Erstmals hat die treuhänderische Marlis und Gerd Weyher-Stiftung unter dem Dach der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) den mit insgesamt 10.500 Euro dotierten Römhilder Denkmalpreis verliehen. Im Rahmen einer Feierstunde im Schloss Glücksburg sind am Samstag drei Eigentümer ausgezeichnet worden, die mit ihren denkmalpflegerischen Maßnahmen zum Erhalt des Stadtbildes der Historischen Altstadt Römhild beitragen.
„Die eingereichten Bewerbungen haben eindrucksvoll gezeigt, mit welchem Engagement und welcher Sorgfalt sich private Eigentümer für den Erhalt ihrer Denkmale einsetzen. Der Römhilder Denkmalpreis macht diese Leistungen sichtbar“, sagt Gerd Weyher. „Zugleich sollen andere Eigentümer ermutigt werden, Verantwortung für das baukulturelle Erbe der Stadt zu übernehmen“, so Manuel Hase, stellvertretender Vorsitzender der Marlis und Gerd Weyher-Stiftung.
Den ersten Preis, dotiert mit 4.000 Euro, erhält Werner Theilig für die denkmalgerechte Sanierung seines Gebäudes in der Griebelstraße 14. Die Jury würdigt insbesondere den behutsamen Umgang mit der historischen Originalsubstanz. Es sei geprüft, bewahrt und nur dort ergänzt worden, wo es nötig war. Gerade diese Achtung vor dem Original mache die Maßnahme besonders preiswürdig. „Die erneuerte Fassade des Haupthauses stärkt das historische Straßenbild, ohne den Charakter des Gebäudes zu überformen. Die beiden aufgemalten Blindfenster nehmen historische Proportionen auf und ordnen die Fassade mit feinem Gespür für Maß und Rhythmus“, sagt Manuel Hase in seiner Laudatio. Die erneuerten Fenster am Giebel sowie die Sanierung des historischen Hoftors im Seitengebäude wird ebenfalls hervorgehoben. Das Projekt zeige beispielhaft, wie sich historische Bausubstanz bewahren und zugleich das Ortsbild nachhaltig stärken lässt.
Der zweite Preis, dotiert mit 3.500 Euro, geht an Reiner Roßbach für seine Maßnahmen am Gebäude in der Dr.-Ernst-Hönn-Straße 9. Die Jury lobt die Fenstererneuerung nach historischem Vorbild. „Ebenso verdient die Wiedersichtbarmachung der historischen Dielenböden Anerkennung. Mit ihnen kehrt ein Stück gelebter Geschichte in den Alltag zurück; Material, Gebrauchsspuren und handwerkliche Fügung machen den Charakter des Hauses unmittelbar erfahrbar“, heißt es in der Laudatio. Auch die Aufarbeitung und Instandsetzung der historischen Innentüren überzeugte. Die Arbeiten bewahrten nicht nur die historische Substanz des Hauses, sondern machten dessen Geschichte und handwerkliche Qualität wieder erlebbar. Das Projekt sei ein vorbildliches Beispiel dafür, welchen Beitrag private Eigentümer zum Erhalt der historischen Altstadt leisten können.
Der dritte Preis, dotiert mit 3.000 Euro, wird an Thomas Kaiser für die Sicherung und Sanierung des Kavaliershauses in der Heurichstraße 8 vergeben. Das Gebäude zählt zu den vier historischen Kavaliershäusern der ehemaligen Kammerjunker Herzog Heinrichs und wurde zeitweise als Gebetsstätte der jüdischen Gemeinde Römhild genutzt. Die Jury würdigt insbesondere die umfangreichen Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen. „Besonders hervorzuheben ist die Bewahrung historischer Ausstattungselemente wie Stuck, Wandmalereien und weiterer überlieferter Details. Sie machen die Geschichte des Hauses sichtbar und geben dem Denkmal seinen unverwechselbaren Charakter“, heißt es in der Begründung. Die Jury sieht darin ein herausragendes Beispiel für den respektvollen Umgang mit historischer Substanz.
Der Römhilder Denkmalpreis ist 2026 erstmals von der Marlis und Gerd Weyher-Stiftung ausgelobt worden. Die Treuhandstiftung wurde 2021 unter dem Dach der DSD gegründet und engagiert sich für den Erhalt der Baudenkmale in Römhild. Mit der Auszeichnung sollen beispielhafte Leistungen in der Denkmalpflege sichtbar gemachen und das Bewusstsein für den Wert der historischen Altstadt gestärkt werden.
Dass das Ehepaar Weyher, das in Frankfurt lebt, zur Stadt Römhild so eine Liebe entwickelt hat, liegt an Gerd Weyhers Vater: „Es fing bei meinem Vater an, der zu DDR-Zeiten Römhild besuchte und von seinen Besuchen während seiner Schulzeit erzählte. Bei jeder Gelegenheit schwärmte er dann von den Pariser Schaumröllchen, die er von seinem Onkel, ein Konditor, serviert bekam“, sagt Gerd Weyher. Das Rezept fand seinen Weg einst von Paris in die Thüringer Stadt. Ein Zeitungsartikel und Einsatz der Glücksburger schließlich sorgte dafür, dass heute in Römhild wieder Schaumröllchen gebacken werden.
Seit den 90ern besuchen Marlis und Gerd Weyher Römhild regelmäßig. „Es entstand allmählich der Wunsch, Römhild zu unterstützen. Das ließ sich über eine Stiftung unter dem Dach Deutschen Stiftung Denkmalschutz ermöglichen, und eine Form dieser Unterstützung ist die Einrichtung und Verleihung des Römhilder Denkmalpreises“, so Gerd Weyher. Der Preis soll künftig alle drei Jahre vergeben werden.
Zur Jury, die beim diesjährigen, ersten Römhilder Denkmalpreis aus den sieben Einreichungen drei Preisträger ausgewählt hat, gehörten:
- Dagmar Millen, in Vertretung für das Stifter-Ehepaar Marlis und Gerd Weyher/Vertreterin der Familie Weyher
- Manuel Hase, stellvertretender Vorsitzender der Marlis und Gerd Weyher-Stiftung
- Heiko Bartholomäus, Bürgermeister der Stadt Römhild
- Ulrike Buff und Daniel Reiche, Untere Denkmalschutzbehörde im Landkreis Hildburghausen
- Tim Schöps und Yannick Ley, DSD-Denkmalförderung