24.09.2018 – Thüringen

Neuer DSD-Fördervertrag für St. Bonifatius in Altenbeichlingen

Die Kirche in Altenbeichlingen © Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Ortskuratorium-Saitz

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Selbstbewusstsein der Gründerzeit-Bevölkerung

Für Arbeiten zur Mauerwerksinstandsetzung und -konservierung an der St. Bonifatiuskirche in Altenbeichlingen stellt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD), dank zweckgebundener Spenden und ihres Dorfkirchenfonds exakt 17.206 Euro zur Verfügung. Nun besucht Professor Hermann H. Saitz vom Ortskuratorium Erfurt der DSD den Vorsitzenden des Kirchgemeinderates, Egbert Geißler, bei einem Pressetermin vor Ort am Donnerstag, den 27. September 2018 um 10.30 Uhr, um sich die Maßnahmen erläutern zu lassen. Das Gotteshaus in Altenbeichlingen gehört zu den über 460 Projekten, die die private Denkmalstiftung dank Spenden, den Erträgen ihrer Treuhandstiftungen und der Mittel der GlücksSpirale, der Rentenlotterie von Lotto, allein in Thüringen fördern konnte.

Die neogotische St. Bonifatius Kirche erhebt sich seit 1898 am nordwestlichen Dorfrand von Altenbeichlingen als Musterbeispiel für die Architektur des Historismus. Schon seit ihrer Erbauung war sie in dem kleinen Ort für dessen reiche Ackerbürger überdimensioniert. Für das Mauerwerk verwandte man die Backsteine der Vorgängerkirche, die Fassaden wurden mit Kalksteinquadern verblendet. Die mächtig wirkende Kirche besteht aus dem schlanken, von einem Spitzhelm gekrönten Westturm, dem sich anschließenden Langhaus, dem Querhaus und einem Chor. Alle Dächer wurden mit Schiefer gedeckt. Zwischen der Ostwand des Querhauses und der Süd- und Nordwand des Chores wurde jeweils ein Anbau angefügt, an die Nordwand des Turmes auch ein Treppenturm. Die Ecken des Turmes verstärken Strebepfeiler, auf denen Filialtürmchen sitzen. Die Turmwände schließen zum Dach hin mit vier Dreiecksgiebeln ab, die von einer Kreuzblume bekrönt werden und in den Giebeln Uhren in einem Spitzbogen tragen. Darunter sind zwei spitzbogige Schallöffnungen eingebrochen. In die Südwand des Turmes hat man zwischen die Strebepfeiler eine offene spitzbogige Eingangshalle eingerichtet. Sie deckt ein Steildach.

Hohe Maßwerkfenster mit Bleiverglasung belichten die Bauteile. Den Innenraum deckt ein dreijochiges Rippengewölbe aus Ziegelsteinen. Die gesamte Ausstattung, inklusive Taufstein, Kanzel und Kronleuchter, stammt aus der Bauzeit. Decken, Wände und Bögen sind mit farbigen Ornamenten und Schriftzeichen verziert. Auf der massiven Westempore steht die 1990/1992 restaurierte Orgel der Orgelbauerfamilie Röver, die auch für den Magdeburger Dom, die Hamburger Nikolai- und die Quedlinburger Marktkirche die Orgeln baute. Bemerkenswert sind Altar und Taufstein, die aus Kalkstein und Marmor bestehen und mit farbigen Mosaikeinlagen gestaltet wurden. Die aufwendige Ausstattung spiegelt den Repräsentationswillen und das Selbstbewusstsein der Bevölkerung der Gründerzeit wider.