Das älteste Bürgerhaus Gifhorns wurde 1546 für den Hofmarschall des Herzogs erbaut
Bei einem Pressetermin vor Ort am Freitag, den 5. Juni 2026 um 15.00 Uhr überbringt Walter Dröge, Ortskurator Braunschweig der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), einen symbolischen Fördervertrag in Höhe von 60.000 Euro für Instandsetzungsarbeiten an der Fassade inklusive Fenster, Dach und Gartenmauer des Kavalierhauses am Steinweg 3 in Gifhorn an Dr. Bernhard Schürmann von der Bürgerstiftung Kavalierhaus. Die Förderung wurde möglich dank zahlreicher Spenden sowie der Erträge der Lotterie GlücksSpirale.
Gifhorn wurde bereits 1213 urkundlich erwähnt und bestand aus einer herzoglich-braunschweigischen Vogtei und einer Burg. Verkehrsgünstig an der Kreuzung der Salzstraße Lüneburg-Braunschweig und der Verbindung Magdeburg-Celle entwickelte sich die Ansiedlung als Straßendorf zwischen den Flüssen Ise und Aller. 1539 bis 1549 residierte hier der Herzog Franz von Braunschweig-Lüneburg.
1519 wurde die Stadt während der Hildesheimer Stiftsfehde fast völlig vernichtet. Daher ist das 1546 für den Hofmarschall des Herzogs erbaute Kavalierhaus wohl das älteste Bürgerhaus Gifhorns. Die steinerne, verputzte Giebelfassade mit Segmentbogenfenstern, Welschen Giebeln und Utlucht orientiert sich zum Steinweg, der Hauptstraße Gifhorns, hin. Ihre Gliederung weist deutliche stilistische Ähnlichkeiten mit dem Gifhorner Schloss auf. Der ausführende Architekt war vermutlich der Bau- und Festungsmeister Michael Clare, der auch mit der Leitung der Bauarbeiten am Gifhorner Schloss betraut war.
Die Gebäuderückseite ist als mächtiges Fachwerk in Ständerbauweise mit knaggenunterstützten Vorkragungen errichtet. An den Knaggen finden sich zwar aufwendige geometrische Schnitzereien, jedoch keine offensichtlichen Bemalungen. Eindrucksvoll sind im Weiteren auch der Gewölbekeller und der hohe, in wesentlichen Teilen noch originale Dachboden, der durch ein noch intaktes Lastenaufzugsrad aus dem 17. Jahrhundert als Speicher nutzbar war.
Neben dem Schloss gilt das Kavalierhaus als das älteste Gebäude der Stadt. Im Stile der Weserrenaissance gehaltene Fachwerkgebäude mit massiver Giebelfassade beherbergt Ausstellungsräume in Erdgeschoss und ein Museum bürgerlicher Wohnkultur der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nach dem Tod der Eigentümerin 1992 wurden die Räumlichkeiten auf ihren Wunsch hin museal genutzt. Da keinerlei Veränderungen vorgenommen worden sind, hat man den Eindruck, noch bewohnte Räume zu besichtigen. 2007 übernahm die Bürgerstiftung Kavalierhaus das Gebäude und betreibt die Ausstellungsräume.
Das Bürgerhaus gehört seit 2009 zu den über 580 Projekten, die die private DSD dank Spenden und Mittel der GlücksSpirale, der Soziallotterie von Lotto, allein in Niedersachsen gefördert hat.