09.12.2019 – Thüringen

Vertrag für Gedenkstätte in Renthendorf

Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf © Marie-Luise Preiss/Deutsche Stiftung Denkmalschutz

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Detail Bibliothek der Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf © Marie-Luise Preiss/Deutsche Stiftung Denkmalschutz

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Reisetagebücher und etwa 13.000 Bände Bibliothek

Bei einem Pressetermin vor Ort am Mittwoch, den 11. Dezember 2019 um 14.00 Uhr überbringt Lars Ludwig vom Ortskuratorium Erfurt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) dank zahlreicher zweckgebundener Spenden und einer Geldauflage einen symbolischen Fördervertrag über 29.458 Euro für die Wiederherstellung der Leimdrucktapeten und Gangbarmachung bauzeitlicher Türbeschläge im denkmalgeschützten ehemaligen Wohnhaus der Familie Brehm an Dr. Jochen Süß, den Leiter der Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf. Die Gedenkstätte gehört zu den über 490 Projekten, die die private DSD dank Spenden und Mittel der GlücksSpirale, der Rentenlotterie von Lotto, allein in Thüringen fördern konnte.

Das Haus auf einer Anhöhe nahe der Kirche wurde nach dem Tod des Pfarrers und Ornithologen Christian Ludwig Brehm (1787-1864) errichtet, weil seine Witwe mit den Kindern das Pfarrhaus unterhalb verlassen musste. Später bewohnte Alfred Edmund Brehm (1829-1884) mit seiner Familie das Haus. Nach einem Leben als Forschungs- und Vortragsreisender, Direktor des Zoologischen Gartens Hamburg und Initiator und Leiter des Berliner Aquariums kehrte der Autor von Brehms Tierleben zu Beginn des Jahres 1884 nach Renthendorf zurück, wo er am 11. November 1884 starb.

Auf einem hohen Natursteinsockel mit vergitterten, querrechteckigen und von Natursteingewänden gerahmten Kellerfenstern erhebt sich das aus rotem Backstein erbaute Haus. Das Erdgeschoss gliedern hohe stichbogige Sprossenfenster mit Sohlbänken auf Konsolen. Die Mittelachse der Traufseiten wird von einem Dachhäuschen mit zwei kleinen Fenstern betont. Unter dem Satteldach befindet sich ein Mezzaningeschoss mit Schlitzfenstern an den Traufseiten und größeren Fenstern am Giebel. 1870 hatte Alfred Edmunds Bruder Reinhold (1830-1891) das Haus an der Nordseite durch einen größeren Anbau erweitern lassen. Die Raumaufteilung, die Böden, Türen, Kachelöfen und zum Teil mit Schablonenmalerei versehenen Decken sind weitgehend original erhalten. In den Räumen befindet sich neben Mobiliar, das weitgehend aus Brehms Hamburger Zeit stammt, das Archiv mit Reisetagebüchern und die etwa 13.000 Bände umfassende Bibliothek.

Alfred Brehms jüngste Tochter Frieda Poeschmann widmete 1946 dem Leben und Werk des Großvaters und Vaters zwei Räume im Haus, die sie der Öffentlichkeit zugänglich machte. Dadurch gilt sie als Begründerin der Gedenkstätte. Ihr Neffe Hans-Renatur Brehm (1899-1964) übereignete das Gebäude 1952 mit dem gesamten Inventar und den Grabstätten der Familie der Gemeinde Renthendorf mit der Verpflichtung zur Pflege und Erhaltung. Dem haben sich mehrere Nachbargemeinden angeschlossen.