Die Jugendbauhütte Stade

Hauptaktionsradius der im Mai 2009 gegründeten Jugendbauhütte ist das Elbe-Weser-Dreieck bis hin zur südlichen Metropolregion Hamburg und Lüneburg. Auf alle, die hier „fastmoken“, wartet das restaurierungsbedürftige Feuerschiff „Elbe 1“, die alte Kunst des Reetdachdeckens und die Herstellung traditioneller Baumaterialen wie Klinker.

Nordische Denkmale für die Zukunft

Zentral gelegen innerhalb der Maritimen Landschaft Unterelbe zwischen Hamburg und Cuxhaven, zwischen Elbe und Ostsee, bieten die Hansestädte Stade und Lüneburg, Buxtehude und Cuxhaven noch immer einen Einblick in die Baugeschichte des Mittelalters. Fruchtbarer Marschboden und Handelsgeschick waren Basis soliden Wohlstands, der sich bis heute in den Dörfern und Städten der Region in reich verzierten Fachwerkbauten zeigt. Viele Einsatzstellen, in denen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen ihren Freiwilligendienst absolvieren können, haben engen Bezug zum maritimen Erbe. Wer in der Jugendbauhütte im Landkreis Stade „festmacht“, kann z. B. mit dem legendären Feuerschiff  Elbe 1 auf Fahrt gehen und das Schiff vom Maschinenraum bis zu den Planken überholen, im Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung archäologische Grabungen begleiten oder im traditionellen Handwerk z. B. beim historischen Ziegelbrand oder der Reetdachdeckung erste Erfahrungen sammeln. In den jahresbegleitenden Seminaren wird den Teilnehmern kontinuierlich theoretisches und praktisches Fachwissen vermittelt. Hauptthemen sind dabei Baugeschichte und Baukonstruktion von der Antike bis zur Moderne, Denkmalschutz und Denkmalpflege, Handwerk, Restaurierung und Kunstgeschichte. In den Wintermonaten findet in Kooperation mit drei Fachreferenten der Berufsfelder Forstwirtschaft, Zimmerei und Grünholztischlerei traditionell ein Waldseminar statt, bei dem die Rundholzbearbeitung mit historischen Werkzeugen zur Herstellung von Fachwerkbalken erlernt wird.

Engagement im Museumsverbund Stade

Rund 35 Museen und museumsähnliche Einrichtungen gibt es mittlerweile im Landkreis Stade, die fast ausnahmslos von geschichtsinteressierten Bürgern ins Leben gerufen worden sind. Diese trugen in vielen Jahrzehnten umfangreiche Sammlungen mit einer riesigen Bandbreite zusammen; das Spektrum reicht vom Hosenknopf bis zum kompletten Küstenmotorschiff. Die Jugendbauhütte im Landkreis Stade unterstützt diese Initiativen durch aktive Mithilfe bei Restaurierungs- und Sanierungsmaßnahmen, und das nicht nur während der Seminare!
Eine Besonderheit der Jugendbauhütte im Landkreis Stade ist eine ständige Mobile Einsatztruppe (MOBI) von vier Jugendlichen, die sich im Rahmen ihres Jugendbauhütten-Jahres unter Anleitung von Fachleuten der Kooperation mit den Museen im Landkreis widmen. So restaurierten die Freiwilligen der MOBI die Fenster des ehemaligen Schleusenhauses in Stade oder unterstützten einen Steinmetz bei der Säuberung und Restaurierung der Grabsteine eines Friedhofes in Hohenmoor. In Jork im Alten Land haben sie ein massives Eichenholzkreuz der Kirche St. Matthias eingerüstet und farblich neu gefasst. Ein ganz besonderes, langjähriges und abwechslungsreiches Projekt ist jedoch das Museumsschiff „Greundiek“ in Stade. Abwechslungsreicher könnten die Einsatzgebiete und Aufgaben der Jugendlichen kaum sein! Für die Teilnehmer ist die Mobile Einsatztruppe eine ausgezeichnete Möglichkeit, innerhalb ihres Freiwilligendiensts sehr viele Bereiche und handwerkliche Tätigkeiten der Denkmalpflege kennenzulernen.

Ein museumsreifes Hallenhaus – Geschichte erleben und begreifen

Arbeiten und „selbst Hand anlegen“ an einem Denkmal fördert die Identifikation mit dem baukulturellen Erbe und macht Geschichte erlebbar. Seit 2010 helfen Freiwillige der Jugendbauhütte beim Wiederaufbauen und Sanieren eines Niederdeutschen Hallenhauses im Freilichtmuseum in Bliedersdorf. Sie restaurierten das gesamte Fachwerk des Vorder- und Hintergiebels und die Seitenfachwerkwände. Hunderte von Holznägeln für die Fachwerkkonstruktion wurden mit Zieheisen am Hobelpferd angefertigt. Aus gefällten Nadelbäumen entstanden geschälte Rundhölzer für die Dachkonstruktion, auf denen später das Reet befestigt wird. Es gibt noch viel zu tun. Jeder Einsatz führt zu sichtbaren Ergebnissen – nicht nur am Bauwerk!

Eindrücke