Unterstützung für Arbeiten an Kellerwand und Deckenstabilisierung
Sanierungsarbeiten an der ehemaligen Spinnerei und Tuchfabrik Moritz Weidenmüller in Lengenfeld im Vogtlandkreis werden von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) mit 15.000 Euro gefördert. Die Mittel können dank privater Spenden und der Lotterie GlücksSpirale bereitgestellt werden.Konkret unterstützt werden die Instandsetzung der Kellerwand unter dem Eingangspodest, der Bau einer Außentreppe zum Erreichen des Untergeschosses sowie die Stabilisierung der Decke unter dem sogenannten Wolfraum, in dem Rohfasern wie Wolle oder Baumwolle mechanisch aufgelockert, gereinigt und gemischt wurden. Die Arbeiten sind Teil der vorgesehenen, schrittweisen Sanierung des Fabrikgebäudes im Walkmühlenweg 2, um es zu erhalten und langfristig nutzen zu können.
Die Stadt Lengenfeld entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem wichtigen Zentrum der Filztuchproduktion, die insbesondere für die Papierherstellung benötigt wurde. Von mehreren ortsansässigen Unternehmen hat sich die ehemalige Tuchfabrik Moritz Weidenmüller erhalten; ein bedeutendes Zeugnis der regionalen Textilgeschichte.
Das Gebäude geht auf eine 1853 gebaute Spinnerei zurück, die am Standort einer bis ins 16. Jahrhundert nachzuweisenden Hammermühle für die mechanische Zerkleinerung von Materialien entstanden ist. Nach einem Brand im Jahr 1867 wurde die Fabrik wieder aufgebaut und es erfolgte die Umwandlung in eine Filztuchfabrik.
Auf Fabrikant Herrmann Roth, die Firma Thomas und Sohn sowie die Firma Pietzsch, folgte Moritz Weidenmüller, der das Fabrikgebäude 1903 übernahm und seine bereits 1887 gegründete Firma an den Standort verlegte. Der Betrieb blieb über Generationen in Familienhand und bis 1990 wurden Filze und Pappen hergestellt. Seit 2024 nutzt der Verein Alte Spinnerei und Tuchfabrik Lengenfeld das Gebäude und verarbeitet auf den nach wie vor vorhandenen und funktionstüchtigen Maschinen regionale Schafwolle. Damit lässt sich der gesamte Produktionsprozess der Tuchherstellung – vom Garnspinnen bis zum fertigen Tuch – anschaulich nachvollziehen.
Der umfangreiche historische Maschinenbestand stammt aus der Zeit zwischen 1870 und 1960, darunter zahlreiche Maschinen sächsischer Hersteller wie Schwalbe aus Werdau oder Louis Schönherr aus Chemnitz. Vorhanden ist auch ein funktionsfähiger Selfaktor, der in Sachsen einzigartig ist. Der Selfaktor ist eine vollautomatisch arbeitende Spinnmaschine, die im frühen 19. Jahrhundert entwickelt wurde und halbautomatische Produktionsprozesse ablöste; ein Meilenstein der industriellen Revolution in der Textilindustrie.
Die ehemalige Spinnerei und Tuchfabrik Moritz Weidenmüller in Lengenfeld ist eines der mehr als 880 Denkmale, die die Deutsche Stiftung Denkmalschutz dank privater Spenden, ihrer Treuhandstiftungen sowie der Mittel der Lotterie GlücksSpirale bisher allein in Sachsen fördern konnte.