08.03.2022

Geplantes Denkmalschutzgesetz schützt die NRW-Denkmale nicht mehr

Aktionen & Stellungnahmen Nordrhein-Westfalen
Schon im Dezember übergab der Vorstand der Deutschen Stiftung Denkmalschutz das Ergebnis der von ihr gestarteten Online-Petition vor dem Landtag in Düsseldorf : ein auch bildlich starkes bürgerschaftliche Votum * Foto: R. Rossner/Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Stellungnahme des DSD-Vorstands eingereicht

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) hat dem Ausschuss für Heimat, Kommunales, Bauen und Wohnen die als Expertin erbetene Stellungnahme zu dem vom Bauministerium geplanten Denkmalschutzgesetz in Nordrhein-Westfalen eingereicht. Das Fazit: Auch der vorgelegte dritte Entwurf für ein neues Denkmalschutzgesetz NRW erfüllt die selbst gesetzten Ziele nicht. Durch ihn werden die Denkmale in Nordrhein-Westfalen nicht besser geschützt. „Der Entwurf hat nicht den Reifestatus einer Vorlage im Plenum“, so DSD-Vorstand Dr. Steffen Skudelny. „Es ist ihm anzumerken, dass die fundierte Debatte und Sorgfalt fehlt, die das fraktionsübergreifend erarbeitete Vorgängergesetz auszeichnet.“

Die ureigentliche Aufgabe eines Denkmalschutzgesetzes, der Schutz der Denkmale, braucht in Nordrhein-Westfalen noch größere Sorgfalt. Denn Krieg und unmittelbare Nachkriegszeit haben den Denkmalbestand auf gerade einmal 1,5 Prozent der bestehenden Bausubstanz dezimiert. Diese dürfen nicht weiter einfach bloß verwertet werden. Das aber scheint das Anliegen des neuen Gesetzentwurfs. Der Denkmalschutz wird hier dem Zeitgeist und wirtschaftlichen Aspekten ausgeliefert.

Konkret werden im Gesetzesentwurf die Verfahren nicht vereinfacht, sondern unübersichtlicher. Bürokratie wird auf- statt abgebaut. Die beabsichtigte ungleiche Behandlung von Denkmaleigentümern ist unzeitgemäß und schadet dem Ansehen und der Akzeptanz des Denkmalschutzgedankens in der Bevölkerung. Das Gesetz entspricht weder nationalen noch internationalen Standards einer modernen Denkmalpflege und enthält eine Reihe von handwerklichen Fehlern. Gemeinsam mit vielen anderen Kennern der denkmalpflegerischen Praxis bezweifelt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die Praktikabilität der künftigen Gesetzesregelungen.

Dabei ist originale Substanz nicht ersetzbar, jeder Verlust ist endgültig und bedeutet ein Versagen unserer Zeit gegenüber der Zukunft. Angesichts der Leistungen früherer Generationen, die das ihnen anvertraute Erbe sorgsam bewahrt haben, sollte der knappe Bestand von Denkmalen heute jedem Bürger in Nordrhein-Westfalen alle Unterstützung wert sein.

Die DSD bittet daher die Ausschussmitglieder eindringlich darum: „Geben Sie unserem kulturellen Erbe die Zeit und Aufmerksamkeit, die es als Verfassungsauftrag in NRW verdient. Ermöglichen Sie einen fraktionsübergreifenden Konsens über ein fachlich fundiertes zukunftsfähiges Gesetz zur Erhaltung unseres kulturellen Erbes. Lehnen Sie diesen Entwurf ab!“

Dass die bereits seit dem vergangenen Jahr vorliegenden Stellungnahmen der gesamten engagierten Fachwelt und Wissenschaft in NRW auch im dritten Versuch der zuständigen Ministerin weiter überhört wurden, ist mehr als bedauerlich. Nicht zuletzt die mangelnde Praxiskenntnis der Ministerin, die der Entwurf deutlich macht, ist darüber hinaus erschreckend. Dazu passt, dass Ina Scharrenbach Gesprächsangebote zur Abstimmung eines sorgfältig vorbereiteten Entwurfs jüngst wieder ablehnte.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist die größte private Initiative für Denkmalpflege in Deutschland. Sie setzt sich seit 1985 kreativ, fachlich fundiert und unabhängig für den Erhalt bedrohter Baudenkmale ein. Ihr ganzheitlicher Ansatz ist einzigartig und reicht von der Notfall-Rettung gefährdeter Denkmale, pädagogischen Schul- und Jugendprogrammen bis hin zur bundesweiten Aktion Tag des offenen Denkmals®.

Rund 600 Projekte fördert die Stiftung jährlich, vor allem dank der aktiven Mithilfe und Spenden von über 200.000 Förderern. Insgesamt konnte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bereits über 7.500 Denkmale mit mehr als einer drei viertel Milliarde Euro in ganz Deutschland unterstützen. Doch immer noch sind zahlreiche einzigartige Baudenkmale in Deutschland akut bedroht. mehr erfahren

Downloads

Pressemitteilung und Bilder zur freien Verwendung bei Namensnennung: Alle Medien herunterladen (ZIP)

Ansprechpartner

Dr. Ursula Schirmer

Leitung Stabsstelle Presse

Pressesprecherin

Tel. 0228 9091-402

ursula.schirmer@denkmalschutz.de

Thomas Mertz

Leitung

Pressestelle

Tel. 0228 9091-404

thomas.mertz@denkmalschutz.de

Fabian Christmann

Referent

Pressestelle

Tel. 0228 9091-407

fabian.christmann@denkmalschutz.de

Lydia Schauff

Referentin

Pressestelle

Tel. 0228 9091-408

lydia.schauff@denkmalschutz.de

Freianzeigen

WERT-voll: was uns ohne Denkmale fehlen würde

WAHR-Zeichen: Denkmale sind authentische Geschichts-Zeugnisse

Kultur-Spur: Ein Fall für den Denkmalschutz

Trendsetter Denkmal: moderner als gedacht!

Denkmalschutz ist gelebter Klimaschutz!

Weitere Pressemitteilungen