28.07.2021 – Bayern

Ein Beispiel für viele: Von Parish Kostümbibliothek in München

Innenraum der Von Parish Kostümbibliothek in München * Foto: Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Schabe

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Innenraum der Von Parish Kostümbibliothek in München * Foto: Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Schabe

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Eines von 5 Herzensanliegen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz im aktuellen Monumente-Heft

Ende des Monats erscheint die August-Ausgabe des Magazins Monumente der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD). Beispielhaft werden darin fünf Förderprojekte vorgestellt, die für die rund 450 Restaurierungsmaßnahmen in diesem Jahr stehen. Über die Von Parish Kostümbibliothek in München schreibt Stephan Kroener:

„Hinter der Jugendstilfassade der gediegenen Stadtvilla empfängt den Besucher ein Hauch Landluft. ‚Um 1900 war die große Zeit der Japan-Mode‘, erklärt Esther Sophia Sünderhauf die neue, noch nach trockenem Gras riechende Tatamibespannung im Windfang. Die Leiterin der Von Parish Kostümbibliothek öffnet stolz die zweiflügelige Pendeltür zu ‚Zeitkapsel‘, wie sie die Dependance des Münchener Stadtmuseums in Nymphenburg nennt. …

Die prachtvollen Möbel, welche die Räume füllen, kamen später, als zwei Frauen der wohlhabenden Hamburger Kaufmannsfamilie von Parish das Gebäude kauften und 1936 selbst bezogen. Hermine von Parish und ihre Mutter gründeten hier vor 75 Jahren die „Von Parish Schule für freie und angewandte Kunst“. Vor allem gaben sie damit ihrem Kostüm- und Modearchiv ein Zuhause, das auch heute weiter besteht, nachdem Hermine von Parish 1970 Haus und Archiv der Stadt München übereignete.

Der Grundstock dieses Archivs streckt seine Sammlungstriebe vom Keller bis in die letzten Winkel des Dachbodens. Über 40.000 Grafiken, 30.000 Fotos und 10.000 Bücher und viele Tausend Zeitschriften lagern hier. Dazu eine Sammlung sogenannter grauer Literatur: Versandhauskataloge, Modeprospekte und -faltblätter, die von anderen Bibliotheken nicht gesammelt werden. Hermine von Parish lebte für dieses Archiv, reinvestierte jeden Pfennig, verzichtete auf Reisen und Luxus, ja sogar auf Essen, und trug selbst oft nur einen einfachen grauen Arbeitskittel. Die Fensterläden hielt sie geschlossen, um das Archivmaterial vor Sonnenlicht zu schützen. Von Nachbarn und Zeitzeugen wird sie als Grande Dame beschrieben, pflegte aber im privaten einen maßlosen Sammeltrieb. Bei ihrem Tod 1998 blieb die Sammlung in großen Teilen ungeordnet, erweist sich aber gerade deswegen heute als ein Schatzhaus der Kostümgeschichte.

Für ihr Lebenswerk wurde Hermine von Parish 2007 posthum mit dem „Preis zur Bewahrung Europäischen Kulturerbes“ ausgezeichnet. Es ging ihr, so erklärt es Leiterin Sünderhauf, ‚um Bekleidung in allen Facetten, denn Mode verstand sie als Kulturgeschichte‘. …“