Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützt Bremer Tobias-Schule erneut bei Instandsetzung
Am Dienstag, den 6. Oktober 2026, um 11.00 Uhr überreicht Dr. Wolfram Seibert, Ortskurator Bremen der privaten Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), an der Orangerie in Hasses Park in Bremen symbolisch einen Fördervertrag über 80.000 Euro an Melina Conrad-Rolf, Geschäftsführerin des Tobias-Schule und Kindergarten in Bremen e. V. Möglich ist die Unterstützung der Arbeiten dank zweckgebundener und allgemeiner Spenden an die DSD und der Erträge der Lotterie GlücksSpirale.
Mit den Mitteln werden konkret die Sanierung der vertikalen Fensterelemente und dafür erforderliche Schreiner-, Maler- und Glaserarbeiten unterstützt. Die aktuelle Förderung knüpft an ein bereits mehrjähriges Engagement der DSD für die Orangerie in Hasses Park an: Bereits seit 2019 unterstützt die Stiftung die schrittweise Instandsetzung der historischen Verglasung der Orangerie. Mit der aktuellen und nunmehr vierten Förderung beläuft sich die Summe der bisher erfolgten Unterstützung auf knapp 188.000 Euro.
Die Orangerie gehört zum ehemaligen Landgut Hasse in Bremen-Oberneuland. Die Tobias-Schule nutzt das Haupthaus des Landguts für Unterricht und Verwaltung und auch das Gewächshaus spielt für den Betrieb der Waldorfschule eine wichtige Rolle. Es wird unter anderem für den Gartenunterricht genutzt, bei dem jungen Menschen historische Gartenkultur und traditionelles Handwerk anschaulich vermittelt werden.
Die Geschichte des Landguts lässt sich weit zurückverfolgen, so übernahm es 1788 Engelbert Wichelhausen vom Vorbesitzer Senator Christian Nicolaus Schoene. 1819 ging es an die Familie Iken, 1894 wurde der Besitz unter zwei Nachfahren aufgeteilt und in der Folge entstand im heutigen Stadtteil Bremen-Oberneuland das 1896 errichtete zweistöckige Landhaus nach Plänen von Eduard Gildemeister unter der Bauherrschaft des Kaufmanns Carl Otto Hasse – nach ihm wurden Landsitz und der umgebende Landschaftspark benannt. Das Gewächshaus stammt aus einer früheren Ausbauphase um 1800 und die Bauzeit wird auf die Zeit zwischen 1790 und 1810, datiert – genauere dendrochronologische Untersuchungen stehen noch aus.
Die Orangerie zählt zu den bemerkenswertesten historischen Gartenbauten Norddeutschlands. Möglicherweise entstand es zunächst als barockes Pomeranzenhaus, genutzt speziell für die Kultivierung und frostsichere Überwinterung von Zitrusgewächsen – insbesondere von Pomeranzen (Bitterorangen) und Limonen. Später erfolgte eine Erweiterung.
Während die Konstruktion der Orangerie in der Tradition norddeutscher Fachwerkbauten ausgeführt ist, zeichnet sich die südliche Fassade durch ihre vollständige Verglasung aus. Die Orangerie ist ein Zeugnis der Zeit, in der die, die es sich leisten konnten, gutbetuchte Adelige und angesehene Bürger, sich ihr eigenes Gewächshaus zum Anbau von auf dem freien Markt nicht erhältlicher exotischer Südfrüchte errichteten.
Außergewöhnlich ist die erhaltene technische Ausstattung der Orangerie in Hasses Park. Die Dachflächenfenster können mithilfe einer aufwendigen Seil-, Rollen- und Gegengewichtskonstruktion unter die Dachflächen geschoben werden. Auch Beschattungsläden lassen sich vom Dachboden aus ein- und ausfahren. Die hochkomplexe Technik, die mit ihrer Takelage an ein Schiff erinnert, ist funktionsfähig erhalten und in ihrer Art einzigartig.
Nachdem bereits die Schrägverglasungen instandgesetzt werden konnten, zeigten sich weitere erhebliche Schäden an der stehenden Verglasung sowie an der rückwärtigen westlichen Giebelseite. Dort müssen geschädigte Holzkonstruktionen repariert, mit Leinölanstrichen geschützt und anschließend denkmalgerecht neu verglast werden.
Die Orangerie in Hasses Park in Bremen ist eines der mehr als 40 Denkmale, die die DSD dank privater Spenden, ihrer Treuhandstiftungen sowie der Mittel der Lotterie GlücksSpirale bisher allein in der Freien Hansestadt Bremen fördern konnte.
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