Berlin
19.03.2026
Sie sind herzlich eingeladen, dem Vortrag „Unbekannter Architekt bekannter Bauten. Ossip Klarweins Kirche am Hohenzollerndamm“ von Jacqueline Hénard und Prof. Dr.-Ing. Johannes Cramer in unserem Nicolaihaus in Berlin beizuwohnen.
Ossip Klarwein wurde 1893 in Warschau geboren, floh 1905 nach Deutschland und erhielt dort seine Ausbildung zum Architekten – zuletzt bei Hans Poelzig. Von 1927 bis 1933 war er Chefarchitekt im Büro des damals international renommierten „Klinkerfürsten“ Fritz Höger, für den er zahlreiche bekannte Bauten zeichnete. Prominente Entwürfe in Deutschland sind z.B. das Rathaus Rüstringen (heute Wilhelmshaven, 1929) und die Kirche am Hohenzollernplatz in Berlin (1933) – beide Gebäude stehen heute unter Denkmalschutz.
1933 musste Klarwein vor den Nationalsozialisten nach Palästina fliehen. Dort hat er zahlreiche markante Entwürfe realisiert. Nach der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 prägten seine Planungen und Bauten maßgeblich das neue Regierungsviertel in Jerusalem, er schuf aber auch wegweisende Industrie- und Verwaltungsbauten. Die unumstrittene Krönung seines Werkes ist die Knesset, das israelische Parlamentsgebäude (1966). Weitere Entwürfe sind Grabstellen bedeutender Zionisten in Tel Aviv und Jerusalem, die Gestaltung der Gedenkstätte für Theodor Herzl, die Dagon-Silos in Haifa (1951-72) oder die Seligsberg-Schule (1964/65) und der Masterplan für das Hadassah Krankenhaus (1961-72) in Jerusalem.
Der Vortrag fragt nach den Gründen und Hintergründen, die einen wirkmächtigen jüdischen Architekten der zwanziger bis fünfziger Jahre in die Vergessenheit stießen und ordnet sein Werk in die Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts ein. Die Ausführungen basieren auf Recherchen für die Ausstellung von Jacqueline Hénard „Ossip Klarwein, vom Kraftwerk Gottes zur Knesset“, die 2025 in Berlin und Hamburg gezeigt wurde und 2026 nach Frankfurt am Main in das Deutsche Architekturmuseum wandert. Dazu ist ein Katalog mit vielen zuvor unbekannten Plänen und Zeichnungen erschienen.
Im Anschluss an Vortrag und Diskussion gibt es Gelegenheit zu Gesprächen bei einem Glas Wein.
Nicolaihaus - ein Haus der Deutschen Stiftung Denkmalschutz
Brüderstr. 13
10178 Berlin
19.03.2026
Eine Anmeldung ist bis zum 16. März erforderlich. Hier anmelden.