28.08.2026

Bronzetafeln für zwei Gräber auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee

Berlin
Grabmal Stöckel
Grabmal von Moritz Stöckel auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee nach der Restaurierung

Instandsetzung der Grabanlagen Stöckel und Blumenthal wurde unterstützt

Bronzetafeln werden auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee künftig das Engagement der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) zum Erhalt von zwei denkmalgeschützten Grabanlagen sichtbar machen. Beatrix Behrends vom DSD-Ortskuratorium Berlin wird die Bronzeplaketten am Mittwoch, den 2. September 2026, um 11.00 Uhr an Dr. Elisabeth Ziemer von Denk mal an Berlin e.V. überreichen. Anschließend werden die Tafeln vor Ort angebracht. Darauf zu lesen ist die Inschrift „Gefördert von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz mit Hilfe der GlücksSpirale“.

Die DSD hatte 2021 die Instandsetzung des Grabmals von Oscar Blumenthal und seiner Frau Marie mit 16.400 Euro unterstützt. Gefördert wurden Steinmetz- und Metallbauarbeiten an der aufwendig gestalteten Familiengrabstätte. Das 1917 errichtete Wandgrab aus rotem Granit ist in klassizistischer Formensprache gestaltet und zählt zu einer Reihe repräsentativer Grabanlagen entlang einer historischen Friedhofsmauer. Oscar Blumenthal (1852–1917) war Philologe, Schriftsteller, ein gefürchteter Theaterkritiker, Feuilletonchef vom Berliner Tageblatt, Mitbegründer und Direktor des Berliner Lessingtheaters und Mitautor des Theaterstücks „Im Weißen Rössl“, das später zur Vorlage des weltbekannten Singspiels wurde. Jahrzehntelange Verwitterung, Kriegsschäden und Vandalismus hatten die Anlage stark beeinträchtigt.

2024 stellte die Stiftung 15.000 Euro für die Restaurierung und den Wiederaufbau der Grabanlage Stöckel bereit. Der 1862 in der Ukraine geborene Baumeister und Bauunternehmer Moritz Stöckel lebte spätestens seit 1883 im Berliner Vorort Friedenau. Er und sein Bruder Siegmund, ebenfalls Baumeister, trugen zur Entwicklung des Berliner Ortsteils Friedenau um 1900 maßgeblich bei. Zahlreiche noch heute vorhandene Wohnhäuser gehen auf die Bautätigkeit der Brüder zurück. Familienangehörige beider wurden Opfer des Holocaust. Die 1910 entstandene Grabanlage Stöckel gehört zu den frühen Grabstätten auf dem 1880 eröffneten Friedhof. Sie reiht sich in Stil und Größe in die Reihe ihrer Nachbaranlagen ein und bildet einen Teil des zeithistorisch und baukünstlerisch wertvollen Ensembles. Das Grabmal besitzt zwei Steinplatten für die Inschriften des Ehepaars Stöckel. Da Gertrud Stöckel in Theresienstadt ermordet wurde, blieb eine Seite leer.

Die Familiengrabstätte war stark zerstört und lag bis vor Kurzem in zahlreiche Fragmente zerbrochen am Boden. Ihre Restaurierung erinnert zugleich an das Schicksal der Familie Stöckel während der Zeit des Nationalsozialismus.

Möglich wurde die Unterstützung bei der Restaurierung und Wiederherstellung der Grabanlagen dank der privaten Spenden an die DSD und der Erträge der Lotterie GlücksSpirale.

Der Jüdische Friedhof Berlin-Weißensee wurde 1880 als Begräbnisplatz der Jüdischen Gemeinde zu Berlin angelegt. Mit rund 42 Hektar Fläche und nahezu 116.000 Grabstellen gilt er als größter erhaltener jüdischer Friedhof Europas. Seit den 1970er Jahren steht die Anlage unter Denkmalschutz. Die monumentale Begräbnisstätte dokumentiert eindrucksvoll die Geschichte des jüdischen Lebens in Berlin und vereint Grabstätten zahlreicher bedeutender Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.

Der Jüdische Friedhof Berlin-Weißensee ist eines der mehr als 250 Denkmale, die die DSD dank privater Spenden, ihrer Treuhandstiftungen und Mitteln der Lotterie GlücksSpirale bisher in Berlin fördern konnte.

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Grabmal von Oscar und Marie Blumenthal auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee vor der Restaurierung
Grabmal von Oscar und Marie Blumenthal auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee nach der Restaurierung
Grabmal von Oscar und Marie Blumenthal auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee
Grabmal von Moritz Stöckel auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee vor der Wiederherstellung

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist die größte private Initiative für Denkmalpflege in Deutschland. Sie setzt sich seit 1985 kreativ, fachlich fundiert und unabhängig für den Erhalt bedrohter Baudenkmale ein. Ihr ganzheitlicher Ansatz ist einzigartig und reicht von der Notfall-Rettung gefährdeter Denkmale, pädagogischen Schul- und Jugendprogrammen bis hin zur bundesweiten Aktion Tag des offenen Denkmals®.

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