05.06.2026

Der Lochenstein bei Balingen – ein vorgeschichtliches Heiligtum?

Baden-Württemberg

Vortragsduo in den Räumen der HIRSCH Begegnungsstätte für Ältere

Das Ortskuratorium Tübingen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) lädt am Dienstag, den 16. Juni 2026 um 19.00 Uhr in die Räume der HIRSCH Begegnungsstätte für Ältere e.V., Hirschgasse 9 in 72070 Tübingen zu dem Vortrag „Der Lochenstein bei Balingen - ein vorgeschichtliches Heiligtum“ ein. Es referieren Professor Dr. Martin Bartelheim von der Universität Tübingen und Dr. Marc Heise vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg. Eine Anmeldung ist erforderlich unter www.denkmalschutz.de/anmeldung. Der Eintritt ist frei. Um Spenden für die Arbeit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz wird herzlich gebeten.

Der Lochenstein ist als prähistorischer Höhenfundplatz am Trauf der Schwäbischen Alb schon seit über 150 Jahren bekannt. Die Besonderheit des Ortes ist seine weithin sichtbare, prominente und doch abgeschiedene Lage auf einem steilen Felsklotz rund 400 Meter über dem Neckartal und seine begrenzte Zugänglichkeit, die bis heute nur über schmale Felspfade möglich ist. Seine Bedeutung wird kontrovers diskutiert. Auf Basis der ersten systematischen Grabungen 1923 interpretierten Gerhard Bersu und Peter Gössler den Platz als Höhensiedlung. Dem schloss sich die allgemeine Forschungsmeinung an, nachdem der Ort zuvor als Opferplatz und naturheiliger Ort angesehen wurde.

Die von Bersu auf dem Lochenstein festgestellte lange Nutzungskontinuität des rund ein Hektar großen Plateaus – zumindest von der Bronzezeit oder sogar Jungsteinzeit bis ins frühe Mittelalter – mit bis zu zwei Meter dicken Fundschichten motivierte Grabungen seitens der Universität Tübingen und des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg, um die chronologische Sequenz von Siedlungsmaterialien für die Region besser zu erfassen. Das dabei geborgene üppige Fundspektrum und die Befundsituation lassen an der bisherigen Interpretation des Platzes als „normale“ Höhensiedlung zweifeln. Zahlreiche Indizien weisen eher darauf hin, dass der Lochenstein zusammen mit weiteren in jüngeren Jahren als naturheilige Plätze bezeichneten Fundstellen zu den bislang kaum bekannten Heiligtümern oder Opferplätzen im südwestdeutschen Mittelgebirgsraum gehört. In diesem Vortrag werden Anhaltspunkte aus der Befundlage der Feldforschungen präsentiert und Argumente für eine Ansprache des Lochenstein als Heiligtum diskutiert.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist die größte private Initiative für Denkmalpflege in Deutschland. Sie setzt sich seit 1985 kreativ, fachlich fundiert und unabhängig für den Erhalt bedrohter Baudenkmale ein. Ihr ganzheitlicher Ansatz ist einzigartig und reicht von der Notfall-Rettung gefährdeter Denkmale, pädagogischen Schul- und Jugendprogrammen bis hin zur bundesweiten Aktion Tag des offenen Denkmals®.

Rund 600 Projekte fördert die Stiftung jährlich, vor allem dank der aktiven Mithilfe und Spenden von über 200.000 Förderern. Insgesamt konnte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bereits über 7.500 Denkmale mit mehr als einer drei viertel Milliarde Euro in ganz Deutschland unterstützen. Doch immer noch sind zahlreiche einzigartige Baudenkmale in Deutschland akut bedroht. mehr erfahren

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