28.07.2021 – Bremen

Ein Beispiel für viele: Thieles Garten in Bremerhaven

Thieles Garten in Bremerhaven * Foto: Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Bolz

Download

Eines von 5 Herzensanliegen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz im aktuellen Monumente-Heft

Ende des Monats erscheint die August-Ausgabe des Magazins Monumente der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD). Beispielhaft werden darin fünf Förderprojekte vorgestellt, die für die rund 450 Restaurierungsmaßnahmen in diesem Jahr stehen. Über Thieles Garten in Bremerhaven schreibt Winfried Dolderer:

„Das hatte Wilma Augat sich vielleicht anders vorgestellt. War sie nicht in Bremerhaven die bekannteste Tänzerin? Obendrein Olympiateilnehmerin? Und mit dem Bildhauer befreundet? Doch Gustav Thiele ließ die damals 29-Jährige abblitzen: „Für die Figur der Venus brauche ich ein junges, unschuldiges Mädchen.“ Wilma porträtierte er dann für eine der Nixen im Ensemble des Venusbrunnens.

Solche Anekdoten kann Brigitte Grahn am laufenden Band erzählen. Seit 2004 bietet die heute 71-Jährige Führungen in ‚Thieles Garten‘ an: ‚Anderthalb Stunden kriege ich mit links hin, meistens sind es zwei.‘ Zu sehen ist ja auch einiges, 15 Figurengruppen allein im Park, weitere Skulpturen und Gemälde in der Galerie, dazu Gehölze mit markanten Namen, die Kaukasische Flügelnuss, Amber-, Trompeten- und Taschentuchbäume. Der Venusbrunnen ist die größte, zudem prominent ins Bild gesetzte Figurengruppe: Hier ließ sich am 7. September 1958 die Hollywood-Schauspielerin Olivia de Havilland fotografieren, als sie bei einem Besuch amerikanischer Soldaten in Bremerhaven den Garten besichtigte.

In der Stadt an der Wesermündung betrieben die Brüder Georg und Gustav Thiele seit Beginn des 20. Jahrhunderts ein Fotoatelier. Doch ihr Ehrgeiz reichte weit über das Berufliche hinaus. Georg neigte zur Malerei, Gustav zur Plastik. Im Vorort Lehe erwarben sie 1923 ein Gelände, das sie im Laufe von Jahrzehnten zu einer abwechslungsreichen Gartenanlage modellierten und mit Skulpturen ausstatteten.

Da für Marmor oder Bronze das Geld fehlte, schuf Gustav seine Figuren aus Drahtgeflecht, das er mit Ziegelbrocken und Mörtel auffüllte und mit einer selbst entwickelten, besonders wetterfesten Zementmischung überformte. Den Eindruck, es könnte sich doch um Bronze handeln, vermittelt die Farbgebung. … Ihre Modelle fanden sie im persönlichen Umfeld, porträtierten Bremerhavener Sportgrößen als auch Kinder aus der Nachbarschaft. Motive aus dem klassischen Altertum, Faune, Grazien, Göttinnen finden sich ebenso wie Themen aus der Tierfabel. …“