22.08.2025

Das Reiterstandbild Friedrichs des Großen in Berlin

40. Stiftungsjubiläum Bundesweit

Eine Meisterleistung der Metallrestauratoren

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat in den vierzig Jahren ihres Bestehens alle Gattungen an Denkmalen gefördert. Auch solche, die sich schwerer nur einordnen und leichter unter Sonstige Denkmale fassen lassen. Dazu gehören etwa Obelisken, Trinkkuranlagen und Brunnen, Prunkpforten, steinerne Gartendenkmale und Säulen, Figurengruppen, und auch Denkmäler, also Standbilder. Das Shakespeare-Denkmal in Weimar gehört ebenso dazu wie das Beethovendenkmal in Bonn, die St. Benno-Säule in München ebenso wie das Prinzessinnendenkmal in Hannover. Zu den bedeutendsten Reiterdenkmälern des 19. Jahrhunderts zählt das Standbild Friedrichs des Großen in Berlin. Dessen Aufarbeitung war eine Meisterleistung der daran tätigen Metallrestauratoren. Mit Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gelang hier in den 1990er Jahren aber nicht nur die Restaurierung, sondern gegen zahlreiche Widerstände auch die Wiederaufstellung am angestammtem Ort Unter den Linden.

Friedrich der Große war kein einfacher Mensch. Auch nach seinem Tode nicht. So dauerte es rund 70 Jahre, und es bedurfte dreier preußischer Könige und über 100 Entwürfe, um ihm ein würdiges Denkmal zu errichten. Schließlich war es Christian Daniel Rauch, der dieses etwa 13,5 Meter hohe Denkmal zwischen 1842 und 1851 schuf. Heute gehört es zu dessen Hauptwerken. Feierlich wurde es am 111. Jahrestag der Thronbesteigung Friedrich des Großen 1740 am 31. Mai 1851 enthüllt.

Dargestellt ist der Monarch in seiner Paradeuniform mit Dreispitz zu Pferde. Seinen Krückstock hält er fest in der Hand. Auf den Haupttafeln des mehrstöckigen Sockels sind über einer teils als Relief, teils vollplastisch ausgestalteten Inschriftenzone Friedrichs Feldherren und Staatsbeamte, aber auch Gelehrte und Künstler seiner Zeit, die alle in zeitgenössischen Kostümen auftreten. Im oberen Teil des Sockels stellen Relieftafeln die Tugenden des Königs und Szenen aus seinem Leben dar.

Ursprünglich erstrahlte das Denkmal in goldenen Tönen, die sich einer speziellen Legierung aus St. Petersburg verdankten. Der schöne Schein ging in den Wirren der Zeit verloren. In der Novemberrevolution des Jahres 1918 schossen Spartakisten auf den wehrlosen kupfernen König, dessen Wunden danach nur unsachgemäß behandelt wurden. Die Nationalsozialisten packten das Standbild im Krieg in einen Schutzmantel gegen Fliegerbomben, die DDR-Regierung verbannte den einstigen Helden 1950 als Symbol reaktionärer Politik nach Sanssouci. In mehreren Verstecken überstand das Denkmal mehrfach die Gefahr des Einschmelzens.

Erst 1980 erinnerte man sich seiner und der Identität gebenden Geschichte wieder, vereinnahmte Preußens Gloria und veranlasste des Königs Rückkehr nach Berlin. Man renovierte das Reiterstandbild und brachte eine notwendige Stützkonstruktion in den Sockel ein, schenkte aber dem Rostschutz nicht die nötige Aufmerksamkeit. Das verletzte das Standbild und vor allem seinen Sockel mehr als etwa die Beraubung der Legende durch Demonstranten nach der Wende des Steigbügels und Friedrichs Krückstocks.

Denn mehr als alle politischen Wetterlagen setzten dem Denkmal Regen und Schmelzwasser zu. Das in Sockel und Reiterfigur gegliederte Standbild bestand im Wesentlichen aus im Sandgussverfahren hergestellten einzelnen Bronzeteilen, die ursprünglich mittels Steck-, Schraub- und Drehverbindungen kraftschlüssig zusammengefügt waren. Nun hatten sich Kupfersalzkrusten tief in das Gefüge hineingefressen, drohte Rost dem, was den Alten Fritz im Innersten zusammenhielt, in Nichts aufzulösen, so dass die Statik gefährdet war. Um den erstmals Rückhalt erbittenden Preußenkönig der Nachwelt zu erhalten, musste dieser zunächst absitzen. Anfang Oktober 1997 wurde das Standbild, Ross und Reiter, mit einem Kran vom Sockel in die Luft gehoben und nach kurzem Flug auf einem Schwerlasttransporter abgesetzt und in eine Berliner Fachwerkstatt in Tempelhof gebracht. Dort erfolgte unter fachlicher Oberleitung des Landesdenkmalamtes Berlin die Restaurierung.

Für die Regeneration musste der Monarch in Einzelteile zerlegt werden. Dem Betrachter bot sich ein beklagenswertes Bild: Ein Riss ging quer durch den Körper des Königs, Rumpf und Beine waren getrennt. Seinem Ross kam der Schweif abhanden. Im Pferdebauch fand man eine kleine bronzene Tafel, die unter anderem Rauchs Modell auf 1845 datiert. Der größte Teil der Arbeit bestand in der Abnahme der verkrusteten Schmutzschichten auf der Oberfläche. Diese wurden Stück für Stück mittels Skalpell und Feinmeißel beseitigt. Weiterhin wurden Fehlstellen, wie etwa Einschusslöcher aus den verschiedenen Aufständen und Kriegen fachgerecht geschlossen. Eine sehr mühevolle Arbeit. Deutlich erkennbar wurde dabei aber auch die beeindruckende Feingliedrigkeit und Detailtreue der Bronzeplastik. Fachleute bemerkten, dass es kaum vorstellbar sei, dass eine derartige Kunstfertigkeit überhaupt im Gussverfahren hergestellt werden konnte.

Die Arbeiten endeten offiziell am 13. September 1998, dem Tag des offenen Denkmals. Nach weiteren Vorarbeiten Unter den Linden konnte das königliche Meisterwerk schließlich am 6. Dezember 2000 an seinem historischen Standort ein zweites Mal enthüllt werden.

Vergleichbare Denkmale aus Ihrer Region stellen wir Ihnen gerne mit Bild und Text zur Verfügung.

Seit ihrer Gründung vor 40 Jahren förderte die private Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) über 80 Maßnahmen an sogenannten „Sonstigen Denkmalen“. Die 1985 gegründete spendensammelnde Stiftung unterstützt engagierte private, kirchliche und kommunale Denkmaleigentümer beim Erhalt ihrer Bauwerke. Denkmalpflege als staatliche Aufgabe wird wie dank dieser bürgerschaftlichen Unterstützung zu einem gesamtgesellschaftlichen Auftrag. Die DSD konnte bisher für den Erhalt von 7.400 Denkmalen unserer Baukulturlandschaft mehr als eine dreiviertel Milliarde Euro zur Verfügung stellen und damit ein deutliches Zeichen setzen.

40 Jahre Logo
Das Reiterstandbild Friedrichs des Großen Unter den Linden in Berlin
Detail vom Das Reiterstandbild Friedrichs des Großen Unter den Linden in Berlin
Gesamtansicht des Reiterstandbilds Friedrichs des Großen Unter den Linden in Berlin
Downloads

Pressemeldung herunterladen (PDF)

Pressemeldung und Bilder zur freien Verwendung bei Namensnennung: Alle Medien herunterladen (ZIP)

Ansprechpartner

Dr. Ursula Schirmer

Leitung Stabsstelle Presse

Pressesprecherin

Tel. 0228 9091-402

ursula.schirmer@denkmalschutz.de

Thomas Mertz

Leitung

Pressestelle

Tel. 0228 9091-404

thomas.mertz@denkmalschutz.de

Fabian Christmann

Referent

Pressestelle

Tel. 0228 9091-407

fabian.christmann@denkmalschutz.de

Freianzeigen

WERT-voll: was uns ohne Denkmale fehlen würde

WAHR-Zeichen: Denkmale sind authentische Geschichts-Zeugnisse

Kultur-Spur: Ein Fall für den Denkmalschutz

Trendsetter Denkmal: moderner als gedacht!

Denkmalschutz ist gelebter Klimaschutz!

Weitere Pressemitteilungen