Selten erhaltenes Beispieleines Krankengebäudes für „Tobsüchtige“
Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) stellt dank zahlreicher Spenden sowie der Mittel der Lotterie GlücksSpirale einen Fördervertrag in Höhe von 21.000 Euro für die Konservierung von Bestandsputzen und Farbfassungen im sogenannten Tobhaus des Martin Gropius Krankenhaus in Eberswalde zur Verfügung. Das Tobhaus diente der Unterbringung von "Tobsüchtigen" und ist ein über die Landesgrenzen hinaus inzwischen nur noch selten anzutreffendes Beispiel eines mit dieser speziellen Ausrichtung errichteten Krankengebäudes.
Die seit 1993 als Baudenkmal geschützte Krankenhausanlage befindet sich auf leicht ansteigendem Gelände. Das als streng spiegelsymmetrisch angelegtes, im Erscheinungsbild jedoch durch wechselnde Bauhöhen und -fluchten geschickt aufgelockertes Architekturensemble aus überwiegend gelben Ziegelbauten ist mit seiner langgestreckten Hauptansicht nach Südosten ausgerichtet. Das zentrale Hauptportal liegt an der Südostseite, dahinter schließen sich bis zur rückwärtigen Grundstücksgrenze die wichtigsten Verwaltungs- und Versorgungsgebäude an.
Die Anstalt war in einen Männer- und einen Frauenbereich unterteilt. In beiden Bereichen befinden sich exakt übereinstimmende Baulichkeiten. Jeweils drei mehrgeschossige Abteilungshäuser, die um einen großen Innenhof angeordnet sind, bilden das Herzstück der Anlage. Hier lebten die Kranken, räumlich strikt getrennt nach Geschlecht, sozialem Stand, Symptomatik und Heilungsaussicht.
Zum Objekt
Bei dem 1865 zusammen mit der Gesamtanlage fertiggestellten Isolierhaus für Männer handelt es sich um ein Gebäude in architektonisch bescheidenen Formen. Es wurde auf winkelförmigem Grundriss und – abweichend vom sonstigen Bestand des ehemaligen Anstaltskomplexes – vollständig aus rotem Ziegelmauerwerk errichtet. Viele der erhaltenen Fenster und zugehörigen Vergitterungen sind noch der Bauzeit zuzurechnen. Der Gebäudeeingang befindet sich an der nördlichen Flügelseite; er wird rechts von einem und links von drei größeren Fenstern flankiert. Den Abschluss des Gebäudes bildet ein asymmetrisches Satteldach.
Im Inneren des Gebäudes sind große Teile des ursprünglichen Grundrisses sowie zahlreiche Bau- und Ausstattungsdetails der Zeit um 1865 überkommen. Prägendes Merkmal ist die zweiflügelige Untergliederung für die „Scheidung der Kranken aus den gebildeten von denen der niederen und ungebildeten Stände". Beide Flügel werden durch einen relativ breiten, an einer Seite mit hochsitzenden Fenstern versehenen Korridor erschlossen, der den Patienten tagsüber Bewegungsfreiheit bot. Zur anderen Seite hin grenzen an jeden Korridor mehrere Isolierzellen an. Die Zellenfenster sind jeweils zur Außenseite des Anstaltsgeländes gerichtet, um die Lärmbelästigung für andere Abteilungshäuser gering zu halten. Die Ausstattung aller Zellen umfasste ursprünglich fest am Boden fixiertes, sparsamstes Mobiliar sowie einen Sitz zur Verrichtung der Notdurft.
Das Tobhaus gehört zu den über 770 Denkmalen, die die DSD aus privaten Spenden, den Erträgen ihrer Treuhandstiftungen sowie den Mitteln der Lotterie GlücksSpirale allein in Brandenburg fördern konnte.