfreiwilligendienst, den Beiträgen der Einsatzstellen und lokalen Partnern, sondern insbesondere von zwei Stellen, dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau und der Wüstenrot Stiftung. Damit können die anfallenden Personal- und Sachkosten, Teilnehmer- und Seminarkosten beglichen werden.

Staatssekretärin Katrin Schütz begleitete das Projekt von Beginn an eng und persönlich und hat sich für eine langfristige Förderung durch ihr Haus eingesetzt. Sie betont die Bedeutung der Jugendbauhütte für das Land: „Erfolgreiche Denkmalpflege setzt voraus, dass auch traditionelle Handwerkstechniken beherrscht werden. Die Jugendbauhütte bietet die Chance, sie am Original anzuwenden. Das verankert die Belange der Denkmalpflege nachhaltig in der Gesellschaft und stärkt das Handwerk.“ Die Wüstenrot Stiftung unterstützt speziell die Bildungsseminare. Für Geschäftsführer Professor Philip Kurz ist die Kompetenzstärkung der Jugendlichen sehr wichtig. „Mit den Bildungsseminaren werden zusätzlich Grundlagen vermittelt, die den Blick auf die gebaute Umwelt schärfen“.

Einsatz landesweit

Die „selbstorganisierten“ Seminare sind in der Tat wichtige Bausteine des FSJ. Insgesamt gibt es sechs gemeinsame Seminarwochen, in denen theoretische Beiträge zu Kunst- und Kulturgeschichte, Geschichte und den Aufgaben des Denkmalschutzes, Baustil- und Materialkunde sowie relevante rechtliche Grundlagen vermittelt werden. Praxiseinsätze zu traditionellem Handwerk, Exkursionen und Lehrbaustellen haben ebenfalls einen verbindenden Charakter.

Allgemein lässt sich das Jahr in Baden-Württemberg so zusammenfassen: Pädagogisch begleitet von dem Zimmerer David Nonnenmann und an der Seite erfahrener Fachleute erhalten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen einen unmittelbaren Eindruck von der Vielfalt denkmalpflegerischer Themen. Sie arbeiten in verschiedenen Betrieben und Einrichtungen, bei Handwerksbetrieben, Restauratoren und Architekten, Denkmalbehörden, Museen und anderen Fachorganisationen, wobei die Einsatzstellen meist in der näheren Umgebung liegen. In ihrem freiwilligen Jahr setzen sich die Jugendlichen mit Fragen des interkulturellen Lernens, der Freiwilligkeit, dem sozialen Lernen, der Selbstorganisation, Emanzipation und Ökologie auseinander. Und sie lernen einschlägige Berufsbilder kennen.

Eindrücke