DSD gibt drei Millionen aus privaten Spenden für den für die öffentliche Förderung notwendigen Eigenmittelbeitrag
Einen Fördermittelbescheid nach dem Investitionsgesetz Kohleregion NRW über 26,8 Millionen Euro erhält am 2. September 2026 um 16.30 Uhr Graf Severin von Hoensbroech aus den Händen von Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen. Den für diesen Förderhöchstbetrag notwendigen Eigenmittelbeitrag in Höhe von drei Millionen Euro stellt die private Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) aus Spenden bereit. Einen entsprechenden symbolischen Fördervertrag überreicht Annette Liebeskind, Leiterin der Abteilung Denkmalförderung der DSD.
Die Zuwendung geht an die Kultur- und Naturstiftung Schloss Türnich, deren Vorstand Graf von Hoensbroech ist und dient dem Projekt der Zukunftsentwicklung Schloss Türnich (ZEST) in Kerpen. Als Investitionshilfe für Kultur und die Erhaltung des kulturellen Erbes bezieht sie sich insbesondere auf die vollständige Sanierung und Ausstattung des Herrenhauses, der Schlosskapelle, die Sicherung der Hauptzufahrtsbrücke, die Neugestaltung des Schlossvorplatzes sowie die Instandsetzung der Wege und Ausstattung des Schlossparks. Damit sind wesentliche Instandsetzungsarbeiten an diesem Schlossensemble von nationaler Bedeutung bis Ende 2029 sichergestellt.
Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat seit 2002 fördernd und beratend, teilweise als Treuhänderin einer Stiftung für die Kapelle zwei Generationen von Eigentümern des Schlosses als verlässlicher Partner zur Seite gestanden. Das jahrelange Engagement der Stiftung, das durch private Spenden und Zuwendungen ermöglicht wird, beweist, wie sehr sich Bürger für ihr kulturelles Erbe engagieren. Auch in NRW ist gemeinsam mit den Bürgern in der Denkmalpflege viel möglich, ist Annette Liebeskind überzeugt.
Das zweigeschossige barocke Wasserschloss mit vorgelagerten Wirtschaftshof auf hufeisenförmigem Grundriss entstand 1757 bis 1766. Mit einem Französischen und einem Englischen Garten sowie der im 19. Jahrhundert nach Plänen des Kölner Regierungsbaumeisters Heinrich Krings entstandenen Kapelle ist die Anlage mit ihrer weitgehenden Originalsubstanz ein typisches Beispiel eines barocken rheinischen Adelssitzes und ein Denkmalensemble von nationalem Rang.
Mittel- und langfristig soll Schloss Türnich zu einem überregionalen Erfahrungsort des kulturellen, sozialen und gesellschaftlichen Austauschs werden. Ausgangspunkt ist dabei laut dem Masterplan des Zukunftsensembles Schloss Türnich die Entwicklung der Landwirtschaft nach den Prinzipien der Permakultur, der sich bereits jetzt die Demeter-zertifizierte Landwirtschaft in Schloss Türnich widmet.
Das Herrenhaus ist ein verputzter Backsteinbau auf einem hohen Sockel aus rotem Sandstein. Die Fassade wird durch Sandsteinlisenen gegliedert, die hohen Stichbogenfenster sind symmetrisch übereinander angeordnet. An der Eingangsfront befindet sich das Vestibül und an der Rückfront der Gartensaal. Beide liegen in einem dreigeschossigen Mittelrisalit mit niedrigem Dachgeschoß und Mansarddach, Mansarddächer decken auch den Hauptbau. Das Schloss mit seinen prächtigen Salons und Kabinetten entstand vermutlich nach Entwürfen des französischen Baumeisters Michael Leveilly. Ein Kurfürstenzimmer, eine Bibliothek und ein Speisesaal ergänzen die Ausstattung. 1850 ließ Graf Karl Eugen von Hoensbroech als neuer Besitzer das Schloss aufwändig mit geschnitzten Boiserien und Stuckaturen im Stil des sogenannten Zweiten Rokokos dekorieren.
Um 1890 wurde an der Nord-Ostecke des Hauses eine einschiffige Kapelle angebaut. Die der heiligen Elisabeth von Thüringen geweihte Kapelle zeigt einen prachtvoll mit Marmor und Mosaiken verkleideten Innenraum: zur Ausstattung gehören Porphyr- und Onyxsäulen, Alabaster-Engel und Bleikristallkugeln sowie Wandgemälde im Spätnazarenerstil.
Der symmetrische Wirtschaftshof besteht aus zwei mit Satteldächern gedeckten eingeschossigen Trakten und dem zweigeschossigen, mit einem Mansarddach abschließenden Renteigebäude. Das mächtige zweigeschossige Torhaus entstand 1896 ebenfalls nach Plänen von Krings.