05.09.2015 – Presse , Bayern

DSD fördert Schloss Thurnau im Landkreis Kulmbach

Gebetserker im Frauengemach

Kurzfassung: Einen Fördervertrag über 75.000 Euro für die weitere Instandsetzung des Gebetserkers in der Kemenate von Schloss Thurnau überbringt Uwe Franke, Ortskurator Kulmbach/Oberfranken der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), am 9. September 2014 um 12.00 Uhr im Beisein von Jörg Urban von Lotto Bayern vor Ort an Landrat Klaus Peter Söllner von der Gräflich Giech'schen Spitalstiftung Thurnau. Der den Markt von Thurnau dominierende Schlosskomplex gehört zu den über 310 Projekten, die die private Denkmalstiftung dank Spenden und Mittel der GlücksSpirale, der Rentenlotterie von Lotto, allein in Bayern fördern konnte.

Langfassung: Für die weitere Instandsetzung des Gebetserkers in der Kemenate von Schloss Thurnau im Landkreis Kulmbach stellt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) erneut 75.000 Euro zur Verfügung. Den entsprechenden Fördervertrag überbringt Uwe Franke, Ortskurator Kulmbach/Ober­franken der DSD, am Mittwoch, den 9. September 2015 um 12.00 Uhr im Beisein von Jörg Urban von Lotto Bayern vor Ort an Landrat Klaus Peter Söllner von der Gräflich Giech'schen Spitalstiftung Thurnau. Anwesend ist ebenfalls Bürgermeister Martin Bernreuther.

Der Schlosskomplex mit den hochragenden, wehrhaften Mauern und den gegliederten Baumassen dominiert den gefälligen Markt von Thurnau. Insbesondere die Holzgalerien, die den Torbau mit dem Nordostturm und diesen wiederum über die Straße hinweg mit der Kirche verbinden, besitzen einen besonderen Reiz. Als einer der ausgedehntesten und im historischen Sinne besterhaltenen Burg- und Schlossanlagen aus Mittelalter und Renaissance in Deutschland kommt dem Thurnauer Schloss eine große Bedeutung zu.

Erstmals erwähnt wird die mittelalterliche Burganlage 1239. Aus dieser Zeit stammt wohl der nördliche Teil der steinernen Kemenate, die um die Mitte des 15. Jahrhunderts nach Süden ausgebaut wurde. Ergänzend entstanden an ihrer nördlichen Seite der Archivbau und südlich der sogenannte Storchenbau, durch die der Untere Schlosshof eingefasst wird.

Unter Hans Georg von Giech erfolgte der Ausbau des Schlosses in Renaissanceformen. Die Kemenate erhielt den Südgiebel, den Gebetserker und die Treppentürme. Der Untere Schlosshof wurde nach Westen hin geschlossen. Die sechs- bzw. siebengeschossige Kemenate ist der älteste Bauteil des Schlosses. Das Gebäude grenzt den unteren vom oberen Schlosshof ab und ist über einen anschließenden Turm und einen überdeckten Gang mit der Kirche auf der anderen Straßenseite direkt verbunden. Die Kemenate steht auf einem Sandsteinfelsen, der bis ins dritte Obergeschoss reicht. Zum Süden hin zeichnet die Kemenate ein dreigeschossiger Schweifgiebel aus.

An der Südseite wurde 1581 durch Hans Schlachter der sogenannte Gebetserker, das Chörlein, angebaut. Der Fuß der Konsole wird durch Wappenträger gestützt, in den Brüstungsfeldern befinden sich Reliefs von Adam und Eva. An der Ost- und Westseite des Erkers befinden sich die 1583 und 1591 errichteten Treppentürme. Eine Fülle von Ausstattungselementen aus den unterschiedlichen Epochen zeugt vom Kunstsinn und repräsentativen Anspruch der Geschlechter von Giech und von Künßberg, die als prägende Bauherrn in Erscheinung treten.

Der nachträglich an die Kemenate angebaute Gebetserker war einsturzgefährdet. Bei der Errichtung des Erkers wurde die vorhandene Außenwand aufgebrochen und die von oben kommenden Lasten nicht ausreichend umgeleitet. Die Konstruktion wird seit dem vergangenem Jahr durch statische Maßnahmen, die die Lastabtragung der Außenwand betreffen, wiederhergestellt werden. Die Nachbesserung erfolgt in der Fußbodenebene über dem Gebetserker, wo in die Wandebene Stahlträger eingezogen werden.

Schloss Thurnau gehört zu den über 310 Projekten, die die private Denkmalstiftung dank Spenden und Mittel der GlücksSpirale, der Rentenlotterie von Lotto, allein in Bayern fördern konnte.