Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützt eine der ältesten Kirchen Rügens zum fünften Mal
Joachim von Marschall, Ortskurator Rügen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), überreicht am Dienstag, den 14. Juli 2026, um 11.00 Uhr symbolisch einen Fördervertrag über 20.000 Euro an die Pastorin Marie-Luise Marlow. Mit den Mitteln wird die Sanierung des Turms der Kirche im Putbuser Ortsteil Vilmnitz auf der Insel Rügen unterstützt. Die Mittel stammen aus dem Dorfkirchenfonds der DSD und können dank zahlreicher privater Spenden bereitgestellt werden.
Konkret werden Maurerarbeiten am Turm, die Reinigung des Außenmauerwerks, Einzelsteinausbesserungen, die Sanierung von Mauerwerksrissen sowie die Instandsetzung der Fugen und des Natursteinsockels gefördert. Zudem ist die Erneuerung des Putzes an den Blindnischen vorgesehen. Blindnischen, auch Blindfenster, Blendfenster oder Scheinfenster genannt, verfügen wie ein normales Fenster über eine Laibung, Sturz und Sohlbank, es gibt aber keine Fensteröffnung oder Verglasung. Aus diesem Grund wird dieses architektonische und stilistische Element, das einer Fassade Struktur und Charakter verleiht, auch als Scheinfenster bezeichnet.
St. Maria Magdalena zu Vilmnitz zählt zu den ältesten Kirchen Rügens und ist ein stattlicher Backsteinbau mit einem Rechteckchor – ein Altarraum mit rechteckigem Grundriss, Nordsakristei und Westturm. Dessen Ursprünge reichen in die Mitte des 13. Jahrhunderts zurück, im Laufe des 15. Jahrhunderts wurde er erweitert.
Das Bauwerk ruht auf einem Sockel aus behauenen, also grob bearbeiteten und gequaderten Feldsteinen. Historisch besonders bedeutend ist die Grabkammer der gräflichen und später fürstlichen Familie zu Putbus. Seit dem beginnenden 17. Jahrhundert und bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war die Gruft in der Vilmnitzer Kirche Begräbnisstätte der Familie Putbus. Unter dem Ostchor stehen mehr als 25 ornamental und prunkvoll verzierte Särge, teils aus Metall, teils aus Holz. Der Stadtgründer Fürst Malte und seine Ehefrau sind die letzten dort Bestatteten; 1854 und 1860. Seit 1867 ist das Mausoleum im Putbusser Park die Begräbnisstätte der fürstlichen Familie zu Putbus. Die Fürstengruft ist heute öffentlich zugänglich, zudem finden in der Kirche regelmäßig Führungen und Konzerte statt.
Die Kirche in Putbus-Vilmnitz wird bereits zum fünften Mal gefördert: 1995 wurden unter anderem Fenster und Mauerwerksflächen instandgesetzt sowie Risse im Innenraum saniert und der Turmdachstuhl überarbeitet. 2013 unterstützte die DSD die Reinigung und Konservierung der Särge in der Fürstengruft sowie die Erstellung eines Restaurierungskonzepts. 2014 folgte die anteilige Förderung zur Restaurierung eines Prunksargs. 2022 wurden Maßnahmen zur Notsicherung und Bestandserfassung von Epitaphien unterstützt. Mit der aktuellen Förderung wurde die Gemeinde mit bisher insgesamt mehr als 100.000 Euro unterstützt.
Die Pfarrkirche Maria Magdalena in Putbus-Vilmnitz ist eines der mehr als 670 Denkmale, die die Deutsche Stiftung Denkmalschutz dank privater Spenden, ihrer Treuhandstiftungen sowie der Mittel der Lotterie GlücksSpirale allein in Mecklenburg-Vorpommern bereits fördern konnte.
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