31.07.2020 – Hessen

Totenkapelle St. Michael in Kiedrich wird erneut von der DSD gefördert

Totenkapelle St. Michael in Kiedrich © Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Gehrmann

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„Kauernde“ Tierfiguren auf Säulchen

Erneut wird die Kirche St. Valentinus und Dionysius in Kiedrich bei den anstehenden Restaurierungsarbeiten von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) dank zahlreicher Spenden sowie der Lotterie GlücksSpirale unterstützt. Auf diese Weise leistet die DSD ihren Beitrag zur Planungssicherheit für die Bauherren, ihre Architekten und hochqualifizierten Handwerksbetriebe, um diese wichtigen Arbeitsplätze erhalten zu helfen. Die Kiedricher Kirche gehört seit 2012 zu den über 220 Projekten, die die private Denkmalschutzstiftung dank Spenden, den Erträgen ihrer Treuhandstiftungen sowie der Mittel der GlücksSpirale, der Rentenlotterie von Lotto, allein in Hessen fördern konnte. Diesmal stehen 100.000 Euro für die Restaurierung und Instandsetzung des Innenraums der der Kirche gegenüberstehenden Totenkapelle St. Michael zur Verfügung, die die DSD bereits vor zwei Jahren gefördert hat.

Der Ort im Rheingau am Südhang des Taunus wurde erstmals in einer Urkunde des Erzbistums Mainz Mitte des 10. Jahrhunderts erwähnt. Das Ortszentrum dominiert die mittelalterliche St. Valentinus und Dionysius-Kirche, die in einem von einer hohen Mauer umschlossenen Kirchhof liegt. Ab dem 14. Jahrhundert entwickelte Kiedrich sich zu einem viel besuchten Wallfahrtsort. Der Erhalt der Ausstattung ist dem Engagement des englischen Mäzens Baronet Sir John Sutton zu verdanken. Dieser initiierte zwischen 1857 und 1876 die Regotisierung des Kircheninneren.

Die Totenkapelle St. Michael wurde 1434 begonnen und 10 Jahre später fertiggestellt. Von der Außenkanzel des steil gedeckten rechteckigen Bauwerks zeigte man den Pilgern die Reliquien. Als Schauseite wurde die Nordseite ausgestaltet. Sie besitzt im Obergeschoss drei dreiteilige Spitzbogenfenster mit Fischblasenmaßwerk. Die Strebepfeiler sind reich mit Baldachinnischen und Fialen geschmückt. An der westlichen Giebelwand ist dem Gebäude ein schmaler Treppenturm angefügt, dessen quadratischer Grundriss auf Höhe des ersten Geschosses in ein Achteck übergeht. Hier „kauern“ Tierfiguren auf Säulchen. Den Abschluss des Turms bildet eine durchbrochene Laterne.

Im Karner befinden sich ein um 1500 entstandenes Grab Christi, ein kreuztragender Christus aus dem ausgehenden 16. Jahrhundert, ein Christus am Ölberg aus dem 19. Jahrhundert sowie zahlreiche mittelalterliche Grabplatten. In der Kapelle ist die lebensgroße, von sieben Engelsköpfen getragene doppelte Mondsichelmadonna hervorzuheben. Sie wurde wohl um 1520 geschaffen. Der als Meisterwerk spätgotischer Schmiedekunst geltende siebenarmige Kronleuchter, der ihr als Aufsatz dient, entstand dagegen bereits 1512.