22.03.2021

Nürnberger Lorenzkirche muss erhalten bleiben

Aktionen & Stellungnahmen Bayern

Einzigartige Raumwirkung lockt Touristenscharen

Vorstand und Wissenschaftliche Kommission der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) begrüßen die Entscheidung des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Nürnberg, die vorgelegten Bauplanungen für einen mit 6 Millionen Euro veranschlagten Einbau in die denkmalgeschützte St. Lorenzkirche in Nürnberg zu überdenken. Die Pläne wurden nach ihrer öffentlichen Vorstellung kurz vor Jahresende von Nürnberger Bürgern, Kunsthistorikern, Denkmalpflegern und Architekten heftig kritisiert. Nun heißt es, dass die Pläne überprüft werden sollen.

Geplant war, das Westportal als alltäglichen Besuchereingang zu öffnen und einen monumentalen Einbau im Inneren für Funktions-, Aufenthalts- und Lagerräume zu errichten. Der raumhohe dreigeschossige Einbau aus Beton, Stahl, Aluminium und Glas unter der Orgelempore und in den westlichen drei Seitenschiffsjochen hätte den Raum irreversibel zerstört. Der massive, aus harten Materialien errichtete Neubau hätte Raumklima und Akustik verändert, den Innenraum spürbar verkürzt und die gesamte historische Ausstattung bedrängt. Außerdem hätten die Rückwände der vorgesehenen neuen Räume einige der über 400 Jahre alten Fenster verdeckt. Erscheinungsbild und Raumeindruck eines der herausragenden gotischen Kirchenräume in Deutschland, eines Denkmals von nationaler Bedeutung, wären verloren.

Die Stiftung verweist auf die traditionell vorbildliche denkmalpflegerische Arbeit der Evangelischen Landeskirchen mit ihren Kirchenbauämtern. Die unzweifelhaft notwendige vorgesehene Aktualisierung der technischen und elektrischen Anlagen und die Beseitigung der im Laufe der vergangenen Jahrzehnte hinzugekommenen, im Kirchenraum verteilten Einbauten, Behelfsverschläge und Gebrauchsmöbel soll die Wirkung des durch seine kostbare Ausstattung einzigartigen gotischen Predigtraums noch mehr zur Wirkung kommen lassen. Schon jetzt besuchen durchschnittlich 750.000 Gäste im Jahr die Lorenzkirche, ein Zeichen dafür, dass der Kirchenraum bereits eine immense touristischen Bedeutung hat.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz begleitete in den vergangenen dreißig Jahren partnerschaftlich zahlreiche Denkmalprojekte der evangelischen Kirche. Gerade die Rettung kleiner, durch Geldmangel und daraus folgendem Verfall bedrohte Dorfkirchen wurden in großer Zahl gerettet. In der St. Lorenzkirche unterstützt die DSD seit 2005 die aufwendigen, bis heute anhaltenden Instandsetzungsarbeiten, insbesondere die Restaurierung der wertvollen spätgotischen und renaissancezeitlichen Fenster sowie der Joche des Langhauses.

Lorenzkirche in Nürnberg © Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Wagner
Lorenzkirche in Nürnberg © Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Wagner

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist die größte private Initiative für Denkmalpflege in Deutschland. Sie setzt sich seit 1985 kreativ, fachlich fundiert und unabhängig für den Erhalt bedrohter Baudenkmale ein. Ihr ganzheitlicher Ansatz ist einzigartig und reicht von der Notfall-Rettung gefährdeter Denkmale, pädagogischen Schul- und Jugendprogrammen bis hin zur bundesweiten Aktion Tag des offenen Denkmals®.

Rund 600 Projekte fördert die Stiftung jährlich, vor allem dank der aktiven Mithilfe und Spenden von über 200.000 Förderern. Insgesamt konnte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bereits über 7.500 Denkmale mit mehr als einer drei viertel Milliarde Euro in ganz Deutschland unterstützen. Doch immer noch sind zahlreiche einzigartige Baudenkmale in Deutschland akut bedroht. mehr erfahren

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