Jugendliche bei der Arbeit, Goldstrasse 25

Jugendbauhütte Quedlinburg - Weltkulturerbe erleben

Quedlinburg - das sind 1300 Fachwerkhäuser aus sieben Jahrhunderten. Ein guter Grund für die Errichtung der ersten Jugendbauhütte! Hier in Sachsen- Anhalt begann im Jahr 1999 die Erfolgsgeschichte der Jugendbauhütten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Aber auch über die Stadtgrenzen Quedlinburgs hinaus können junge Menschen den Umgang mit unserem kulturellen Erbe lernen, wobei das traditionelle Handwerk, die Archäologie, sowie die Tätigkeiten in denkmalpflegeorientierten Vereinen und Museen den Einsatzschwerpunkt bilden.

Neben der praktischen Tätigkeit in den Einsatzstellen wird den Teilnehmern in den jahresbegleitenden Seminaren kontinuierlich theoretisches und praktisches Fachwissen vermittelt. Hauptthemen sind dabei die Baugeschichte und Baukonstruktion von der Antike bis zur Moderne, Denkmalschutz und Denkmalpflege, traditionelles Handwerk, Restaurierung und Kunst.

Eine Hütte für die Hütte


Ein besonderer Glücksfall ermöglichte es, dass neben den vielen interessanten Sanierungsobjekten im Rahmen der Einsatzstellen und Seminare zusätzlich ein Haus als gemeinsame Seminar- und Wohnmöglichkeit für die Jugendlichen geschaffen werden konnte. Das Ehepaar Brigitte und Dr. Hans Linhard machte dies durch die Errichtung einer Treuhandstiftung in Verwaltung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz möglich. Die jährlichen Erträge dieser Stiftung sichern nun die Zukunft dieses Hauses, das offiziell den Namen Linhard-Haus trägt. Drei Jahre dauerte die Sanierung des Fachwerkhauses aus dem 17. Jahrhundert, bei der die Teilnehmenden der Jugendbauhütte Quedlinburg mitwirken durften. Im Linhard-Haus in der Pölle 5 bekommt die „Bauhüttenidee” ein Gesicht! Tagsüber arbeiten die Freiwilligen in ihren Projekten und nach Feierabend können sie mit den anderen diskutieren, sich austauschen, feiern oder in der hauseigenen Werkstatt das Erlernte vertiefen.

Sich mit der Vergangenheit beschäftigen und die Zukunft bauen!


Im Kloster in Hedersleben, an den Harzflüssen Selke und Bode gelegen, entsteht Neues in historischen Mauern. 1253 wird in Hedersleben ein der heiligen Gertrud von Nivelles geweihtes Zisterzienserinnenkloster errichtet, dass 1262, nach der Fertigstellung, 12 Nonnen beziehen und bewirtschaften. Die denkmalgeschützte Anlage des Klosterssoll neu belebt werden. Freunde und Förderer des Klosters wollen einen lebendigen, sowie kultur- und gemeinschaftsstiftenden Ort entstehen lassen. Seit 2015 ist der Freunde und Förderer Kloster Hedersleben e.V. Einsatzstelle im FSJ Kultur Denkmalpflege und bietet vielseitige Aufgabenbereiche für Freiwillige. Einfache handwerkliche Arbeiten wie Streichen und Tapezieren gehören ebenso dazu wie das Verputzen (mit Kalk- und Gipsputz) oder auch Fliesen verlegen und Estrich gießen.
Der große Außenbereich bietet eine willkommene Abwechslung. Hier kann geplant und gestaltet, gepflanzt und geerntet werden.

Vielfältige Seminararbeit

Die Seminare (insgesamt 30 Bildungstage) zu Stil- und Materialkunde, Forschungs- und Arbeitsmethoden, Grundlagen der Denkmalpflege sowie zur Bedeutung des europäischen Kulturerbes werden durch praktische Arbeit am Denkmal ergänzt. Ein gutes Beispiel für eine gelungene Seminararbeit war im Jahr 2016 die Sanierung der Kirchenmauer in Vollenschier, welche auf Anfrage und mit Unterstützung des Fördervereins Vollenschierer Kirche e.V. restauriert wurde. Da die 200 Meter lange Friedhofsmauer in nur zehn Tagen nicht vollständig saniert werden konnte, werden die nächsten Jahrgänge diese Arbeiten weiterführen.
Ein inzwischen abgeschlossenes, herausragendes Projekt ist die Sanierung des barocken Fachwerkhauses „Goldstraße 25” in der historischen Altstadt von Quedlinburg unter der fachlichen Leitung des Deutschen Fachwerkzentrums Quedlinburg. Angefangen von der behutsamen Entkernung des Gebäudes bis hin zur feierlichen Übergabe arbeiteten über 100 Teilnehmer verschiedener Jugendbauhüttenjahrgänge Hand in Hand mit den Fachleuten aller Gewerke. Am Ende stand der Beweis, dass auch ungelernte, aber engagierte Jugendliche unter fachlicher Anleitung Großartiges schaffen können. Dem Handwerk zur Freude haben sich viele der Beteiligten für eine handwerkliche Ausbildung entschieden und bereichern heute als versierte Fachkräfte die Denkmallandschaft. Darauf sind wir stolz!

Eindrücke
JugendbauhuetteQuedlinburg
Gruppenfoto vor dem Haus Goldstrasse 25
JugendbauhuetteQuedlinburg
Jugendlicher bei der Arbeit, Goldstrasse 25
JugendbauhuetteQuedlinburg
Stifterehepaar Frau Brigite und Herr Dr. Hans Linhard (links) Werkstatt, Pölle 5, Linhard-Haus

Ansprechpartner

Andrea Friedrich

Leitung Jugendbauhütte Quedlinburg

03941 56 52 23

Einsatzstellen