Grußwort des aktuellen Gastgebers unserer Wanderausstellung:

Dipl.-Ing. Ernst Uhing
Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen

„Arbeit an gebauter Erinnerung“

Denkmale sind die gebaute Erinnerung von Völkern. Sie sind wichtig, um eine Identität zu entwickeln und zu bewahren. Dieses Wissen haben Menschen zu allen Zeiten intuitiv geteilt, und wir sehen in Deutschland an jedem Tag des offenen Denkmals®, dass sich große Teile unserer Bevölkerung für Denkmäler interessieren und begeistern.
Gleichwohl ist auch der Denkmalschutz nicht vor dem Phänomen gefeit, dass wir etwas zwar grundsätzlich wertschätzen können, im konkreten Einzelfall aber doch abwehrend reagieren. Architektinnen und Architekten, Stadtplanerinnen und Stadtplaner kennen das aus vielen Bürgerbeteiligungsprozessen bei Infrastrukturmaßnahmen, etwa wenn es um den Bau von Straßen und Schienen, Sendemasten oder Windkraftanlagen geht: „Im Prinzip gerne – aber bitte nicht in meinem Garten.“
Die Ausstellung „Liebe oder Last?! Baustelle Denkmal“ der Deutschen Stiftung Denkmalschutz wählt aus meiner Sicht deshalb genau den richtigen, einen mutigen Ansatz: Sie spricht ein existierendes Problem offensiv an und macht es zum Leitthema. Die meisten Menschen finden Denkmalschutz wichtig; wenn aber das eigene Gebäude unter Denkmalschutz gestellt werden soll, kommen vielfältige Sorgen auf: Verliere ich dadurch Rechte? Kann ich noch sanieren, um- oder anbauen? Und wird nicht der Erhalt meines Hauses durch Denkmalschutzauflagen viel teurer? – Solche und viele andere Fragen werden in der Ausstellung aufgegriffen und in attraktiver, für Laien zugänglicher Weise beantwortet.
Ich freue mich, dass die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die Premiere ihrer Ausstellung „Liebe oder Last?! Baustelle Denkmal“ in unserem Haus der Architektinnen und Architekten in Düsseldorf feiert, dem Sitz der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen. Die Ausstellung spricht viele Themenfelder an, die uns in unserem dicht bebauten Bundesland unmittelbar berühren – von der Industriearchitektur über die Umnutzung von Kirchengebäuden bis hin zu den Fragen nach der Schutzwürdigkeit von Architekturen der Nachkriegszeit. Ich erhoffe mir von der Ausstellung auch vielfältige Impulse für die Frage, wie wir mit erhaltenswerter, der Erinnerung werter Bausubstanz umgehen wollen, die (noch) nicht dem Denkmalschutz unterliegt.

Dipl.-Ing. Ernst Uhing / Foto: Ingo Lammert

Letztlich ist jedes Bauwerk eine dauerhafte Baustelle, soweit es nicht einfach dem Verfall und Abriss überlassen werden soll. Es wird immer wieder Arbeit machen und bisweilen auch eine Last sein, die getragen werden muss. Aber es ist im Bauwesen wie in der Psychologie: Eine dauerhafte Liebe macht Arbeit, bringt aber unermesslich viel Zufriedenheit und Freude!
Ich wünsche der Ausstellung „Liebe oder Last?! Baustelle Denkmal“ viele interessierte Besucherinnen und Besucher. Der Deutschen Stiftung Denkmalschutz danke ich für ihre wichtige, engagierte Arbeit für den Erhalt unserer gebauten Erinnerung. Ich bin sicher, dass wir gemeinsam mit dieser Ausstellung die Diskussion über die Bedeutung des Denkmalschutzes intensivieren und in eine große Breite tragen können.

Es grüßt Sie herzlich
Ihr

Dipl.-Ing. Ernst Uhing
Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen

15.04. – 10.06.21, Haus der Architekten, Düsseldorf

Wichtiger Hinweis: Aufgrund der hohen Corona-Inzidenzwerte ist die Ausstellung vorübergehend geschlossen.