Unterstützung für Instandsetzungsmaßnahmen am historischen Anbau
Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) fördert die statische Sicherung und Instandsetzung des Fachwerk-Balghauses der Kirche St. Nicolai in Sangerhausen-Morungen im Landkreis Mansfeld-Südharz. Für den ersten Bauabschnitt stellt die Stiftung 15.000 Euro zur Verfügung. Mit den Mitteln werden Putz- und Maurerarbeiten sowie Zimmerer- und Holzbauarbeiten unterstützt. Die Förderung erfolgt aus dem Stiftungsfonds Dorfkirchen.
Die Kirche St. Nicolai geht der Überlieferung nach auf das Jahr 1322 zurück und ist vermutlich als Chorturmkirche errichtet worden. Im 18. Jahrhundert erhielt sie durch einen umfassenden Umbau ihre bis heute prägende barocke Gestalt. Vom mittelalterlichen Ursprung dürfte das massive Erdgeschoss des Turmes mit dem ehemaligen Altarraum erhalten geblieben sein.
Wahrscheinlich während der barocken Umbauphase wurde auf den massiven Turmunterbau ein Fachwerkgeschoss gesetzt, von dem heute die Nordseite verschiefert und die übrigen Wandflächen verputzt sind. Das Fachwerkgeschoss wird von einem verschieferten oktogonalen Aufsatz und einer geschwungenen barocken Haube bekrönt. Vergoldete Turmkugel und Kreuz bilden den oberen Abschluss des markanten Kirchturms.
Westlich schließt sich das Kirchenschiff mit seinem bibergedeckten Satteldach an. Von besonderer Bedeutung ist der eingezogene Fachwerkanbau an der Westseite der Kirche. Er beherbergt die originale Balganlage der Orgel und dokumentiert damit ein heute selten gewordenes technisches Zeugnis des historischen Orgelbaus. Genau dieser Anbau, das sogenannte Balghaus, weist erhebliche statisch-konstruktive Schäden auf. Insbesondere die unmittelbar im Erdreich liegenden Fachwerkschwellen sowie Teile der Ständer und Streben sind durch Feuchtigkeit und Fäulnis geschädigt worden.
Auch der Kircheninnenraum besitzt bemerkenswerte Ausstattungsstücke. Prägend sind die dreiseitige hölzerne Empore und der überdimensionierte barocke Kanzelaltar. Dieser stammt ursprünglich aus der Kirche Gehofen und wurde 1869 als Erbstück der Familie von Eller-Eberstein nach Morungen überführt. Auf der Westempore befindet sich zudem eine 1850 vom Orgelbauer Julius Strobel errichtete Orgel mit klassizistischem Prospekt. Ergänzt wird die Ausstattung durch einen geschnitzten Taufständer sowie figürliche Bleiverglasungen.
Die St.-Nicolai-Kirche bildet gemeinsam mit dem benachbarten Dorfgemeinschaftshaus das soziale und kulturelle Zentrum Morungens. Gottesdienste, Konzerte und Veranstaltungen des Heimatfördervereins machen sie zu einem wichtigen Treffpunkt für Einwohner und Besucher. Das tägliche Abendläuten gehört akustisch fest zum Alltag und Leben des Ortes.
Seit mehr als 30 Jahren hilft der DSD-Stiftungsfonds Dorfkirchen Kirchen in den östlichen Bundesländern. Kurz nach der Wende errichtet, engagiert er sich für die Bauten, die es zu DDR-Zeiten recht schwer hatten und akut gefährdet waren. Immer noch fördert die Stiftung jedes Jahr Dorfkirchen, die durch statische Probleme, eindringende Feuchtigkeit oder Schädlingsbefall gefährdet sind.
Die Kirche St. Nicolai in Morungen ist eines der mehr als 680 Denkmale, die die DSD dank privater Spenden, ihrer Treuhandstiftungen sowie der Mittel der Lotterie GlücksSpirale bisher in Sachsen-Anhalt fördern konnte.