Ein bauliches Zeugnis für die multikulturellen Entwicklungstendenzen in den 1920er Jahren
„1.578 Dorfkirchen stehen in der Liste der Förderprojekte der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Sie stellen damit bundesweit die größte Aufgabe bei der Förderung von Baudenkmalen dar - und wir wissen aus vielen Gesprächen, dass die Dorfkirchen die beliebtesten Denkmale bei unseren Förderern sind“, heißt es in der Jubiläumsschrift der Deutschen Stiftung Denkmalschutz zum diesjährigen 40. Geburtstag. Hinzu kommen 80 Kapellen, 139 Klöster und Klosterkirchen, 20 Schlosskirchen und 434 Stadtkirchen, die sich ebenfalls großer Beliebtheit erfreuen. Und schließlich hat die Stiftung 22 Synagogen gefördert und eine Moschee.
Diese Moschee steht in Berlin-Wilmersdorf und gilt als ein herausragendes bauliches Zeugnis für die kosmopolitischen und multikulturellen Entwicklungstendenzen in den 1920er Jahren. Städtebaulich ist sie ein bedeutendes Identifikationsobjekt für den städtebaulichen Bereich südwestlich des Fehrbelliner Platzes.
Die Moschee wurde in Anlehnung an den „indischen Mogulstil“ zwischen 1924 und 1928 nach dem Vorbild des Tadsch Mahal im Wilmersdorfer Villenviertel errichtet. In unmittelbarer Nähe stehen die russisch-orthodoxe und die Dänische Kirche. Das denkmalgeschützte Ensemble besteht aus der kuppelbekrönten Moschee, zwei flankierenden Minaretten und dem benachbarten Wohnhaus des Imam. Die hierzulande zur Verfügung stehenden Baumaterialien und Handwerker sowie das gemäßigte Klima erforderten Anpassungen. Dem Architekten Karl Alfred Herrmann gelang es, orientalische Baukunst mit zeitgemäßer europäischer Handwerkskunst zu vereinen.
Die Wilmersdorfer Moschee wurde von der in Britisch-Indien ansässigen islamischen Lahore Ahmadiya Bewegung gebaut und stand von Beginn an Muslimen aller Nationen offen. Sie wurde rasch zu einem Ort des interreligiösen Dialogs. Heute wird sie gerne von Interessierten und gerade Schulklassen und Reisegruppen besucht. Der Verein Ahmadiyya Anjuman Ishaat-i-islam Lahore Deutschland e.V. lässt keine Zweifel an der Einhaltung des Grundgesetzes und sucht die Öffentlichkeit durch zahlreiche Informationsveranstaltungen. Auch ist das wohl älteste islamische Gotteshaus in Deutschland zu bestimmten Zeiten für Gebete zugänglich.
Die Gebäude wurden wegen begrenzter Geldmittel schlicht und mit kostengünstigen Materialien ausgeführt. Ornamentierte Zierelemente aus Gips, Holz und Beton akzentuieren die solide verputzten Mauerwerksbauten. Das Wohnhaus des Imam wird von einem Flachdach mit Zinnenkranz abgeschlossen. Im Zweiten Weltkrieg wurde es stark beschädigt und nach 1945 nur notdürftig repariert. Während das Dach in jüngster Zeit instandgesetzt wurde, sind die Putzflächen ein Flickenteppich nach diversen Notreparaturen. Die größtenteils ursprünglichen Holzfenster sind nicht mehr alle funktionstüchtig.
Nachdem die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bereits 1996 allgemeine Sicherungsmaßnahmen am Wohnhaus gefördert hat, half sie von 2017 bis 2021 weiter – sowohl am Imamhaus als auch am Hauptbau. Dreimal förderte sie den Innenraum, zuletzt die Malerarbeiten. Die auf den Wandinnenseiten befindliche, bauphysikalisch schädliche Dispersionsfarbe wurde mit einem Heißdampfverfahren entfernt, das sich bei Versuchsflächen als günstigste Methode herausgestellt hatte. Bei der Entwicklung des Farbkonzepts waren zwei Aspekte zu berücksichtigen. Einerseits wollte man weitgehend auf historische Farbfassungen zurückgreifen, andererseits aber auch dem Wunsch der Gemeinde nachkommen, in der Kuppel der Moschee einen Sternenhimmel anzubringen, der bereits in der ursprünglichen Planung 1928 vorgesehen war. Insgesamt ist die Farbgebung deutlich ruhiger und zurückhaltender als in der früheren Fassung. Dabei achtete der Bauherr im Einklang mit dem Landesdenkmalamt auf die Reversibilität und führte die gesamten Malerarbeiten in mit Öl gemischter Leimfarbe aus. Und das ungeachtet der möglichen Bedenken bezüglich der Dauerhaftigkeit und des gegebenenfalls hohen Reparaturaufkommens, insbesondere in Bereichen, die häufig berührt werden oder mit Wasser in Kontakt kommen.
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Seit ihrer Gründung vor 40 Jahren förderte die private Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) über 6.970 Maßnahmen an „Sakralen Bauten“. Die 1985 gegründete spendensammelnde Stiftung unterstützt engagierte private, kirchliche und kommunale Denkmaleigentümer beim Erhalt ihrer Bauwerke. Denkmalpflege als staatliche Aufgabe wird wie dank dieser bürgerschaftlichen Unterstützung zu einem gesamtgesellschaftlichen Auftrag. Die DSD konnte bisher für den Erhalt von 7.400 Denkmalen unserer Baukulturlandschaft mehr als eine dreiviertel Milliarde Euro zur Verfügung stellen und damit ein deutliches Zeichen setzen.