Die Hofanlage ist ein ideales Projekt für das Denkmalrettercamp der Jugendbauhütten
Im Denkmalrettercamp der Jugendbauhütten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) leisten junge Freiwillige einen Beitrag dazu, Kramers Gut eine Zukunft zu geben. Das historische Ensemble, eine weitgehend geschlossene Hofanlage aus dem 17. Jahrhundert und eine der letzten erhaltenen innerstädtischen Hofanlagen der Region, ist ein außergewöhnliches Denkmal mitten in Helmstedt. Kramers Gut steht exemplarisch für einen Ansatz, der Denkmalschutz und Stadtentwicklung verbindet: Historische Substanz bleibt erhalten und schafft zugleich die Grundlage für Neues. Dieses Zusammenspiel macht den Ort zu einem idealen Standort für das Denkmalrettercamp.
Bereits seit 2025 hat die Mobile Einsatzstelle Ostfalen, ein Projekt der Jugendbauhütte Niedersachsen und geografisch zwischen Wolfsburg, Helmstedt, Braunschweig und Wolfenbüttel angesiedelt, auf dem Gut ihren Sitz. In ihrer Werkstatt arbeiten die Freiwilligen vor Ort und beteiligen sich direkt an der Sicherung und Instandsetzung der Gebäude. Das Denkmalrettercamp in den ersten beiden Juniwochen ist die Fortsetzung dieser Schritte im Kleinen nun im Großen.
Die Freiwilligen der mobilen Einsatzstelle und das Denkmalrettercamp leisten mit den praktischen Arbeiten ihren Beitrag zur Instandsetzung von Kramers Gut und tragen mit der geplanten Nutzung entscheidend zum langfristigen Erhalt des Denkmals bei: Das sanierte Wohnhaus des Guts soll zukünftig als Seminarzentrum der Jugendbauhütte Niedersachsen dienen, auch Wohnmöglichkeiten für Freiwillige sind geplant. Die Stadt Helmstedt hatte die Gutsanlage 2024 mit dem Ziel erworben, das Areal gemeinsam mit der Stadtgemeinschaft zu revitalisieren und zu einem lebendigen öffentlichen Raum zu entwickeln. Soziale, öffentliche und private Nutzung, Gastronomie, Gewerbe und Wohnen sollen künftig vor Ort verbunden werden und ein urbanes Quartier im historischen Bestand entstehen lassen. Unterstützt wird die Entwicklung durch umfangreiche Investitionen: Über das Programm „Nationale Projekte des Städtebaus“ stehen Fördermittel in Höhe von vier Millionen Euro bereit, mit denen in einem ersten Schritt zentrale Gebäude des Ensembles saniert werden sollen. Die Sanierung von Hofscheune und Wohnhaus soll nach aktuellem Stand bis Ende 2028 abgeschlossen werden.
Auf rund 8.000 Quadratmetern umfasst Kramers Gut neun Gebäude, darunter zwei Renaissancespeicher, und Bausubstanz, die bis auf das Jahr 1605 zurückgeht. In dieser Dichte und Geschlossenheit gehört Kramers Gut zu den seltenen erhaltenen innerstädtischen Gutsanlagen in Niedersachsen. Über Jahrhunderte hinweg wurde das Gut landwirtschaftlich genutzt und war lange in Familienbesitz. Erst seit den 1970er Jahren nahm die Nutzung spürbar ab. Damit rückte auch die Frage nach der Zukunft der Anlage stärker in den Fokus. Eine Potenzialanalyse aus dem Jahr 2023 machte die besondere Bedeutung des Ensembles deutlich.
Das Denkmalrettercamp findet vom 1. bis 12. Juni 2026 auf Kramers Gut in Helmstedt statt. Es ist aus den Fluthilfecamps der Jugendbauhütten – ein Projekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Trägerschaft der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste – nach der Ahrtal-Katastrophe 2021 hervorgegangen. Die Idee der gemeinsamen bundesweiten Hilfe wurde weiterentwickelt zu einem mobilen, bundesweiten Einsatzformat: Junge Freiwillige aus ganz Deutschland arbeiten zeitlich begrenzt an ausgewählten Denkmalen, um diese mit praktischer handwerklicher Arbeit vor Ort instand zu setzen und zu deren Erhalt beizutragen.
Bundesweit unterhält die DSD 16 Jugendbauhütten mit jährlich rund 350 Plätzen. Jugendliche zwischen 16 und 26 Jahren erlernen traditionelle Handwerkstechniken, wenden sie am Original an und erfahren das Besondere, Echte und Authentische mit eigenen Händen. Mit den Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten (ijgd) hat die DSD einen erfahrenen Partner an ihrer Seite, der die Umsetzung im Rahmen der staatlich anerkannten Freiwilligendienste sicherstellt. Rund 80 Prozent der Teilnehmenden bleiben nach ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr im Handwerk, in der Denkmalpflege oder in der Restaurierung und beginnen häufig eine Ausbildung oder ein Studium in diesem Bereich. Einsatzstellen leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt des kulturellen Erbes.
Vorbild für die Jugendbauhütten sind die mittelalterlichen Bauhütten, in denen gemeinsam gelebt und gearbeitet wurde. Hier lernte der Lehrling vom Meister am Original.
Für Fragen und Besuchswünsche können sich Medienvertreter wenden an: Laura Haverkamp, jugendbauhuetten@denkmalschutz.de, Tel. 0228/909 11 61.
Weitere Informationen unter: www.jugendbauhuetten.de