Einblick in Wiederaufbau einstiger Synagoge im Ahrtal – Engagement der Freiwilligen wird gewürdigt
Anlässlich des fünften Jahrestages der Flutkatastrophe im Ahrtal besucht der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder am Dienstag, 14. Juli, das Haus der ehemaligen Synagoge in Dernau und spricht mit Freiwilligen des Mobilen Teams Fluthilfe der Jugendbauhütte Rheinland-Pfalz der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD).
Die jungen Freiwilligen, die derzeit ihr Freiwilliges Soziales Jahr in der Denkmalpflege bei der Jugendbauhütte absolvieren, demonstrieren dem Ministerpräsidenten die bisherigen Fortschritte beim Wiederaufbau des historischen Gebäudes in der Dernauer Hauptstraße 19 und erläutern die handwerklichen Arbeiten, die sie derzeit gemeinsam mit Fachanleitern vor Ort ausführen.
„Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz leistet wichtige Arbeit für unser kulturelles Erbe. Sie sorgt nicht nur dafür, dass wertvolle Denkmäler erhalten bleiben, sie begeistert auch junge Menschen für traditionelle Handwerksberufe. Das hat die Stiftung im Ahrtal mit ihren Fluthilfecamps und dem Mobilen Team Fluthilfe eindrucksvoll gezeigt“, sagt Ministerpräsident Gordon Schnieder.
Seit 2022 engagieren sich die Jugendbauhütten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz im Ahrtal. Aus den ersten Hilfseinsätzen unmittelbar nach der Flutkatastrophe entstand zunächst das Mobile Team Fluthilfe. Es unterstützt betroffene Denkmaleigentümer bis heute bei der denkmalgerechten Instandsetzung ihrer Gebäude.
Auf größerer Ebene fortgeführt wurde die Idee der mobilen Fluthilfe mit den Fluthilfecamps: Zwischen 2023 und 2025 sind Hunderte aktive und ehemalige Teilnehmer der bundesweit aktiven Jugendbauhütten für je zwei Wochen ins Ahrtal gekommen, um vor Ort zu helfen. Das führte schließlich zur Gründung der Jugendbauhütte Rheinland-Pfalz im September 2025, mit der nicht nur die Hilfe im Ahrtal verstärkt wird, sondern das freiwillige Engagement auch Denkmalen in weiteren Teilen des Bundeslandes zugutekommen soll.
„Wenn ich in den zurückliegenden Jahren eins gelernt habe, dann ist es die Tatsache, dass man Unmögliches schaffen kann, wenn Freiwillige, Organisatoren, Anleiter, Architekten und Denkmaleigentümer daran glauben und gemeinsam an einem Strang ziehen“, sagt Laura Haverkamp, Projektkoordinatorin der Jugendbauhütten in der DSD, die auch die Fluthilfecamps koordiniert hat.
Die ehemalige Synagoge in Dernau zählt zu den bedeutenden Zeugnissen jüdischer Geschichte im Ahrtal. Der zweigeschossige Fachwerkbau wurde Ende des 18. Jahrhunderts errichtet und diente über Jahrzehnte als Bet- und Schulhaus der jüdischen Gemeinde. Die Flutkatastrophe im Juli 2021 beschädigte das Gebäude schwer. Gleichzeitig wurden bislang verborgene Details sichtbar. Bemerkenswert ist die historische Kölner Decke des ehemaligen Betsaals, die trotz des bis knapp unter die Decke reichenden Hochwassers erhalten geblieben ist.
Der Wiederaufbau der ehemaligen Synagoge gehört zu den anspruchsvollsten Projekten des Mobilen Teams Fluthilfe. In den vergangenen Jahren wurden unter anderem beschädigte Fachwerkkonstruktionen repariert, Gefache erneuert und dabei traditionelle Baustoffe und Handwerkstechniken eingesetzt. Die Freiwilligen arbeiten etwa mit historisch üblichen Materialien wie Lehm und Stroh. Mit ihrem Einsatz leisten die Jugendlichen und jungen Erwachsenen einen Beitrag zum Erhalt wertvoller Bausubstanz.
Mit dem Besuch des Ministerpräsidenten wird das Engagement der jungen Menschen und der Jugendbauhütte, die sich für den Erhalt des kulturellen Erbes in Rheinland-Pfalz einsetzen, gewürdigt. Die rheinland-pfälzische Landesregierung unterstützt die dauerhafte Einrichtung der Jugendbauhütte Rheinland-Pfalz mit 650.000 Euro und ebnet damit den Weg für weiteres Engagement zum Denkmalerhalt.
Gordon Schnieder: „Ich bin überzeugt, dass die neue Jugendbauhütte Rheinland-Pfalz die Arbeit erfolgreich fortsetzen wird. Auch mit dem geplanten Schwerpunkt im UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal wird die Jugendbauhütte ein großer Gewinn für die Denkmalpflege in Rheinland-Pfalz sein. Deshalb unterstützt die Landesregierung die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bei der dauerhaften Einrichtung der Jugendbauhütte mit 650.000 Euro.
Die Jugendbauhütte ist ein Projekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Trägerschaft der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd). Bundesweit haben seit der Gründung der ersten Jugendbauhütte 1999 bereits mehr als 6.500 junge Menschen ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Denkmalpflege absolviert.
Aktuell unterhält die Deutsche Stiftung Denkmalschutz in Deutschland 16 Jugendbauhütten mit jährlich rund 350 Plätzen. Jugendliche zwischen 16 und 26 Jahren erlernen dort traditionelle Handwerkstechniken und wenden sie am Original an.
Rund 80 Prozent der Teilnehmenden bleiben nach ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr im Handwerk, in der Denkmalpflege oder in der Restaurierung und beginnen häufig eine Ausbildung oder ein Studium in diesem Bereich. Damit leisten die Jugendbauhütten über die Einsatzstellen und die punktuelle Hilfe vor Ort einen dauerhaften Beitrag zum Erhalt des kulturellen Erbes. Vorbild für die Jugendbauhütten sind die mittelalterlichen Bauhütten, in denen gemeinsam gelebt und gearbeitet wurde. Hier lernte der Lehrling vom Meister am Original.