Erfolgreicher gemeinsamer Einsatz für ein besonderes Denkmal
Denkmalschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Die Herausforderungen gelingen, weil alle Akteure am gleichen Strang ziehen. Für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) ist es eine Freude, aber auch eine Verantwortung, dass sie mit ihrem Einsatz weitere Handelnde animieren kann, mit ins Boot einer Erhaltungsmaßnahme zu steigen. Manche Fördermaßnahmen geht die DSD gleich gemeinsam mit verschiedenen direkt am Ort engagierten Kräften an. Ein erstes solches Kooperationsprojekt war Anfang des Jahrtausends das „Haus der Lions und Rotarier“ im Weingarten 22 in Quedlinburg. Hier führte das gemeinsame Engagement der Zusammenwirkenden in einem Haus aus dem 16. Jahrhundert, das im 18. Jahrhundert erweitert worden war und dem akut der Verfall drohte, zu einer baulich-karitativen Lösung. Seit der Rettung und Wiederherstellung des Gebäudekomplexes nutzt die Lebenshilfe Harzkreis-Quedlinburg das Bauwerk für betreutes Wohnen.
Seither hat es mehrere Kooperationsprojekte gegeben. Bei der Potsdamer Friedenskirche, die zum UNESCO-Welterbe gehört, gleich zweimal. Weil das Gotteshaus dringend Hilfe benötigte, startete die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) 2015 gemeinsam mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) und dem Bauverein Friedenskirche Potsdam e. V. eine bundesweite Spendenkampagne. Zu beheben waren kaputte Dächer über den Seitenschiffen, Feuchtigkeitsschäden, teilweise brüchige Marmorfußböden, eine Taufkapelle, die bereits seit langem der Restaurierung bedurfte und Schäden am Glockenturm. Das wertvolle Apsismosaik aus dem frühen 13. Jahrhundert, dessen Tragekonstruktion der Rost zerfressen hat, hätte ohne baldige Hilfe unwiderruflich Schaden genommen.
Für die Rettung des Bauwerks machten sich zahlreiche prominente Botschafter des öffentlichen Lebens stark, so Georg Friedrich Ferdinand Prinz von Preußen, die Landtagsabgeordnete Klara Geywitz, der Tatort -Kommissar Jörg Hartmann und das Gemeindemitglied Ursula Weyrauch.
Fünf Jahre später benötigte der freistehende Glockenturm der Potsdamer Friedenskirche, der Campanile, dringend Beistand. Er war in seiner Substanz gefährdet. Aus diesem Grund startete die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) eine zweite bundesweite Spendenkampagne, für die im September 2020 der Startschuss fiel.
Wegen des Engagements der DSD beteiligten sich die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) sowie das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologische Landesmuseum (BLDAM) zu gleichen Teilen an den Baumaßnahmen, so dass die Restaurierungen möglich wurden. Schließlich konnte allein die DSD dank der erfolgreichen Spendenkampagnen in den Jahren 2016 bis 2024 über 1,1 Millionen Euro bereitstellen.
Zunächst standen die Mittel für die Instandsetzung der Dächer über den Seitenschiffen, dem Dach über der Hauptapsis und für die Restaurierung des wertvollen Apsismosaiks des Gotteshauses zur Verfügung. Die Arbeiten begannen am Dach, wo die Dacheindeckungen der Seitenschiffe und die schwammbefallenen Dachkonstruktionen wiederhergestellt werden mussten. Daneben wurden die schadhaften Mauerwerksbereiche und Putzflächen saniert. In einem zweiten Bauabschnitt wurde das wertvolle Apsismosaik restauriert. Hier musste die Oberfläche gereinigt und die gelockerten Mosaiksteine wieder in das Gefüge eingebunden werden. Darüber hinaus wurde das Mörtelbett stabilisiert bzw. partiell ergänzt.
Der Glockenturm erfuhr eine substanzsichernde Generalüberholung. Die haltspendende, gusseiserne Konstruktion im Inneren, zu der eine wunderschöne Wendeltreppe gehört, wies wegen unzureichender Entwässerung irreparable Korrosionsschäden auf. Ebenso war das Trägersystem der mit den Außenwänden verbundenen Eisengussplatten, die bereits vor gut einhundert Jahren durch massive Geschossebenen aus Stahlbeton verstärkt wurden, marode geworden. Die Betonlagen waren aufgeplatzt, die Eisenbewehrungen rosteten. Beim Mauerwerk waren die Sandsteinsäulen in den Rundbogenarkaden zum Teil nicht mehr tragfähig und mussten provisorisch gesichert werden. Schließlich galt es, die Glockenstühle instandzusetzen.
Die evangelische Friedenskirche liegt im Marly-Garten im Park Sanssouci gleich am Grünen Gitter. Auf Wunsch und unter Beteiligung des künstlerisch begabten Preußenkönigs Friedrich Wilhelm IV. wurde die Kirche nach Plänen des Hofarchitekten Ludwig Persius gebaut. Nach dessen Tod 1845 wurde der Architekt Friedrich August Stüler mit der Weiterführung beauftragt. Die Kirche ist eine dreischiffige Säulenbasilika ohne Querhaus mit einem 42 Meter hohen Campanile. Das 13,5 Meter hohe Hauptschiff überragt die halb so breiten Seitenschiffe. Rundbogenarkaden zeigen den Übergang an. Der Komplex der Friedenskirche und ihrer Nebenbauten ist oberitalienischen Klosterbauten nachempfunden. Als Vorlage für die Kirche diente ein idealisierter Kupferstich von San Clemente in Rom. Die Grundsteinlegung erfolgte am 14. April 1845, die Weihe fand am 24. September 1848 statt. An den Nebenanlagen wurde noch bis 1854 gebaut.
Zum Abschluss der Arbeiten an der Friedenskirche merkte DSD-Vorstand Dr. Steffen Skudelny in seinem Grußwort an: „Für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist die Mitwirkung an diesem großartigen Projekt zweifellos eine große Ehre“, gerade weil dadurch der besondere Akzent des bürgerschaftlichen Engagements bei der Erhaltung des Campanile sichtbar werde. „Doch müsse es nachdenklich machen“, so der spendensammelnde Denkmalpfleger, „wenn selbst so bedeutende Objekte wie die zum Weltkulturerbe gehörende Friedenskirche nicht allein von der SPSG und dem Bauverein erhalten werden können, weil diese dazu finanziell gar nicht ausreichend genug ausgestattet sind und folglich auf private Spenden zurückgreifen müssen.“ Neben der DSD unterstützten auch Fernsehmoderator Günther Jauch mit seiner Frau und die Hermann Reemtsma Stiftung die Instandsetzung des Glockenturms großzügig.
Beispiele außergewöhnlicher Denkmale aus Ihrer Region stellen wir Ihnen gerne mit Bild und Text zur Verfügung.
Seit ihrer Gründung vor 40 Jahren förderte die private Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) weit über 7.000 Maßnahmen an „Sakralen Bauten“. Die 1985 gegründete spendensammelnde Stiftung unterstützt engagierte private, kirchliche und kommunale Denkmaleigentümer beim Erhalt ihrer Bauwerke. Denkmalpflege als staatliche Aufgabe wird dank dieser bürgerschaftlichen Unterstützung zu einem gesamtgesellschaftlichen Auftrag. Die DSD konnte bisher für den Erhalt von 7.400 Denkmalen unserer Baukulturlandschaft mehr als eine dreiviertel Milliarde Euro zur Verfügung stellen und damit ein deutliches Zeichen setzen.