Führung durch die Ausstellung „Kunst im Fokus“ in der Deutschen Stiftung Denkmalschutz
Maren Heyne fing mit ihrer Kamera einige der bedeutendsten Künstler der Nachkriegszeit bei ihrer Arbeit ein. Doch wer war die Frau und Künstlerin hinter der Linse? Eine Führung am Mittwoch, 7. Oktober 2026, um 18.00 Uhr im Bonner Hauptsitz der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), Schlegelstraße 1, stellt nicht nur Heynes eindrucksvolle Künstlerporträts vor, sie rückt die Fotografin selbst, ihre künstlerische Arbeit und die gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen sie ihren Weg ging, in den Fokus.
Besucherinnen und Besucher erhalten nicht nur die Gelegenheit, die Fotografien von Maren Heyne und ihre Rolle als Künstlerin näher kennenzulernen, sondern erhalten auch einen Einblick in das von Architekt Sep Ruf entworfene Gebäude und Baudenkmal im ehemaligen Bonner Regierungsviertel, in dem die DSD ihren Sitz hat, und das selten öffentlich zugänglich ist. Durch die Ausstellung führt Julia Heintz, Referentin des Frauenmuseums Bonn.
Maren Heyne studierte von 1961 bis 1963 Architektur an der Technischen Hochschule München, der heutigen Technischen Universität München. Damit war sie als Frau eine Vorreiterin ihrer Zeit: Der Frauenanteil unter den Architekturstudierenden war zu jener Zeit marginal. 1963 zog Heyne nach Düsseldorf und arbeitete fortan als freie Fotografin mit den Schwerpunkten Kunst, Architektur, Landschaft und Menschen. Im selben Jahr heiratete sie den Bildhauer Friederich Werthmann, behielt jedoch ihren Geburtsnamen. Auch das eine für die damalige Zeit keineswegs selbstverständliche Entscheidung, die ihr den zweifelhaften Ruf einer „Emanze“ einbrachte. Das verdeutlicht, mit welchen gesellschaftlichen Erwartungen Frauen, und Künstlerinnen, damals konfrontiert waren.
Von 1962 bis 1968 arbeitete Maren Heyne an ihrer Fotoserie, für die sie internationale Künstler in ihren Ateliers und ihrem persönlichen Umfeld besuchte. Ihre Schwarz-Weiß-Aufnahmen zeigen unter anderem Peter Brüning, Karl Fred Dahmen, Lynn Chadwick und Fritz Koenig. Zu sehen sind auch Fotografien der Künstlergruppe ZERO um Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker, darunter einige der bekanntesten Aufnahmen aus Pienes Atelier bei der Schaffung seiner Feuergouachen; dafür zündete er flüssiges Fixativ gezielt an, um Brandspuren auf seinen Bildern zu erzeugen.
Heyne fing mit ihren Bildern nicht nur die Personen ein, sondern auch den Entstehungsprozess ihrer Werke und die besondere Atmosphäre ihrer Arbeits- und Lebensräume. Die Aufnahmen sind bewusst gestaltete Porträts und zugleich authentische Zeugnisse einer bewegten Zeit. Sie erzählen von künstlerischem Aufbruch, neuen Ausdrucksformen und dem Selbstverständnis der Avantgarde in den 1960er Jahren.
Während die Männer vor der Kamera mit ihren Werken Kunstgeschichte schrieben, behauptete sich Maren Heyne als Künstlerin hinter der Kamera. Die Führung erkundet, wie ihr Blick als Fotografin geprägt wurde und welchen Platz sie in der Kunst- und Frauenwelt ihrer Zeit einnahm.
Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit dem Frauenmuseum Bonn statt. Das 1981 gegründete Museum gilt als erstes Frauenmuseum weltweit. Im Mittelpunkt seiner Arbeit stehen die Förderung von Künstlerinnen und die Sichtbarmachung ihrer Positionen in Kunstgeschichte und Gegenwart. In Ausstellungen, Forschungsprojekten und Veranstaltungen werden künstlerische, historische und gesellschaftliche Fragestellungen mit feministischer Perspektive verbunden.
40 bislang noch nie gezeigten Fotografien aus dem Nachlass der 2025 verstorbenen Künstlerin Maren Heyne sind noch bis zum 30. November 2026 im Haus der DSD im Rahmen von Führungen zu sehen. Weitere Informationen und Anmeldung: www.denkmalschutz.de/maren-heyne
Die Führung ist kostenlos. Spenden sind willkommen.