Die Archäologie ermöglicht einen Blick in vergangene Zeiten
40 Bodendenkmale hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) in den vierzig Jahren ihres Bestehens gefördert. Archäologische Grabungen, Grabanlagen, die Villa Rustica in Bornheim und das Quellheiligtum Sudelfels in Wallerfangen gehören dazu. Oft sind diese Zeugnisse unserer ältesten Geschichte lange Zeit im Boden verborgen, nur sichtbar für die geübten Augen der Archäologen, die Verfärbungen und Unebenheiten im Gelände zu deuten wissen. Das gilt für Gräber und Grabanlagen, ebenso wie für Siedlungsreste, Befestigungen, Wege, Brunnen und Gruben. Gerne lassen Denkmalpfleger solche Fundstücke ganz bewusst in der Erde, weil die Stücke selbst, aber auch die Fundsituation so besser und dauerhaft geschützt sind. Denn jede Ausgrabung ist die Zerstörung der Fundsituation und durch die Freilegung beginnen natürliche Verfallsprozesse.
Die systematische Freilegung von Befunden und Fundobjekten zur wissenschaftlichen Untersuchung vergangener Kulturen zählt zur Arbeit der Bodendenkmalpflege, der Archäologie. Sie folgen hohen fachlichen Standards und Vorgaben. Jeder Schritt wird sorgfältig dokumentiert, nur so kann der Befund immer wieder für die wissenschaftliche Arbeit und Deutung der ausgegrabenen Erkenntnisse herangezogen werden.
Seit 25 Jahren fördert die Deutsche Stiftung Denkmalschutz verlässlich die Arbeiten am römischen Bühnentheater in Mainz, einem der eindrucksvollsten Monumentalbauten der spätantiken Stadt Mogontiacum. Das Theater liegt am Hang zur Zitadelle, oberhalb der Altstadt. Über 10.000 Zuschauer fasste das größte antike Theater nördlich der Alpen, heute passt in das Große Haus des Mainzer Staatstheaters gerade einmal der zehnte Teil davon. Jahrhunderte war das Gelände verschollen und wurde erst 1884 beim Bau des früheren Südbahnhofs wiederentdeckt. Erneut stieß man beim Bau einer Straße 1914/1916 auf Funde. Doch erst seit 1997 wird die Anlage systematisch ausgegraben. Dabei wurde deutlich, dass man etwas Außergewöhnliches gefunden hatte, ein Riesenbauwerk. Das Theater hat einen Durchmesser von 116 Metern bei einer Bühnenbreite von 42 Metern. Es wurde in der Spätantike nach 310 n. Chr. unter Kaiser Konstantin erbaut. Da hatte man den Obergermanisch-Rätischen Limes auf der rechten Rheinseite bereits seit 50 Jahren aufgegeben. Seither bildete wieder der Rhein die äußerste Grenze des Römischen Reiches. Lange hielt man das Theater für identisch mit einem Vorgängerbau, der zu Beginn des 1. Jahrhunderts nach Christus errichtet worden war, um die zivilen Gedenkfeiern für den toten Feldherrn Drusus, dessen Ehrengrabmal nur rund 340 Meter entfernt lag, abzuhalten.
Die nun freigelegten Fundamente und ein Gewölbegang des Römischen Theaters bestehen aus römischem Beton und sind mit Kalksteinquadern verkleidet. In regelmäßigen Abständen durchziehen Ziegelschichten zur statischen Sicherung den Betonkern, wobei gerade die Ziegel besonders witterungsanfällig sind.
Die massiv gemauerten Gewölbe des Theaters wurden ab dem 6. Jahrhundert als Katakomben für Bestattungen aus den umliegenden Klöstern, verwendet. Entsprechende Grablegen wurden bei den Ausgrabungen der letzten Jahre gefunden. Aus dem 11. Jahrhundert stammt die letzte schriftliche Erwähnung des Bühnentheaters, bevor es in Vergessenheit geriet. Die im 17. Jahrhundert errichtete Zitadelle von Mainz und die damit verbundene Einebnung des Geländes verwischten jede Erinnerung.
Ein Expertengespräch 2018 zur Steinkonservierung führte zu einer Musterkonservierung der Pfeilerstümpfe 2023. Diese wurde daraufhin konsequent umgesetzt und ist Gegenstand der derzeitigen Förderung der DSD, mit deren Hilfe bereits die archäologische Grabung durchgeführt werden konnte.
Beispiele außergewöhnlicher Denkmale aus Ihrer Region stellen wir Ihnen gerne mit Bild und Text zur Verfügung.
Seit ihrer Gründung vor 40 Jahren förderte die private Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) weit über 80 Maßnahmen an „Bodendenkmalen“. Die 1985 gegründete spendensammelnde Stiftung unterstützt engagierte private, kirchliche und kommunale Denkmaleigentümer beim Erhalt ihrer Bauwerke. Denkmalpflege als staatliche Aufgabe wird dank dieser bürgerschaftlichen Unterstützung zu einem gesamtgesellschaftlichen Auftrag. Die DSD konnte bisher für den Erhalt von 7.400 Denkmalen unserer Baukulturlandschaft mehr als eine dreiviertel Milliarde Euro zur Verfügung stellen und damit ein deutliches Zeichen setzen.