06.01.2020 – Bayern

DSD-Bronzeplakette für Schlosskirche in Ebermannsdorf

Schlosskirche in Ebermannsdorf © Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Schabe

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Altarraum mit Hochaltarbaldachin in der Schlosskirche in Ebermannsdorf © Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Wagner

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Innenraum der Schlosskirche in Ebermannsdorf © Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Wagner

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Französische Sakralarchitektur in kleiner Landkirche

Gerd Sommer vom Ortskuratorium Erlangen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) überbringt bei einem Pressetermin vor Ort am Mittwoch, den 8. Januar 2019 um 15.00 Uhr an Kirchenpfleger Josef Beer von der katholischen Kirchenstiftung Ebermannsdorf eine Bronzeplakette mit dem Hinweis: „Gefördert durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit Hilfe der GlücksSpirale“. Durch die Plakette bleibt das Engagement der privaten Förderer der Stiftung und der Rentenlotterie von Lotto auch nach den Maßnahmen an vorbildlichen Projekten sichtbar und kann zugleich zu weiterer Unterstützung motivieren. Die DSD unterstützte 2016 und 2017 die Dachinstandsetzung und die Innenrestaurierung der Schlosskirche St. Johannes der Täufer in Ebermannsdorf im Landkreis Amberg-Sulzbach mit insgesamt 50.000 Euro. St. Johannes der Täufer gehört zu den über 440 Projekten, die die private Denkmalschutzstiftung dank Spenden und Mittel der Glücks-Spirale, der Rentenlotterie von Lotto, allein in Bayern fördern konnte.

Die Kirche des ehemaligen Hofmarkschlosses in Ebermannsdorf ist ein sehr gut erhaltenes und herausragendes Beispiel für eine besonders frühe, in Bayern selten zu findende, nach französischem Vorbild stark klassizistisch geprägte Sakralarchitektur des Hochbarock. Der hohe und folglich hoch besoldete Münchener Hofbeamte schuf dank seines Kunstsinns und sicher auch dank seines starken Repräsentationsbedürfnisses ein Stück Münchener Hofkunst „auf dem flachen Land“. Die Kirche wurde mit dem Schloss im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts nach Plänen von Ignaz Anton Gunetzrhainer, dem späteren Baumeister des Schlosses Nymphenburg bei München, errichtet.

Der barocke Saalbau wird von einem Mansardwalmdach gedeckt. Einzigartig sind die konische Verengung des Kirchenraumes vor dem Chor sowie die Andeutung eines Seitenschiffes durch flache Nischen an den beiden Seitenaltären. Der Altarraum und der Glockenturm mit seiner flachen Haube sind in die Fassade eingezogen. Die Rundbogenfenster sind nach außen als Rechteckfenster kaschiert. Die Ausstattungsarbeiten waren bis 1728 abgeschlossen. Die künstlerische Wirkung des bedeutenden Altarbildes von Johann Adam Müller aus dem Jahr 1723/1724 steigert eine außerordentliche bildhauerische Arbeit. Links ist die Opferung Isaaks durch Abraham dargestellt, rechts sieht man Moses mit den Gesetzestafeln. Die gesamte Stirnwand des Altarraums füllt der Hochaltarbaldachin aus, der das direkt auf die Wand aufgesetzte Hochaltarbild rahmt. Der Übergang zum Langhaus ist durch kräftig vortretende Kolossalpilaster mit korinthischen Kapitellen gestaltet. Mit dieser Wandgliederung kam das „Säulen-Architrav-System“, eine Neuschöpfung der französischen Sakralarchitektur, in einer kleinen Landkirche zur Anwendung.