Europas erster freistehender Konzertsaal als Investition
Mit prächtigen öffentlichen Bauten haben Fürsten früher ebenso wie die Kommunen heute ihre Städte geschmückt. Gerichte, Theater, Rathäuser, Bibliotheken oder Kultur- und Krankenhäuser dienen konkreten öffentlichen Anliegen – und gleichzeitig der Repräsentation der Erbauer. Ob mit den Thermen der Römer oder heutige Sportarenen – mit öffentlichen Bauten werden Akzente gesetzt. Die Bagno-Konzertgalerie, die gerade ihr 250-jähriges Jubiläum feierte, ist eine besondere Schönheit unter den öffentlichen Bauten. Im ursprünglich von Graf Ludwig von Bentheim-Steinfurt als Französischer Garten angelegten Park wurde neben einem Badehaus, das als „Il Bagno“ dem Park seinen Namen geben sollte, 1774 eine elegante Konzertgalerie als erster freistehender Konzertsaal Europas errichtet. Unter Graf Ludwig entstand ein eindrucksvoller Park als Ort des Vergnügens, den er für alle zugänglich machte. Dem Steinfurter Musiktempel folgten weitere Attraktionen, Gehege für exotische Tiere, Wasserspiele oder Volieren mit bunten fremdländischen Vögeln. 1787 verzeichnete ein Grundrissplan des Bagnos für Besucher insgesamt 39 Bauten und 21 Wasserspiele, Brücken, Statuen, Grotten und Inseln auf dem Gelände. Es fanden sich Teiche mit chinesischen Brücken, eine nachgebaute Fischeridylle, die „Tonne des Diogenes“, griechische, römische und ägyptische Phantasiearchitekturen. Als „Feuerwerk der Sinne“, beschrieb Graf Ludwig das, was er erbaut hatte „um mich schließlich der Befriedigung zu erfreuen, auf diese Weise meinem kleinen Volk eine fruchtbare Quelle eines gesicherten Gewinns zu verschaffen, dass nämlich der Andrang der Fremden täglich wachse.“ Kunst und Kultur als Wirtschaftsförderung.
Der schlichte, eingeschossige Konzertsaal mit seinen Fenstertüren überrascht insbesondere im Inneren mit seiner prächtigen Wand- und Deckengestaltung aus Stuck und kostbaren Spiegeln. So bildete die „Grande Galerie pour les concerts“ zusammen mit heute nicht mehr bestehenden Nebengebäuden den heiteren Rahmen glanzvoller Sommerveranstaltungen. Ihr französisches Vorbild war die Schlossgalerie "Grand Trianon" in Versailles.
Die elegante Konzertgalerie gilt als erster und ältester freistehender Konzertsaal in Europa. Nach dem Zweiten Weltkrieg verfiel er und bot Ende der 1980er Jahre ein trauriges Bild. Nicht zuletzt der Initiative der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ist es zu verdanken, dass das Denkmal 1997 als modernen Anforderungen gerecht werdender Konzertsaal feierlich wiedereröffnet werden konnte. Allein die Stiftung stellte für die Restaurierung der Konzertgalerie von 1988 bis 1996 über 2,5 Millionen Euro zur Verfügung.
Für Maßnahmen zur Restaurierung und zum Unterhalt des Kulturdenkmals im Westfälischen wurde zudem 1994 als Stiftergemeinschaft die Bagno-Konzertsaal-Stiftung unter dem Dach der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gegründet. Mit der Treuhandstiftung gelang die Neubelebung der Konzertgalerie, da der Stadt Steinfurt so die große Sorge um den laufenden Unterhalt genommen werden konnte. Seither sorgt die Bagno-Konzertsaal-Stiftung für die Restaurierung, Erhaltung und Pflege des Bauwerks und der zugehörigen Anlagen, auch der Parkanlage und Nebengebäude.
Rechtzeitig zum Jubiläum im Jahr 2024 konnten dank der Bagno-Konzertsaal-Stiftung und weiteren zweckgebundenen Spenden durch einen erneuten Fördervertrag umfangreiche Sanierungs-, Reinigungs- und Anstricharbeiten an der Fassade erfolgen. Insgesamt betreut die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unter ihrem Dach mittlerweile 289 solcher Treuhandstiftungen mit einem Gesamtkapital von fast 150 Millionen Euro – Zeichen von außergewöhnlichem bürgerschaftlichem Engagement.
Vergleichbare Denkmale aus Ihrer Region stellen wir Ihnen gerne mit Bild und Text zur Verfügung.
Seit ihrer Gründung vor 40 Jahren förderte die private Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) über 600 Maßnahmen an „Öffentlichen Bauten“. Die 1985 gegründete spendensammelnde Stiftung unterstützt engagierte private, kirchliche und kommunale Denkmaleigentümer beim Erhalt ihrer Bauwerke. Denkmalpflege als staatliche Aufgabe wird dank dieser bürgerschaftlichen Unterstützung zu einem gesamtgesellschaftlichen Auftrag. Die DSD konnte bisher für den Erhalt von 7.400 Denkmalen unserer Baukulturlandschaft mehr als eine dreiviertel Milliarde Euro zur Verfügung stellen und damit ein deutliches Zeichen setzen.