Eine der frühen Stahlbetonkirchen Deutschlands
Für Arbeiten zur Dachflächen- und Betoninstandsetzung sowie zur Restaurierung der Südfenster der Nicolaikirche in Dortmund stellt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) dank zahlreicher Spenden sowie der Mittel der Lotterie GlücksSpirale einen Fördervertrag in Höhe von 150.000 Euro zur Verfügung. Das Avantgarde-Bauwerk besitzt städtebauliche und architektonische Bedeutung als eine der frühen Stahlbetonkirchen Deutschlands. Der moderne Turm der Kirche erhebt sich weithin sichtbar als städtebauliche Dominante und Wahrzeichen "Kreuz des Südens" des Kreuzviertels an der Lindemannstraße.
Zum Objekt
1925 begann der Kirchenbauverein Geld für den Neubau der evangelischen Nicolaikirche zu sammeln. 1927 lobte man einen Wettbewerb aus, den das Architekturbüro Karl Pinno und Peter Grund gewann. 1930 konnte der moderne Kirchenbau eingeweiht werden. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche schwer beschädigt und die ursprüngliche Ausstattung inclusive der von der Glaskünstlerin Elisabeth Coester gestalteten Fensterverglasungen zerstört. 1963 entwarf Gottfried Stockhausen eine künstlerische Neuverglasung. 1986 versetzte man die Taufe aus der Kapelle im Süden in den Altarraum.
Der in der Formensprache der Neuen Sachlichkeit gestaltete, flachgedeckte Saalbau erhebt sich auf trapezförmigem Grundriss, der sich zum Chor hin zuspitzt, mit eingezogenem Chor und überhohem Nord-Westturm auf quadratischem Grundriss. Die Gestaltung mit schalungsrauen Sichtbetonfassaden und die Konstruktion aus Stahlbetonbindern machen die Kirche zu einem der ersten konsequenten Stahlbetonbauten Deutschlands. Die Westfassade, vor die ein rechteckiger Eingangsbereich gesetzt ist, schwingt mit der südlich vortretenden halbrunden Apsis der einstigen Taufkapelle aus. Über der unteren geschlossenen Mauerzone belichtet ein umlaufendes gerastertes Band aus quadratischen Fenstern den Bau. Binder teilen das Langhaus in sechs Abschnitte, von denen das westliche geschlossen ist. Die übrigen zeigen über dem Sockel raumhohe, gerasterte Fenster. Vergitterte Fenster prägen drei Seiten des Chores. Den hohen Turm gliedern in den Geschossen je vier schmale Schlitzfenster. Den Turmabschluss bilden je drei überhohe, senkrechte schmale Schallöffnungen. Ein Flachdach mit hohem Kreuz, das nachts durch blaue Leuchtstoffröhren illuminiert wird, bekrönt den Turm.
Im Innenraum setzte sich das Spannungsfeld von Rahmenbindern in Stahlbeton, Stahl und farbigem Glas fort. Der stützenlose Einraum mit erhöhtem Altarbereich entspricht dem Konzept der sogenannten jüngeren liturgischen Bewegung in der evangelischen Kirche der 1920er Jahre. Eine Flachdecke aus Betonbindern deckt den Bau, der durch seine farbigen Glasfenster in mystisches Licht getaucht wird.
Die Dortmunder Nicolaikirche gehört zu den über 900 Denkmalen, die die DSD aus privaten Spenden, ihrer Treuhandstiftungen sowie der Mittel von WestLotto aus der Lotterie GlücksSpirale allein in Nordrhein-Westfalen fördern konnte.